Vitamin D ist eine hervorragende Möglichkeit das Immunsystem zu modulieren. Vitamin D gehorcht hier einer „U“-Kurve:

  • VitD Mangel (< 30ng/ml) führt zur Immunschwäche –> siehe Influenza – Prophylaxe
  • VitD Überschuss ( > 140ng/ml) dämpft ein überschiessendes Immunsystem und kann als Massnahme gegen Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden

dem zweiteren – der Wirksamkeit gegen Autoimmunerkrankungen – ist dieser Recherche-Artikel gewidmet.

 

Zusammenfassung der VitD-Wirkungen bei AutoimmunKH

einleitend eine kurze Zusammenfassung der molekularen Hintergründe

Autoimmunologische Prozesse werden durch eine überwiegende TH-17 Dysregulation gesteuert.

D.h. dass die inflammation v.a. über das inflammatorische Zytokin IL-17 läuft welches von TH-17 T-Zellen ausgeschüttet wird, bei einer gleichzeitigen Unterdrückung einer TH-1 Inflammation. Ursache der TH-17 Dysregulation ist derzeit noch unbekannt, wiewohl ich einen Zusammenhang mit chron. EBV-Infektion vermute.

Die Entzündungs-Regulation ist sehr komplex und ein Netzwerk von interagierenden „aktivierenden“ und „bremsenden“ Steuermolekülen („Zytokine“, „Interleukine“) – die v.a. von entsprechenden steuernden T-Helfer Zellen TH ausgeschüttet werden.

Sehr sehr sehr vereinfacht könnte man sagen:

  • TH-1: Fieber –> verwenden vor allem Interleukin-1
  • TH-2: Allergien –> verwenden vor allem Interleukin-2
  • TH-17: Autoimmunprozesse –> verwenden vor allem Interleukin-17

Autoimmunerkrankungen kann man erfolgreich durch Unterdrückung von IL-17 behandeln.

Eine Verminderung der TH-17 Helfer – Zellen ODER eine Vermehrung der immunbremsenden regulatorischen T-Zellen TReg führen automatisch zu einer Abschwächung einer autoimmunologischen Situation. 

Dies wünscht man sich im Fall einer Autoimmunerkrankung, wie es zB:

chronische Arthritis, Multiple Sklerose, Rheuma, Morbus Crohn, Colitis ulzerosa, Lupus, Pemphigus, Neurodermitis, (Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose) …. darstellen.

 

Vitamin D

D3 (Calcitriol) wirkt

  1. bremsend auf die TH-17 Aktivität ein 
  2. erhöht Zahl und Aktivität von TRegs = Immunsuppressive regulatorische T-Zellen.

Desswegen kann man im Rahmen des Coimbra – Protokolls Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln.

Zehntausende Patienten profitieren von diesem Protokoll weltweit, Prof. Cicero Coimbra, Neurologe an der Univ. Sao Paulo / Brasilien hat ca 200 Ärzte weltweit in einer zertifizierten Ausbildung in der Anwendung der Hochdosis-VitD Therapie geschult. 

Im Rahmen einer immun-subtypisierung wie sie für eine Mikroimmuntherapie typischerweise durchgeführt wird, kann man das Hochregulieren der TRegs durch Hochdosis-VitD zeigen.

Vorsicht vor selbstverordnetem Hochdosis-Vitamin D

gemäss meiner Labormessungen bei hunderten Patienten würde ich die Grenze einer unbedenklichen Dauer-Einnahme von VitD mit 10.000 IE / Tag festlegen, ohne dass regelmässige Laborkontrollen zu erfolgen haben. Temporäres Überschreiten (20-50.000 IE / Tag) ist im Rahmen einer Aufsättigung möglich, sollte aber zeitlich begrenzt sein.

Mit 10.000 IE erreichen die meisten von mir gemessenen Patienten (zusammen mit K2) dann nach 3-6 Monaten 80-120ng/ml D3. 

Die von Prof. Michael Holick als bedenkenlos genehmigten 20.000 IE VitD / Tag erscheinen mir zu hoch, hier finde ich bei Langzeiteinnahme Werte bis 180 ng/ml und erhöhte TRegs im Blut, was für Autoimmunerkrankungen sinnvoll, bei Krebserkrankungen aber kontraindiziert ist!

Ich selber verwende für die Patienten den VitD Rechner aus dem Schweikart-Verlag.

