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Zeichenkombinations-Homöopathie | Dr. Retzek's umfassend gesund!

Zeichenkombinations-Homöopathie

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die verf√ľgbaren Resourcen zur „Orginal-Arbeitsweise“ von Hahnemann sind derzeit noch begrenzt. Um sich damit auseinanderzusetzen gibt es derzeit nur die Kurse von Michael Kohl.¬†

Hier versuche ich eine Datensammlung zur Zeichenkombinations-Hom√∂opathie (ZKH) zu halten, um dieser fantastischen und vermutlich erfolgreichsten hom√∂opathischen Arbeitsweise „online“ Unterst√ľtzung angedeihen zu lassen.

JEDER BEITRAG der p.t. Leser wird sehr gerne angenommen, bitte schreibt eine Email oder einen Kommentar. Jeder Fall ist hilfreich.

 

Aktuelle Vertreter der ZKH: Uwe Plate, Michael Kohl …..

[toggle title=“aktuelle Vertreter der ZKH: Uwe Plate, Michael Kohl … ….“]

der wichtigste Vertreter der ZKH ist sicherlich Uwe Plate.

Uwe Plate

……

 

der aktuell gekannteste Homöopath ist der HP Michael Kohl

Michael Kohl

…..

 

der klassischte aller össterreichischen Homöopathien

Anton Rohrer

…..

 

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Heli Retzek √ľber Zeichenkombinationen

[toggle title = „Zeichenkombinationen – die Grundlagen der klassischen Hom√∂opathie“]

 

…die Thematik {Nosoden} ist komplexer und r√ľhrt ans Grundverst√§ndnis unserer klassischen Hom√∂opathie.

Ich versuche es hier zusammenzufassen – das ist eine wichtige Mail, ich werde die dann auch als Artikel weiter ausf√ľhren, weil der punkt so wichtig ist.

 

Basis jeder Homöopathie ist die AMP. Dabei produziert eine temporäre Störung im Testanten ein bis mehrere Symptome.

 

Diese Symptome sind quasi immer ein „Vollst√§ndige Symptom“, denn sie haben ORT, Gef√ľhlsqualit√§t und Modalit√§ten.

 1) ein Beispiel:  stechen im Knie morgens beim Aufstehen die ersten Schritte

2) oder: stechen im Knie beim Stiegen runtersteigen

3) oder: Schwindel nach dem Essen, schwankend, ev. sehr m√ľde

 

 

Diese SYMPTOME bestehen aus „Symptomen-Teilen“,

zB (Symptom 1): Stechen / Knie / Morgens / Erste Schritte / Besser Gehen / Beginn d Bewegung ….

 

 

Die Altvorderen nannten die Einzel-Teile, aus denen das Symptom zusammengesetzt wurde „ZEICHEN„.

 

Ein Symptom ist der INBEGRIFF ALLER SEINER ZUSAMMENSETZENDEN ZEICHEN.

 

 

Hier kam es √ľbrigens bei der √úbersetzung ins Englische zu einem Fehler, es wurden Zeichen mit Symptomen √ľbersetzt, was √ľberhaupt nicht stimmt – den ein ZEICHEN ist ein Symptomen-Teil, wie zB „KNIE“, oder „STECHEN“.

 

Stechen im Knie sind 2 Zeichen die zusammen ein unsicheres, da unvollständiges Symptom aufbauen.

 

Kent hatte also eine fehlerhafte Organon-√ľbersetzung als Quelle und hat daher den grossen Fehler begangen, sein Repertorium v√∂llig falsch aufzubauen, was uns bzw. die Hom√∂opathie heutzutage ganz ganz ganz ganz frustriert und kastriert! Ich erkl√§re das weiter unten wieso.

 

 

Arznei macht Zeichen – keine Symptome

 

Von der ARznei wird nie das komplette Symptom induziert, das komplette Symptom ist n√§mlich immer eine Mischung aus Arznei-St√∂rung sowie Empf√§nglichkeit des Pr√ľfers.

¬†D.h. der Pr√ľfer tr√§gt was bei.

 

A) Ein Pr√ľfer hat – man kann das anhand der Pr√ľfungsprotokolle sch√∂n zeigen, z.B. bei jeder Pr√ľfung „Stechen“, er ist pr√§disponiert STECHEN zu bekommen.

 

B) ein anderer Pr√ľfer hat – bei jeder Arzneipr√ľfung – Prostata-Beschwerden, denn das ist seine Schwachstelle. Bei ihm w√ľrde die Arznei ihre Hauptmodalit√§t oder ihre Hauptbeschwerde an der Prostata manifestieren.

 

C) ein Pr√ľfer hat fast alle Beschwerden zu einer bestimmten Tageszeit, weil er genau dann ein Energie-Tief hat.

 

¬†DAHER ist ein einzelnes Pr√ľfungs-Symptom nicht auswertbar, weil es nicht klar ist, was die Dispositions-Zeichen und was die Arzneimittel-Zeichen des Symptomes darstellen.

 

Erst in der Masse mehrerer Pr√ľfungs-Symptome kann man Arznei-Spezifische Zeichen (=Symptomen-Teile) rausarbeiten, ber√ľhmt ist ja das Stechen von innen heraus von ASA FOETIDA welches auf vielen Lokalit√§ten auftrat.

Daher konnte man STECHEN –> aussen als ASA-FOET Teil identifizieren und kann bei fast allen Krankheiten mit dieser Qualit√§t mit ASA heilen.

 

Das wusste Hahnemann, Jahr, Boenninghausen usw. Sie haben diese Themen klar und deutlich diskutiert und besprochen.

 

Also: ORT x QUALIT√ĄT x MODALIT√ĄT ( x NEBENSYMPTOM) = vollst√§ndige Symptom.

 

in einer AMP sind mindestens 1-2 dieser ZEICHEN des Symptoms Pr√ľfer-Anteile, also nicht Arzneispezifisch.

 

Was ist denn dann das Arznei-Spezifische? Wie kann man das nun rausfinden?

 

Brauchbar sind sowieso nur Zeichenkombinationen, nicht Einzelzeichen, denn die differenzieren ja kaum.

