wir sind am Beginn einer Forschungsreise in Richtung Verständnis und hoffentlich auch Verbesseruung von „komplexen chronischen Erkrankungen“, wie zB Multiple Sklerose oder auch Amyotrophe Lateralsklerose.

Nachfolgende Studie rechtfertigt einen eigenständigen Artikel, da die Babesien nur als „akute Fieber-Krankheit“ bekannt sind.

chronische Babesien-Therapien derzeit nicht klar

Wir haben mehrere Patienten mit komplexen neurologischen Problemen mit positivem Babesien Titer und ich bin auf der Suche nach mehr Hintergrund-Infos und Therapie-Protokollen. Meine Supervidoren zum Thema chronische Infektionen haben abgewinkt („keine spezifische Erfahrung“), so bleibt mir nur die Literatursuche.

Dabei bin ich über folgenden faszinierenden Fallbericht über die Heilung eines Falls von ALS gestolpert

Erholung von Motoneuronerkrankungen durch iv Ceftriaxon und Anti-Babesia-Therapie

(weiter unten ist Link in FullTextPDF, hier sind teile draus mit Google übersetzt)

Im April 2003 entwickelte ein gesunder 62-jähriger Colorado (USA) Arzt diffuse Bewegungsapparat-Schmerzen und Schwäche mit eingeschränkter Mobilität und Gangart. Er wurde schnell unfähig, sich anzuziehen oder ohne Hilfe zu fahren und musste in den Ruhestand gehen. 

….. weit verbreitete Faszikulationen …. hyperaktive Reflexe aller Extremitäten. Die Entlassungsdiagnose war „oberer und unterer Motoneuronen-Krankheit unklarer Ursache – möglicherweise ALS“.

Das Follow-up zeigte in den nächsten 2 Monaten ein Fortschreiten mit zunehmender Schwäche, Faszikulationen an allen Extremitäten und in der Zunge, Atrophie von Schultergürtel, Bein und Arm Muskeln und ein damit verbundener Gewichtsverlust von 15 Pfund.
Zwei von vier beratenden Neurologen diagnostiziert „fast sicher ALS“. Überlebenszeit von 12 bis 18 Monaten wurde veranschlagt.

Wegen der gleichzeitigen entzündlichen Polyarthropathie und Berichte über serologisch negative Lyme Krankheit mit ALS-Merkmalen gaben wir empirisch Doxycyclin für 1 Monat im Juni 2003 ohne offensichtlichen Nutzen. Im Dezember 2003 wurde erneut Serum Western Blot (WB) auf Borrelien durchgeführt. Obwohl IgG und IgM im WB negativ waren, bekamen wir einen positiven Urin-PCR für B. Burgdorferi-Plasmid-DNA. Bis auf eine geringe Gammopathie war der Liquor cerebrospinalis nach Lumbalpuntkion normal, mit negativer Borrelia PCR und WB.

Im peripheres Blut, gelegentlicher Ring innerhalb der roten Blutkörperchen, dies gilt im Lichtmikroskop als Hinweis auf Babesien.

In Ermangelung einer Therapie für Motoneuronen-Erkrankung führten wir nun eine empirische Therapie mit iv Ceftriaxon, 4 g / Tag, vier aufeinanderfolgende Tage wöchentlich Anfang 2004.

Das Protokoll basierte auf einem früheren erfolgreichen 12-wöchigen Behandlungsschema für Borreliose (nicht MND) (Cichon M, Florida, pers. Mitteilung) und der Dosis-Empfehlung des Arzneimittelherstellers. Ursodiol wurde auch gegeben, um Ceftriaxon-induzierten Galle-Schlamm zu verhindern. Wir gaben dem Patienten auch ein orales Anti-Babesia-Regime von Atovaquone, 750 mg 2 x täglich für 21 Tage in jedem der ersten 3 Monate, das zugehörige Azithromycin zur Babesien-Therapie haben wir zurückgehalten, weil wir die Ceftriaxon-Wirksamkeit als Ersatz sahen.

Die Verbesserung des Patienten war schnell erkennbar. Nach 10 Wochen Therapie war die verbesserte Ausdauer, Mobilität, Vitalität, Initiative und soziales Engagement 
unverkennbar. Die objektive Muskelkraft war signifikant verbessert und die Muskelatrophie war sichtbar zurückgebildet. Nach 12 Wochen Ceftriaxon und Atovaquone war keine Unterstützung mehr erforderlich.

Mobilität und Kniebeugen wurden zum ersten Mal möglich. Muskelkrämpfe, Myoklonus
und Faszikulationen waren vermindert, aber Reflexe blieb hyperaktiv und gekreuzt. Alle Arthropathie waren nun trotz Absetzen früherer Methotrexat-Injektionen behoben.

Nach dem ersten 12-wöchigen IV-Ceftriaxon-Kurs des Patienten (Februar – Mai 2004) haben wir dieses Medikament abwechselnt mit 2 oder 4 g täglich fortgesetzt. Beim sporadischen Aussetzen von Ceftriaxon (nach 12 Wochen) kam es zur tw. Rückkehr von Anzeichen und Symptomen typisch für disseminierte Borreliose (14, 16), mit
Verbesserung bei erneuter Infusion. Atovaquone wurde nach drei 21-tägigen Kursen beendet, danach eine 1-monatige Pause, dann orales Mefloquin 250 mg wöchentlich für 6 Monate (Ende November 2004). Die Anzeichen und Symptome der Motoneuronen – Erkrankung besserten sich weiter.