VitD in höheren Dosen über längere Zeit verabreicht birgt immer die Gefahr einer „Hypercalciämie“: der Körper nimmt zuviel Calcium aus der Nahrung auf. Bei gleichzeitiger Trink-Schwäche führt dies zu einer Verschlechterung der Nierenwerte, im Extremfall sogar zu einer Nierenverkalkung (Nephrocalcinose). 

Diese ist reversibel und kann durch Erhöhung der Trinkmenge (Calcium-armes Wasser) und Aufhören der VitD – Einnahme in kurzer zeit normalisiert werden.

Vitamin D in THERAPEUTISCHER Absicht in hohen Dosen – als Therapieversuch gegen Autoimmmunerkrankungen eingenommen – benötigt immer ärztliche Begleitung, regelmässige Laborkontrollen (Blut, Urin) und eine Calcium-Arme Ernährung sowie kontrollierte Trinkmenge. 

Sogar bei entsprechender Überwachung und „Compliance“ (man hält sich an die ärztlichen Ratschläge) bekommen 2-3% der Patienten eine Hypercalcämie, ev. sogar eine (reversible) Nephrocalcinose.

Studien zum Thema  VitD  und  AutoimmunKH

wir untersuchen die Pubmed auf wissenschaftliche Hinweise zum Thema VitD als Therpeutikum gegen Autoimmunerkrankungen, insbesondere gegen „Multiple Sklerose“.

da wir wissen, dass die moderne Forschung uns den TH-17 bzw. IL-17 Mechanismus als Erklärung für Autoimmune Prozesse anbietet, suchen wir besonders nach jenen Studien, die noch zusätzlich diese Erklärung mit einbezieht, also auch die molekularen Grundlagen der Autoimmunerkrankung misst.

 

Höchste Evidenz-Stufe haben natürlich Klinische Studien

klinische Studien entsprechen immer „Menschenversuchen“ nach vorher festgelegten Schlüsselkritierien um Substanzen auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen zu untersuchen.

hierzu folgende Suchterme in der Pubmed bzw. Google Scholar

 

besser sind randomisierte – kontrollierte Studien

randomisiert: hier werden die Probanten „zufällig“ entweder der Versuchsgruppe (bekommt das Mittel) oder der Kontrollgruppe (Plazebo) zugelost. 

Kontrolliert bedeutet zwei Probanten-Gruppen die in etwa gleich aufgestellt ist, eine bekommt Plazebo, die andere das Verum-Mittel – die Ergebnisse werden dann verglichen.

daher randomisiert + kontrollierte + klinische Studien + Multiple Sklerose

 

der heilige Gral: randomisierte, kontrollierte, doppelblinde Studien zu VitD und MS

Doppelblind: Weder Probant noch Versuchsleiter weiss wer jetzt zu welcher Gruppe gehört. Erst im Nachhinein wird dies festgestellt. Diese Studien haben das höchste Vertrauen, da eine Manipulation praktisch ausgeschlossen ist.

 

Zusammenfassender TENOR der Aussagen all dieser Studien in folgendem Screencut (verlinkt zur Studie)

 

 

Klinische Studien ohne Bezug auf molekularen Grundlagen

Wenn ich den sehr einschränkende TH-17 / IL-17 Zusatz-Such-Terme weglasse, kommen wir auf folgende Such-Ergebnisse

 

einige der topgereihten Studien

wenn tausende Studien zur Verfügung stehen, kann man nur einige wenige Untersuchen. Wenn unter den ersten 30 Studien praktisch idente Forschungsergebnisse dargestellt werden, dann kann man davon ausgehen, dass der Sachverhalt entsprechend valide – und damit geklärt ist, da die neuen Studien immer Bezug auf den bereits veröffentlichten Berg an  Forschungsdaten bezug nehmen.