Es gibt also die Kombination:

¬†ORT x QUALIT√ĄT

ORT x MODALIT√ĄT

QUALIT√ĄT x MODALIT√ĄT

ORT x NS

QUALIT√ĄT x NS

MODALIT√ĄT x NS

 

Wenn also z.B. der ORT vom Patienten als sein Schwachpunkt eingebracht wird und nicht arzneispezifisch ist, bleiben in einem derartigen Fall z.B. nur als brauchbare Zeichen-Kombintionen:

QUALIT√ĄT x MODALIT√ĄT

QUALIT√ĄT x NS

MODALIT√ĄT X NS¬†¬† √ľbrig

 Um sicher auf die Arznei schliessen zu können.

 

Wie kommt man nun drauf was Arznei-sichere Zeichenkombinationen und was der Pr√ľfer-Mist ist?

 

Es ist klar, dass es nur √ľber Statistik geht, man sagte: Mindestens 3 Symptome mit derselben 2er-Zeichenkombination in der Pr√ľfung mussten aufgetreten sein um als Arznei-Spezifisches Zeichen zu dienen, alles andere ist Zufall.

 

Also: wenn ich

STECHEN im KNIE beim AUFSTEHEN morgens

STECHEN in BLASE beim beginnenden URINIEREN

STECHENDE KOPFSCHMERZEN beim AUFRICHTEN vom B√úCKEN

STECHEN im ZEH beim Socken-Anziehen

STECHEN im MAGEN beim H√ľpfen

in einer Arznei finde, dann ist es schon sehr sehr sehr spezifisch, dass sie ein STECHER ist, und die Modalit√§t „BEGINNENDE BEWEGUNG AGG, FORTGESETZTE BEWEGUNG AMEL“ auch sehr deutlich ausgepr√§gt ist.

D.h. wir haben sehr deutlich ein Stechen x Bewegungs-Anfang, aber – ganz undeutlich die Lokalisation.

 

Das geringst-Wertigste Zeichen eines Symptomes ist sowieso fast immer die Lokalisation, denn dort tr√§gt der Pr√ľfer meistens den gr√∂√üten Beitrag bei. Wenn ich eine Schulterverletzung hatte, und die Schulter mir sowieso weh tut, wird sie bei einer AMP durch die Arzneist√∂rung erst recht reagieren.

Die Art des Schmerzes und die Modalitäten sind dann jedoch meistens sehr Arznei-typisch.

 

Nun könnt ihr euch vorstellen, wenn ich ein Repertorium konstruiere, das nur auf vollständige Symptome basiert und das noch dazu nach dem unvorteilhaftesten unsichersten Zeichen sortiert wird Рder Lokalisation Р dass man damit fast gar nichts findet!

Im Kent gehe ich immer von der Lokalisation aus. Alle Kapitel sind Lokalisations-Kapitel, ORTE.

Dort stehen dann die Zeichenkombinationen 

ORT –> QUALIT√ĄT¬† (–> Modalit√§t –> Nebensymtpom)

ORT –> MODALIT√ĄT (–> Nebensymptom)

 

Wenn mein Patient also ein Stechen im Knie beim beginnenden Stiegensteigen hat, werde ich im KENT NIE UND NIMMER eine Arznei finden,

die in der PR√ľfung 20 x die Zeichenkombination STECHEN x Beginnende Bewegung hatte, wenn sie es grad nicht im Knie hatte.

Hahnemann, Jahr, Boenninghausen usw. wussten dr√ľber Bescheid, die haben das alles im Schriftverkehr dokumentiert und auch klare Hinweise hinterlassen, wie ein gut funktionierendes Repertorium aufgebaut sein m√ľsste und wie man dann vorzugehen hat.

 

ich bin jetzt schon so m√ľde, ich schriebe morgen weiter, verdaut mal diese Mail und stellt dazu fragen, das hilft mir die Gedanken zu ordnen dass die Thematik klarer wird

 

Liebe Gr√ľ√üe, Dr. Helmut Retzek

 

 

 

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[toggle title=“√úber Zeichenkombinationen, Teil 2″]

 

ihr erinnert euch, gestern hab ich auf die EMAIL √ľber die wichtigkeit der Pr√ľfungs-Symptome angefangen zu referieren, wie die Hom√∂oathie eigentlich entwickelt wurde, was sich die damals gedacht haben.

 

Ich habe dargestellt, dass die Pr√ľfungen nie ein gutes vollst√§ndiges Symptom geben, sondern eine Mischung aus (erratischer ) Patientendisposition sowie aus echten AMP-Zeichen.

 

Ich hab hingewiesen drauf, dass ein Repertorium, welches nach LOKALISATION und vollständigen Symptomen aufgebaut ist, nur sehr behelfsmässig und mässiggradigen Erfolg bringen kann Рwas wir in der Praxis ja erleben.

 

und dass man aus Verlegenheit dann alle m√∂glichen „Schulen“ und „Auswertungs-Systeme“ ben√∂tigt, weil man mit der normalen Repertorisation der akutellen Krankheit zu keinem so guten Ergebnis kommt.

 

Hier ein praktischer Fall was die Zeichenkombinations-Homöopathie Рd.h. Bewertung nur des aktuellen Hauptsymptoms  unter Weglassen jedes konstitutionellen Zusammenhanges und Konzentration auf eine auffallendes Zeichenkombination zu leisten vermag:

 

Einschub: die Macht der Zeichenkombinations-Homöopathie

 

 

¬†Mein Cousin hatte einen schweren Motorrad-Unfall, Hirnblutung tischtennisball-gross pr√§frontal. Mit den √ľblichen Verletzungsmittel rasch genesen, die sp√§ter folgende tiefe suizidale Depression mit AUR verschwunden, gute Energie.

 

Trotzdem vor einigen Jahren: Spätfolge des Unfalls: heftiger Bandscheibenvorfall in HWS, Einengung Spinalkanal auf 1cm . Wurde OP.

Seither: heftige schmerzhafte Muskelspannungen in der Schulterregion, immer nur einseitig. Durch Massagen palliiert, wechselt aber dann aber auch gerne die Seiten. Geht alle 2 Wochen zur Massage, viel PhTh, nichts mit nachhaltigem Effekt.

 

Schildert das Gef√ľhl der Nervenreizung wie ‚Äěals ob der Arm auf H√∂he oberarm abgeschnitten ist, der untere Teil des Armes gar nicht zu mir geh√∂rt“.