Im Februar 2005, 1 Jahr nach Beginn der Antibiotikatherapie stellte sein ALS-erfahrener Neurologe fest, dass der Patient offenbar frei von objektiven Motoneuronen-Erkrankungs-Zeichen war. Dies blieb bis jetzt 2006 so. Der Patient bekommt intermittierend Ceftriaxon um Symptome zu kontrollieren, die ausserhalb der ALS liegen.

Auffallend dass wir keine nachteiligen Nebenwirkungen im Zusammenhang mit längerer Anwendung von IV Ceftriaxon oder den Anti-Babesia-Medikamente beobachten konnten.

Am 13.09.2005 führten wir erneut eine Laboruntersuchung durch, diese ergab erneut negativer Borrelia IgM WB (keine positiven Banden), negative Borrelia IgG WB (jedoch Banden P39 und P41 waren nur positiv), negativ B. microti FISH, IFA und PCR und negativ
Babesia WA-1 IFA.

Fazit

Wir haben die vollständige neurologische Erholung dokumentiert
bei einem Patienten mit einer nicht wiederherstellbaren MotoneuronenKrankheit. Das
erfolgreiches klinisches Ergebnis war verbunden mit Antibiotikatherapie als Reaktion auf den Nachweis von zwei gleichzeitige Infektionen. Wir schlagen vor, dass MND kann
in bestimmten Fällen mit einem infektiösen Auslöser verbunden sein kann, die Verwendung von Antibiotika-Therapie bei MND verdient weitere Auswertung.

Harvey WT, Martz D. Wiederherstellung von Motoneuronerkrankungen im Zusammenhang mit IV Ceftriaxon und Anti-Babesia-Therapie, 2006

 

Die Medikamente

Ceftriaxon

3 Mo lang 4 x / Woche (=52 Tage) je 4g (36,- Tagestherapiekosten) –> 1872,-

das hier verwendete Rocephin bzw. Ceftriaxon wird i.d.R. NICHT von der Krankenkasse bezahlt. Es zahlt sich aus nach günstigen Online-Apotheken zu suchen oder mit dem eigenen Apotheker zu verhandeln.

10 x Infusion 2.0g Ceftriaxon kosten zwischen 170-190,- in verschiedenen Online-Apotheken:  RatiopharmKabiEberth / EberthFa Puren / Puren  / ratiopharm  /  Stragen  ich hab oben 180,- / Packung eingesetzt, damit kommt man 5d aus.

ohne Arztkosten (Infusion). 

Atoquavon

reines Atoquavon hab ich nur folgendes gefunden: Fa Glenmark um 630,- für 50 Dosen – man benötigt 2 Dosen / Tag für 21 Tage / Monat = 42 Dosen / Monat für 3 Monate = 126 Dosen –> 3 Packungen = 1890,-

ansonsten nur die Malaria-Kombi mit Proguanil, zB Fa Stada 96 Stück / 250mg für ca 100,- (benötigt werden 2 x 3 Stück / Tag – 21 Tage/Monat –> 126 Stück / Monat  für 3 Monate –> 378 Tabletten 4 Packungen / 96 Tbl (100,-)  = 400,-

Das heisst die Gesamt-Therapiekosten (ohne Arzt) nur Medikamente sind Minimum 2300,-

Da heisst es mit der Krankenkasse für eine Teil-Übernahme zu verhandeln. Bei entsprechender Diagnose (ALS) und Labor-Nachweiss (Babesien sind schwer nachzuweisen, Borrelien sind wir mit dem deutschen Chroniker Labor zufrieden) sollte man zumindestens einen Teil der Kosten bekommen!

 

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Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische, schulmedizinische und komplementäre ZusatzausbildungenWissenschaftliche Arbeit und Forschungs-BeiträgeZahlreiche Artikel und VorträgeUmfangreiche Recherchen in der aktuellen medizinischen Forschung zum Zweck der Selbst-Weiterbildung und als Gedächtnis-Stütze.   Mässige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler, bitte nicht kommentieren, wer es nicht aushält bitte einfach nicht lesen - Dr. Retzek's Youtube - Kanal mit Testimonials usw. - neue Einträge abonnieren --> im Footer der Seite [toggle title="Ärztekammer Disclaimer"] Ärztekammmer Disclaimer die Oberösterreichische Ärztekammer moniert weite Teile diese Website als "aufdringlich, marktschreierisch und beim Laien den Eindruck medizinischer Exklusivität erweckend". Dies ist keinesfalls beabsichtigt, die Website ist ein absichtsloses Weiterbildungsmedium von Dr. Retzek, der seine wissenschaftlichen Pubmed-Recherchen hier mit ärztlichen Kollegen unentgeltlich teilt, wofür Dr. Retzek von vielen Kollegen aus dem In- und Ausland regelmässig Anerkennung ausgesprochen bekommt. Dass Wissenschaftsrecherchen und Studien "das Standesansehen der Ärzte" verletzen könnte, war Dr. Retzek nicht bewusst, er bedauert dies zutiefst und entschuldigt sich bei den betroffenen Kollegen. [/toggle] 

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