Multiple Sklerose

Google Scholar Suche:

einige der hochgereihten Studien

  • 1,25D3 hemmt die Differenzierung und Migration von TH17 Zellen und schützt damit gegen experimentelle Autoimmun-Enzephalitis PLOS_2010
  • Vitamin D moduliert verschiedene IL-17 Subtypen in MS-Patienten | Abstract: VitD Mangel –> IL-17 –> je mehr desto schwerer die MS –> VitD reduziert schweregrad. J. Neuroimmunology 2016
  • VitD kann Rückfall bei MS verhindern durch Induktion von TReg, J Neuroimmunology 2011
  • 1,25 D3 vermindert Autoimmunität bei MS durch transkriptionelle Reduktion der Expression von IL-17 FulltextPDF-MolCelBiol 2011
  • das Zytokin-Expressions-Profil bei Neuroinflammation kann durch Calcitriol deutlich in Richtung verminderung von TH-17 Zellen verschoben werden, Vitamin D ist ein wichtiger Entzündungs-Modulator für MS. MolecularImmunology 2015
  • STAT-abhängiger Mechanismus bewirkt die prädominante TH2-Aktivierung (statt TH-17) durch Vitamin D J.Neuroinflammation 2011
  • Mechanismen mit denen 1,25D3 die TH17 autoimmunologische Aktivität moduliert AKJournals2013Abstract – AKJournals 2013 PDF
  • 1,25D3 und Trans-Retinoid hemmen synergistisch die Differenzierung und Expansion von TH17  ImmunolLett 2010
  • VitD down-reguliert die Expression von TH17 Zytokinen und inflammatorischer Chemokine und deren Rezeptoren in der experimentellen Autoimmunenzephalitis  NutritionalNeuroscience 2018 

 

andere Autoimmun-Erkrankungen

Rheuma / PCP / rheumatoide Arthritis

zB einige der führenden Artikel

  • Nature Artikel (das kennen nur Wissenschaftler, für die ist das mit „Science“ zusammen die höchste Instanz):  1,25 D3 + TNF-Alpha zusammen blockieren Rheuma und deren Immunologische Ursache (TH-17 Aktivität).  Nature 2012

 

nach diesem Schema kann man die Pubmed weiter durchsuchen, man möge nur die Suchterme oben statt Multipler Sklerose zB durch Lupus (7000) oder Colitis (7000) oder Parkinson (2000) usw untersuchen.

wieso wird bei diesem hohen Grad an Evidence VitD nicht therapeutisch eingesetzt?

Als nichtpatentierbare Natursubstanz bzw. körpereigenes Regenerations-Hormon steht VitD natürlich nicht im Fokus der Pharmaforschung und deren assoziierte Experten. Im Gegenteil, der erfahrene Teilnehmer des medizin-Cercles ist sich bewusst, dass bei billigen patentfreien Substanzen ein deutlicher Systemdruck „gegen“ deren Verwendung besteht, da sie ja den Umsatz von 

Dass wir trotz dieser überraschenden Vielzahl von Studien die hochdosis-VitD Therapie von Autoimmunerkrankungen keine offfizielle Guideline-Medizin sind, die teils hervorragenden Behandlungs-Ergebnisser durch orthomolekulare oder funktionelle Medizin nicht „offizell“ anerkannt werden, liegt an der aktuellen Finanzierungs-Politik der medizinischen politischen Institutionen, die sich v.a. als Sprachrohr für die Industrie verstehen. Gerade in den USA ist dies am besten sichbar: dort werden hochrangige Mitglieder von Pharmafirmen regelhaft als Chefs in die Bundesbehörden für div. Medizin-Fragen: FDA usw geschickt, dort werden durch einseitige Regularien Bedingungen geschaffen, welche nur hochpreisige Pharmamittel als therapeutische Möglichkeit erlauben. Die Ärzte sind an dieses enge Korsett gebunden, da sie nur dann legistisch geschützt sind. Durch die enge Verknüpfung von Google und Pharmafirmen verschwinden viele aufgedeckte Skandale rasch aus dem öffentlichen Gedächtnis.

Hierzu siehe bitte die Forschungen von Dr.Ben Goldacre über Forschung und Industrie 

Leider sind die fantastisch recherchierten und referenzierten Goldacre Bücher im deutschen Raum mit sehr dumm-provokanten deutschen Titel versehen, da bitte ich darüber hinweg zu sehen, Ben Goldacre ist absolut seriös und liefert eine sehr ernsthafte Arbeit ab.

Wenn in seltenen Fällen eine reversible Nebenwirkung dieser Hochdosis-VitD Therapie bei Non-Compliern auftritt, steht – nach meiner Meinung – das Nutzen-Risiko-Verhältnis um ein vielfaches besser da als bei der Leitlinien-Therapie für Multiple Sklerose, wie man täglich von den Patienten hören kann.

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