 

Mir f√§llt das Symptom f√ľr Sabadilla ein, weil ich schon mal Sabadilla ausgearbeitet habe und es genau so ein Pr√ľfungs-Symptom produziert hatte: ein schneidegef√ľhl bzw. abgeschnittenes gef√ľhl – zus√§tzlich jede menge Verfremdungs und fast psychose-Symptome – aber egal. Die Zeichenkombination „wie ein Schnitt x geh√∂rt nicht zu mir“ hatte ich im Kopf.

 

Sonst gibt es keinerlei Hinweise auf Sabadilla, kein Niessen, keine weiteren Verfremdungs-Symptome ,…..

 

Es steht nur im Seideneder irgendein Symptom mit dem ‚ÄěSchnitt am Arm,wie abgetrennt‚Äú drinnen, wie ich mich erinnert habe.

 

Sabadilla C30

 

In 2 Minuten waren alle Beschwerden weg

 

Seit 2 Wochen anhaltend, nicht mehr wieder gekommen

 

War Segeln inzwischen, Vorschoter, seine Schmerzen haben seine Regatta-Teilnahme schwer gefährdet, diesmal keinerlei Beschwerden, vollständig genesen.

 

Wieso ist dies ein auffallender Erfolg:

Prompt ‚Äď in 2 Minuten war eine jetzt 2 Jahre dauernde Beschwerde verschwunden

Geringe Potenz: eine C30 einmalig verabreicht

Sch√∂ner Effekt: bis jetzt 2 Wochen ‚Äď ist zwar kurz aber doch sehr deutlich

 

Genau dies sind die Erfolge die man ‚Äď laut der Proponenten ‚Äď mit der Zeichenkombinations-Hom√∂opathie erreichen kann.

 

Die Arznei h√§tte ich wohl ohne dieses Bauchgef√ľhl nicht gegeben oder gefunden.

 

Hier habe ich genau nach dem Orginal-Wortlaut von Hahnemann ¬ß153 den ‚ÄěInbegriff der wahlanzeigenden Zeichen‚Äú ‚Äď n√§mlich das gef√ľhl ‚Äěabgetrennt/abgeschnitten‚Äú und der ‚ÄěRest des Armes geh√∂rt nicht richtig zu mir‚Äú verwendet.

 

Aus dem Bauch wohlgemerkt, weil ich diese Form der Vorgehensweise nicht ordentlich kann und auch nicht damit arbeiten kann.

 

Der Hauptvertreter ‚Äď Michael Kohl ‚Äď hat am Tag xxxx ¬†Patienten, mit schweren und auch schwersten Krankheien, und eine hohe Treffer-Rate durch diese Zeichenkombinations-Vorgehensweise, welche eben anders ist, als unsere Kent‚Äôsche v.a. Konstitutionelle Hom√∂opathie.

 

Dazu sp√§ter mehr – √ľber Vorgehensweise und Repertorium, wie es Hahnemann mit Jahr ausgeheckt hatte aber aufgrund technischer schwierigkeiten nicht bekam. Wieso als „schwaches“ Ersatz-Rep dann das TTB kam und wo die Visionen (meine) hingehen.

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Links

[toggle title=“Text der Seminarrezension von Birgit Deissinger“]

viele wertvolle Texte sind schon aus dem Internet verschwunden. Desswegen halte ich hier eine Sicherheitskopie des oben zitierten Link-Textes. Das Copyright liegt nat√ľrlcih bei der gesch√§tzten Hom√∂opathie-Zeitschrift und der Autorin Birgit (du hast das super zusammengeschrieben! Danke!) – wird bei Widerspruch nat√ľrlich sofort entfernt.

Seminarrezensionen

 

Auf den Spuren von Hahnemanns Arbeitsweise РDas Hahnemann Symposium 2009 in Grötzingen, organisiert von ars curandi

Zum diesj√§hrigen Hahnemann Symposium fanden sich namhafte Vertreter der „genuinen Hom√∂opathen“ ein. Das Symposium war weitgehend der Denk- und Arbeitsweise Hahnemanns sowie seinen Zeitgenossen gewidmet. Dieser Seminarbericht konzentriert sich auf den Vortrag „Hahnemanns Arzneimittellehre, die

Grundlage der Hom√∂opathie“ und „Symptomen-Lexikon nach Hahnemann, die Grundlage der Similebestimmung“ von Uwe Plate. Am diskutierten Fall setzte sich der Meister selbst provokativ mit der Frage

auseinander, was „√§hnlich“ sei. Uwe Plate f√ľhrte die Teilnehmer mit seinem Kommentar zu Hahnemanns

Originaltext auf die Spuren dessen Arbeitsweise. Am Beispiel des ersten Symptoms demonstrierte Plate

die Denk- und Arbeitsweise mit dem Symptomen-Lexikon. „Bei jeder Bewegung, vorz√ľglich bei jedem Auftreten, und am schlimmsten bei jedem Fehltritte, sticht es sie in der Herzgrube, wohin es jedes Mal aus der linken Seite kommt, wie sie sagt“, ein Symptom, welches so fast wortw√∂rtlich als Pr√ľfungssymptom bei Pulsatilla aufgetreten ist (RA 387: „Stiche in der Herzgrube beim Fehltreten auf ungleichem Stra√üenpflaster“). Warum, fragte Plate, ist Bryonia √§hnlich (womit Hahnemann seine Patientin wiederherstellte) und nicht Pulsatilla, obwohl es doch eindeutig ein Stechen in der Herzgrube hervorgebracht hat? Plate vermutete, dass ein oder zwei √§hnliche Pr√ľfungssymptome Zufallsbefunde gewesen sein k√∂nnten. Erst ab mindestens drei √§hnlichen Pr√ľfungssymptomen k√∂nne man sicher davon ausgehen, dass es sich um eine echte Arzneipr√ľfungswirkung

handele. Nur ein √§hnliches Pr√ľfungssymptom zu finden sei „Symptomendeckerei“.Er wies darauf hin, dass jeder Pr√ľfer seine pers√∂nlichen Schwachpunkte habe, an denen sich meistens Pr√ľfungssymptome lokalisieren. Die Lokalisation „Herzgrube“ ist in diesem Fall weniger relevant als die Empfindung (Stechen) oder die Modalit√§t (jede Bewegung, Auftreten, Fehltreten). Gesucht wird also eine Arznei, die mehr als zweimal

„Stechen beim Gehen“ an verschiedenen K√∂rperstellen hervorgerufen hat. Denn dann ist wahrscheinlich,

dass es sich um eine charakteristische Zeichenkombination der Arznei handelt, die auch in der Lage ist

„Stechen beim Gehen in der Herzgrube“ zu heilen. W√§re die Arznei noch an mehreren Pr√ľfern gepr√ľft worden, so kann man davon ausgehen, dass irgendwann auch ein Pr√ľfer mit dem pers√∂nlichen Schwachpunkt

Herzgrube √ľber „Stechen beim Gehen in der Herzgrube“ berichtet h√§tte. Dies verdeutlicht in sch√∂ner Weise, wie ungewohnt anders die Herangehensweise der „Genuinen“ Hom√∂opathie ist. Plate wies darauf hin, dass der Aufbau der Reinen Arzneimittellehre im Kopf-zu-Fu√ü-Schema die Suche nach einer Arznei, die charakteristisch mehr als zweimal an verschiedenen K√∂rperstellen „Stechen beim Gehen“ hervorgebracht hat, schwierig mache.

Dazu m√ľsste man die Pr√ľfungssymptome in andere Kategorien, n√§mlich nach Empfindungen, Modalit√§ten

und Begleitbeschwerden umordnen. Die gleiche Idee habe Hahnemann gehabt, weswegen der mit der Ausarbeitung eines Symptomen-Lexikons begonnen habe, das aber nicht vollst√§ndig gewesen und auch auch nie ver√∂ffentlicht worden sei. G.H.G. Jahrs Versuch eines Symptomen-Lexikons sei dann an seinem gro√üen Umfang von ca. 48 B√§nden (f√ľr die damaligen ca. 130 Arzneimittel) gescheitert. Auch

Constantin Hering habe ein Projekt einer wissenschaftliche Bearbeitung der Reinen Arzneimittellehre nach Symptomenregistern nicht verwirklichen können. Uwe Plates inzwischen digitalisiertes Symptomen-

Lexikon (www.Symptomenlexikon.de) ermöglicht es, die Charakteristik der Zeichen und Zeichenkombinationen

zu ersehen. W√§hlt man z.B. die Modalit√§t „Gehen“ und dazu die Empfindung „Stechen“, so kann man die entsprechenden Pr√ľfungssymptome miteinander vergleichen (Bryonia – Pulsatilla). So sieht man, dass Bryonia siebenmal „Stechen beim Gehen“ in den unterschiedlichsten K√∂rperregionen hervorgerufen hat und diese Zeichenkombination charakteristisch ist. Bei Pulsatilla dagegen nur zweimal, also nicht charakteristisch. Zudem gibt es bei Pulsatilla zweimal Pr√ľfungssymptome, die durch Gehen gebessert wurden, wodurch die beiden Treffer quasi wieder aufgehoben wurden. D.h., wenn ein Pr√ľfungssymptom dem Symptom eines Patienten fast

wortwörtlich entspricht, muss es noch lange nicht ähnlich sein. Aus Plates Sicht sei eine Diskussionen um das Nachtragen von Verifikationen (Heilungsymptomen) nicht relevant, wenn die charakteristische Häufung von

Symptomen zeige, dass bei der entsprechenden Zeichenkombination folgerichtig die Genesung erfolgen

m√ľsse. Nebenbei bemerkte Plate, Bryonia sei √ľber das TTB von B√∂nninghausen in den K√ľnzli Kent mit dem Symptom „Stechen Innerer Teile“ deshalb hineingekommen, weil die Lohnw√§scherin geheilt wurde. H√§tte Hahnemann den Fall nicht mitgeteilt, dann w√§re er eben dort nicht vertreten.

 

Birgit Deißinger

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¬†[toggle title=“mit der Lohnw√§scherin auf Hahnemanns Spuren – ausf√ľhrliche Review von Birgit Dei√üinger“]

viele wertvolle Texte sind schon aus dem Internet verschwunden. Desswegen halte ich hier eine Sicherheitskopie des oben zitierten Link-Textes. Das Copyright liegt nat√ľrlcih bei der gesch√§tzten¬†Hom√∂opathie-Zeitschrift¬†und der Autorin Birgit (du hast das super zusammengeschrieben! Danke!) – wird bei Widerspruch nat√ľrlich sofort entfernt.

http://www.homoeopathie-zeitschrift.de/artikel_ungekuerzt.html?do=showDetail&artikel_id=2

 

Originalartikel

23.09.2009 Mit der Lohnwäscherin auf den Spuren von Hahnemanns Arbeitsweise, Autorin Birgit Deißinger

„Mit der Lohnw√§scherin auf den Spuren von Hahnemanns Arbeitsweise“

 

Beim diesj√§hrigen¬†Hahnemann Symposium, organisiert von ars curandi, waren am 21. und 22. M√§rz 2009 in Gr√∂tzingen bei Karlsruhe alle derzeitigen „Koriph√§en“ um das Symptomen-Lexikon von Uwe Plate (u.a. auch der Herausgeber und Verleger des Symptomen-Lexikons) versammelt, wie Christian Meinhard und Michael Kohl und auch andere namhafte Vertreter der „Genuinen Hom√∂opathen“ wie Heike Westhofen und Stefan Reis waren vertreten.

Daneben gab es Vorträge von drei weiteren Gastdozenten : Prof. Dinges (Robert Bosch Stiftung Stuttgart ),

Ralf Jeutters (Programmleiter f√ľr hom√∂opathische Universit√§tskurse u. Direktor der „Society of Homoeopaths“ aus England), sowie Tjado Galic.

 

Folgende Beiträge gab es im Überblick

 

1) Uwe Plate:

a)¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†„Hahnemanns Arzneimittellehre, die Grundlage der Hom√∂opathie“

b)¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†„Symptomen-Lexikon nach Hahnemann, die Grundlage der Similebestimmung“

2) Michael Kohl:

„Die Anwendung des Symptomen-Lexikon in der t√§glichen Praxis“

3) Heike Westhofen

Geschichte und Entwicklung der hom√∂opathischen Kinderheilkunde“

4) Ralf Jeutter:

„Entwicklungen von Hahnemann zu Hering zu Kent“

5) Prof. Martin Dinges (Robert- Koch- Stiftung Stuttgart):

„Samuel Hahnemanns Praxis im Vergleich zu seinen zeitgen√∂ssischen Arztpraxen“

6) Christian Meinhard :

„Betrachtungen zur Sprache in der Hom√∂opathie“

7) Stefan Reis :

„Genuine Hom√∂opathie in der modernen Praxis“

8) Tjado Galic :

„Charakteristika in der hom√∂opathischen Praxis“

 

Das Symposium war weitgehend der Denk- und Arbeitsweise Hahnemanns sowie seinen Zeitgenossen gewidmet. Tiefgr√ľndige Theorie und Philosophie und Hom√∂opathiegeschichte waren Hauptinhalt.

Praktische Fallbeispiele gab es zu anderen Seminaren vergleichsweise wenig, diese jedoch daf√ľr sehr anschaulich und gut verst√§ndlich.

 

Den Beginn machte Uwe Plate aus Braunschweig, der sich am Beispiel von Hahnemanns Lohnw√§scherin (aus dem Vorwort der Reinen Arzneimittellehre) provokativ mit der Frage auseinander setzte, was √§hnlich ist und f√ľhrte uns:¬†„Mit der Lohnw√§scherin auf die Spuren von Hahnemanns Arbeitsweise“

 

 

Samuel Hahnemann, Reine Arzneimittellehre, Bd. 2, aus „Vorerinnerung“ S. 30 – 37¬†

(sehr sch√∂n nachzulesen auch in dem Buch: „Hahnemanns Arbeitsweise“ von Uwe Plate)

Fall „Lohnw√§scherin“

(…)

Sch…, eine etliche und 40 j√§hrige kr√§ftige¬†Lohnw√§scherin, war schon drei Wochen au√üer Stande, ihr Brod zu verdienen, da sie mich den 1. Sept. 1815 zu Rathe zog.

  • 1. Bei jeder Bewegung, vorz√ľglich bei jedem Auftreten, und am schlimmsten bei jedem Fehltritte, sticht es sie in der Herzgrube, wohin es jedesmal aus der linken Seite kommt, wie sie sagt.
  • 2. Im Liegen ist es ihr ganz wohl, dann hat sie gar keinen Schmerz irgendwo, auch weder in der Seite, noch in der Herzgrube.
  • 3. Sie kann nicht l√§nger als bis um 3 Uhr fr√ľh schlafen.
  • 4. Die Speisen schmecken ihr, aber wenn sie etwas gegessen hat, so wird es ihr brecherlich.
  • 5. Das Wasser l√§uft ihr dann im Munde zusammen und aus dem Munde, wie W√ľrmerbeseigen.
  • 6. Es st√∂√üt ihr nach jedem Essen vielmal leer auf.
  • 7. Sie ist von heftigem, zu Zorn geneigtem Gem√ľthe. – Bei starkem Schmerze √ľberl√§uft sie Schwei√ü. – Ihre Monatzeit war vor 14 Tagen in Ordnung geflossen.

Die √ľbrigen Umst√§nde waren nat√ľrlich.

Was nun das Symptom 1 anlangt, so machen zwar Belladonna, China und Wurzelsumach Stiche in der Herzgrube, aber alle drei nicht bloß bei Bewegung, wie hier.

Pulsatille (m. s. Symptom 345.) macht zwar auch Stiche in der Herzgrube beim Fehltreten, aber in seltner Wechselwirkung, und hat weder dieselben Verdauungsbeschwerden, wie hier 4, verglichen mit 5 und 6, noch dieselbe Gem√ľthsbeschaffenheit.

Blo√ü Zaunreben hat in ihrer Hauptwechselwirkung, wie das ganze Verzeichni√ü ihrer Symptome beweiset, von Bewegung Schmerzen, und vorz√ľglich stechende Schmerzen, und so auch Stiche (in der Herzgrube) unter dem Brustbeine beim Aufheben des Armes (295.), bei Fehltritten aber erregt sie auch an andern Stellen Stechen (341. 400.).

Das hierzu geh√∂rige negative Symptom¬†2¬†pa√üt vorz√ľglich auf Zaunrebe (430.); wenige Arzneien (etwa Kr√§henaugen ausgenommen und Wurzelsumach in Wechselwirkung – die aber beide auf unsre √ľbrigen Symptomen nicht passen) lassen die Schmerzen in Ruhe und im Liegen g√§nzlich schweigen, Zaunrebe aber vorz√ľglich (430 und viele andre Zaunreben-Symptome).

Das Symptom 3 ist bei mehrern Arzneien und auch bei Zaunrebe (475.).

Das Symptom¬†4¬†ist zwar, was die „Brecherlichkeit nach dem Essen“ anlangt, bei mehrern andern Arzneien (Ignazsamen, Kr√§henaugen, Quecksilber, Eisen, Belladonna, Pulsatille, Kanthariden), aber theils nicht so best√§ndig und gew√∂hnlich, theils nicht bei Wohlgeschmack der Speisen vorhanden, wie bei der Zaunrebe (164.).

In R√ľcksicht des Symptoms¬†5¬†machen zwar mehre Arzneien ein Zusammenlaufen des Speichels, wie W√ľrmerbeseigen, eben sowohl, als Zaunrebe (167.); jene andern aber bringen nicht unsre √ľbrigen Symptome in √Ąhnlichkeit hervor.

Daher ist ihnen die Zaunrebe in diesem St√ľcke vorzuziehen.

Das leere Aufstoßen (bloß nach Luft) nach dem Essen (Symptom 6,) ist bei wenigen Arzneien vorhanden und bei keiner so beständig, so gewöhnlich und in so hohem Grade, als bei der Zaunrebe (143. 149.).

Zu¬†7. – eins der Hauptsymptome bei Krankheiten (s. Org. d. H. 210.) ist die „Gem√ľthsbeschaffenheit“ und da die Zaunrebe (533.) auch dieses Symptom in voller √Ąhnlichkeit vor sich erzeugt; – so ist Zaunrebe aus allen diesen Gr√ľnden hier jeder andern Arznei als hom√∂opathisches Heilmittel vorzuziehen.

Da nun das Weib sehr robust war, folglich die Krankheitskraft sehr beträchtlich seyn mußte, um sie durch Schmerz von aller Arbeit abzuhalten, auch ihre Lebenskräfte, wie gedacht, nicht angegriffen waren, so gab ich ihr eine der stärksten homöopathischen Gaben, einen vollen Tropfen ganzen Zaunrebenwurzelsaftes sogleich einzunehmen und beschied sie nach 48 Stunden wieder zu mir.

Meinem Freunde E., der zugegen war, deutete ich an, da√ü die Frau binnen dieser Zeit durchaus gesund werden m√ľsse, welcher aber (nur erst noch auf halbem Wege zur Hom√∂opathie begriffen) die√ü in Zweifel zog.

Nach zwei Tagen stellte er sich wieder ein, um den Erfolg zu vernehmen, aber das Weib kam nicht, kam auch √ľberhaupt nicht wieder.

Meinen ungeduldigen Freund konnte ich nun bloß dadurch besänftigen, daß ich ihm das eine halbe Stunde weit entfernte Dorf, wo sie wohnte, und ihren Namen nannte und ihm rieth, sie aufzusuchen und sich selbst nach ihrem Befinden zu erkundigen.

Er that es und ihre Antwort war: „Was sollte ich denn dort? Ich war ja schon den Tag drauf gesund und konnte wieder auf die W√§sche gehen, und den andern Tag war mir so v√∂llig wohl, wie mir noch jetzt ist.

Ich danke es dem Doctor tausendmal, aber unser Eins kann keine Zeit von seiner Arbeit abbrechen; ich hatte ja auch drei ganze Wochen lang vorher bei meiner Krankheit nichts verdienen können.

 

Am Beispiel des ersten Symptoms sei die Denk- und Arbeitsweise mit dem Symptomen-Lexikon demonstriert:

 

Bei jeder Bewegung, vorz√ľglich bei jedem Auftreten, und am schlimmsten bei jedem Fehltritte, sticht es sie in der Herzgrube, wohin es jedes Mal aus der linken Seite kommt, wie sie sagt„, ein Symptom, welches so fast wortw√∂rtlich als Pr√ľfungssymptom bei Pulsatilla aufgetreten ist (RA 387: „Stiche in der Herzgrube beim Fehltreten auf ungleichem Stra√üenpflaster„).

 

Warum, fragt Uwe Plate, ist Bryonia ähnlich (womit Hahnemann seine Patientin schnell, sanft und dauerhaft wiederherstellte, welches kein einziges Stechen in der Herzgrube hervorgebracht hat ) und nicht Pulsatilla, obwohl es doch eindeutig ein Stechen in der Herzgrube hervorgebracht hat ?

 

Plate begr√ľndet die Antwort so, dass ein oder zwei √§hnliche Pr√ľfungssymptome Zufallsbefunde gewesen sein k√∂nnten. Erst ab mindestens drei √§hnlichen Pr√ľfungssymptomen kann man sicher davon ausgehen, dass es sich dabei um eine echte Arzneipr√ľfungswirkung handelt. Nur ein √§hnliches Pr√ľfungssymptom zu finden sei Symptomendeckerei.

Er wies darauf hin, dass jeder Pr√ľfer seine pers√∂nlichen Schwachpunkte habe, an denen sich meistens Pr√ľfungssymptome lokalisieren. Die Lokalisation „Herzgrube“ ist in diesem Fall weniger relevant als die Empfindung (Stechen) oder die Modalit√§t (jede Bewegung, Auftreten, Fehltreten) .

Gesucht wird also eine Arznei, die mehr als zwei mal „Stechen beim Gehen“ an verschiedenen K√∂rperstellen hervorgerufen hat. Ist das der Fall, so ist wahrscheinlich, dass es sich um eine charakteristische Zeichenkombination der Arznei handelt, die auch in der Lage ist „Stechen beim Gehen in der Herzgrube“ zu heilen.

W√§re die Arznei noch an mehreren Pr√ľfern gepr√ľft worden, so kann man davon ausgehen, dass irgendwann auch ein Pr√ľfer mit dem pers√∂nlichen Schwachpunkt Herzgrube √ľber „Stechen beim Gehen in der Herzgrube“ berichtet h√§tte.

Dies verdeutlicht in sch√∂ner Weise, wie ungewohnt anders die Herangehensweise der „Genuinen“ Hom√∂opathie ist.

 

Jedoch ist der Aufbau der Reinen Arzneimittellehre, wie die meisten Materia Medicas (Sekundärbeschreibungen ), im Kopf-zu-Fuß-Schema angeordnet.

Dies macht die Suche nach einer Arznei, die charakteristisch mehr als zweimal an verschiedenen K√∂rperstellen „Stechen beim Gehen“ hervorgebracht hat, schwierig.

Dazu m√ľsste man die Pr√ľfungssymptome in andere Kategorien, n√§mlich nach Empfindungen, Modalit√§ten und Begleitbeschwerden umordnen.

 

Die gleiche Idee trieb damals schon Hahnemann um und begann seinerzeit mit der Ausarbeitung eines Symptomen-Lexikons, „worin die Symptome aller von ihm und seinen Sch√ľlern gepr√ľften Arzneien in alphabetischer Ordnung eingeklebt waren“ (Franz Hartmann).

Hahnemanns handschriftlicher Ansatz eines Symptomen-Lexikon, war aber bei weitem nicht vollständig und wurde deshalb auch nie veröffentlicht.

Hahnemann gab jedoch G.H.G. Jahr damals ein Symptomen-Lexikon in Auftrag. Das Werk scheiterte jedoch an seinem gro√üen Umfang von ca. 48 B√§nden (f√ľr die damaligen ca. 130 Arzneimittel). Auch Constantin Hering forderte eine wissenschaftliche Bearbeitung der Reinen Arzneimittellehre nach Symptomenregistern. Doch auch Hering konnte dieses Projekt nicht verwirklichen.

 

14 Jahre hat Uwe Plate gebraucht, um die ersten 5 Bände des Symptomenlexikons 2004 herauszugeben. Bis 2009 brauchte er, um das Symptomen-Lexikon digital zu erstellten, mit dem man die Zeichenkombinationen der noch fehlenden Bände bei Bedarf zusammenstellen kann (siehe : http://www.symptomenlexikon.de/  )

Dieses digitale Werk ermöglicht es erstmals auf schnellem Wege, die Charakteristik der Zeichen und Zeichenkombinationen zu ersehen.

W√§hlt man z.B. die Modalit√§t „Gehen“ und dazu die Empfindung „Stechen“, so kann man die entsprechenden Pr√ľfungssymptome miteinander vergleichen (hier Vergleich Bryonia mit Pulsatilla). Durch Kursivdruck der Arzneiabk√ľrzung (hier bei Pulsatilla) sind dabei die gegenpolaren Modalit√§ten gekennzeichnet, hier also „beim Gehen besser“.

 

 

 

Man kann also ersehen, dass Bryonia sieben mal „Stechen beim Gehen“ in den unterschiedlichsten K√∂rperregionen hervorgerufen hat und diese Zeichenkombination charakteristisch ist. Bei Pulsatilla dagegen nur zwei mal, also nicht charakteristisch, zudem gibt es bei Pulsatilla zwei mal Pr√ľfungssymptome, die durch Gehen gebessert wurden, wodurch die beiden Treffer quasi wieder aufgehoben wurden.

Das zeigt :Auch, wenn ein Pr√ľfungssymptom dem Symptom eines Patienten fast wortw√∂rtlich entspricht, muss es noch lange nicht √§hnlich sein.

Es gab lebhafte Diskussionen um das Nachtragen von Verifikationen (also Heilungsymptomen):

Aus Plates Sicht sei dies unsinnig bzw. nicht relevant, wenn die charakteristische Häufung von Symptomen zeigt, dass bei der entsprechenden Zeichenkombination folgerichtig die Genesung erfolgen muss.

Es sei denn, es handle sich um eine kleine Arznei, wie z.B. Borax, welche nur 3 Symptome aufweist, aus denen Schreckhaftigkeit durch Ger√§usche hervorgeht. B√∂nninghausen hat es n√§mlich als¬†„vorz√ľgliches Mittel¬†[…]¬†f√ľr Jagdhunde“[verwendet], die „schussscheu sind“ (Kleine medizinische Schriften).

 

Interessant war allerdings noch die Bemerkung Plates ganz nebenbei……

„Wie ist Bry √ľber das TTB von B√∂nninghausen in den K√ľnzli Kent mit dem Symptom „Stechen Innerer Teile“ gekommen?“

„Die Heilsymptome aus dem Fall der Lohnw√§scherin sind da reingekommen, weil die Lohnw√§scherin geheilt wurde.

H√§tte Hahnemann den Fall nicht mitgeteilt, dann w√§re er im K√ľnzli Kent nicht vertreten“.

Die Ausarbeitung weiterer Arzneien h√§lt Uwe Plate durchaus f√ľr erachtenswert, doch nach langen Jahren der flei√üigen Arbeit ist er mit seinem Arbeitspensum nun an gewisse Grenzen angelangt.

So verwies Uwe Plate auf das Projekt von Thorsten Stegemann. Er stellte mit SymRep den Prototypen eines Online-Programms vor, mit dem engagierte Hom√∂opathen zuk√ľnftig gemeinsam an einem Nachschlagewerk in bew√§hrter repertorialer Struktur arbeiten k√∂nnen. Dort w√§re ebenso wie beim Symptomen-Lexikon jeder Eintrag durch die entsprechenden Symptome belegt (siehe¬†http://www.jrep.de/).

 

Michael Kohl praktiziert seit längerem in Erlangen und arbeitet seit Anbeginn des Erscheinens mit dem Symptomen-Lexikon.

Er demonstrierte am Nachmittag sehr anschaulich seine Vorgehensweise (Erst- und Folgeverschreibung) in der Praxis anhand eines sehr akuten und dramatischen Falles von Spondylolisthesis (Wirbelgleiten). Die fast achtzigj√§hrige, √ľbergewichtige Patientin, die jahrelang ihren dementen Mann gepflegt hatte und als therapieresistent galt, schrie vor Schmerzen.

Nach der Fallaufnahme bestimmt Kohl zun√§chst mit Hilfe von B√∂nninghausens Therapeutischen Taschenbuch einen Mittelpool von Arzneien (Anmerkung : Manchmal tut er dies auch mit Hilfe der „Kollektaneen“ (bereits aus dem Symptomen-Lexikon ausgez√§hlte Zeichen und Zeichenkombinationen)), welche in die n√§here Auswahl kommen.

Zur weiteren Differenzierung gleicht er dann mit Hilfe des Symptomen-Lexikons die Zeichenkombinationen des Patienten mit den Zeichenkombinationen der Pr√ľfungssymptome des jeweiligen Mittels ab. Idealerweise kommen diejenigen Arzneien weiter, die mindestens 3 Treffer aufweisen.

Als letzter Arbeitsschritt findet dann zwischen den wenigen, √ľbrig bleibenden Arzneien eine Wortw√∂rtlichkeits√ľbereinstimmung zwischen Patienten- und Pr√ľfungssymptomen statt. Aber nicht nur auf die w√∂rtliche √úbereinstimmung kommt es an. Ein weiterer Aspekt ist die Arzneikraft des Mittels zu verstehen, um damit die Arznei auszusuchen, welche dem Patient gerecht wird. Um m√∂glichst tiefgreifend und schnell zu wirken, ist es dabei v√∂llig unerheblich, ob diese Arznei zur Gruppe der sog. Polychreste geh√∂rt. Einzig auf die √Ąhnlichkeit kommt es dabei an. Die drohende Operation konnte jedenfalls in diesem Fall trotz gewisser Heilungshindernisse (z.B. Tod des Mannes) durch die Anwendung von Rhus-tox. und nachfolgend Bell. in Q-Potenzen abgewendet werden, und die Frau konnte bald wieder ohne Stock gehen.

 

Heike Westhofen, vertreten als einzigste Frau unter den Dozenten, sorgte zun√§chst f√ľr gro√üe Entt√§uschung bei vielen Seminarteilnehmer(inne)n.

Ihr angek√ľndigter Vortrag: „Eine Woche in der hom√∂opathischen Kinderpraxis“ wurde, weil nicht in 60 Minuten verwirklichbar, kurzfristig in einen geschichtlichen Abriss √ľber die „Kinderheilkunde und Kinderhom√∂opathie zu Zeiten Hahnemanns bis in die Neuzeit“ ge√§ndert.

 

Sie erw√§hnte zitierend aus einem Brief Hahnemanns an Hufeland, dass Hahnemann selbst bei der Behandlung von Kindern und v.a. auch seinen eigenen Kindern seine liebe M√ľhe und Not hatte.

In den Schriften Hahnemanns nahmen die Berichte √ľber die Behandlung der Kinder nach Ihrer Aussage einen relativ geringen Prozentsatz ein (5-10%) und eine Spezialisierung auf Kinderheilkunde und Hom√∂opathie blieb zu dieser Zeit in der ver√∂ffentlichen Literatur eher Mangelware.

 

Es wurde im Laufe der Zeit nicht mehr auf die Pr√ľfungssymptome der Reinen Arzneimittellehre hin verordnet, sondern Beobachtungen, Erfahrungs- und Heilsymptome flossen mit ein.

 

Sp√§ter wurde z.B. in √Ėsterreich die „Kinderhom√∂opathie“ schon um die Zeit 1879 an ein allgemeines hom√∂opathisches Krankenhaus angegliedert. Tuberkul√∂se, scrophul√∂se Zust√§nde wurden nebst anderen chronischen und schweren akuten Krankheiten behandelt.

In Leipzig wurde 1880 eine Honorarprofessur f√ľr Kinderheilkunde eingerichtet.

Häufig waren die Kinder aber das Arbeitsfeld von Hebammen und Kräuterheilkundlern.

 

Das Schwierigste an der hom√∂opathischen Behandlung von Kindern ist h√§ufig das „subjektive“ Symptom und nat√ľrlich gilt dies besonders, je j√ľnger das Kind: Das Kind kann seine Empfindungen noch nicht richtig zum Ausdruck bringen.

 

„Naturgem√§√ü hat die Behandlung von Kindern die Schwierigkeit,

dass die kleinen Patienten meist wenig relevante Symptome selbst erzählen können,

so dass der Arzt in erster Linie auf die phänomenologische Beobachtung

und die Schilderung der Mutter angewiesen ist, umso mehr, je j√ľnger das Kind ist.

Zitat von Ungern von Sternberg, 1975

 

Ab Mitte des 18. Jh. kam mit Grauvogel der Begriff der sog. „Konstitutionsbehandlung“ (z.B. hydrogenoide Konstitution, etc.) auf und an dieser Stelle verlie√üen die Hom√∂opathen z.T. den Boden der „genuinen“ Boden der Hom√∂opathie.

Mit Beginn der antibiotischen √Ąra und der Einf√ľhrung der Impfprogrammen in den 50er Jahren, wurde die hochakuten F√§lle insgesamt weniger und wurden in den Hintergrund gedr√§ngt. B√ľcher √ľber konstitutionelle „Kinderbehandlung“ oder „Kindertypen“ werden geschrieben und die sog. Polychreste nehmen einen immer gr√∂√üer werdenden Stellenwert ein.

Die Sichtweise der hom√∂opathischen √Ąrzte waren gepr√§gt durch Begriffe, wie Schw√§che, Reizbarkeit, Entwicklung und sp√§ter durch die Erkenntnisse von Diathesen und Konstitutionen, deren Begrifflichkeiten nie ganz klar definiert waren.

Individualisierende Symptome wurden immer weniger betrachtet. Die objektiven konstitutionellen Zeichen nahmen als Teil der Konstitution immer mehr Raum ein.

Die Aufgabe des Homöopathen änderte sich im Tätigkeitsfeld, indem er zum Therapeuten einer schwächelnden, aber noch nicht pathologischen konstitutionellen Veränderung wurde. Dabei wurde die symptomenorientierte Simileregel verlassen.

 

So st√ľtzten sich die Kinderhom√∂opathen der moderneren Zeiten immer mehr auf:

 

–¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Objektive Symptome /AMP Symptome (sofern vorhanden)

–¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Konstitutionelle Zeichen / Einsch√§tzungen

–¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Klinische Erfahrungen / geheilte Symptome / die Best√§tigung der Arznei durch Heilungen

–¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Erw√§hnung in der hom√∂opathischen Literatur, durch „Meister“

–¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† Weitere Verbreitung durch neue Literatur.

 

Fazit von Heike Westhofen:

„Wir entfernen uns von der „Hahnemann’schen“ Hom√∂opathie, wenn wir Calc. verschreiben, weil das Kind sauer riecht, am Kopf schwitzt und einen gro√üen Kopf etc. hat.

Dies Symptome traten bei keiner Arzneimittelpr√ľfung auf. Dennoch verschreiben wir h√§ufig Calc. auf Grund der weitergegebenen Erfahrungswerte. z. B. auch nach K√∂rperkonstitution, offene Fontanellen etc.

Wir tun es dennoch –

 

Ralf Jeutters¬†sprach vor dem Abendessen √ľber die Situation der Hom√∂opathie fr√ľher und heute und wie sie in den st√ľrmischen Zeiten der Kritiker doch immer wieder √ľberlebt hat.

Auch wie sie nach Zeiten des Aufschwungs wieder den Niedergang erfahren hat und unter welchen Kritikern sie sowohl fr√ľher, als auch heute zu leiden hatte bzw. hat.

Dies am Beispiel von England, wo inzwischen die Homöopathie an Universitäten gelehrt wird und jetzt in Gefahr ist, diesen Status wieder aberkannt zu bekommen.

Die Kritiker sind meist Akademiker und Wissenschaftler (allesamt nicht Mediziner oder Kenner der Hom√∂opathie) und anonyme Laienwissenschaftler, die auf Charity-Basis, finanziert von Pharma-Firmen arbeiten, sogenannte „name and shame“-Artikel gegen die Hom√∂opathie im Internet schreiben und ver√∂ffentlichen.

Zitat Reutters: „In der Regel geh√∂rt es zum Gesch√§ft er Hom√∂opathiekritiker, sich in der Materie der Hom√∂opathie nicht auszukennen.“

Kritikpunkte an die Homöopathie: Sie sei potenziell massenmörderisch, gefährlich bis hin zu tödlich. Homöopathen seien Quacksalber und betrieben Bevölkerungsausbeutung. Profitgier sei das Hauptmotiv Homöopathie zu betreiben.

So hatte es die Homöopathie immer wieder schwer. Ob damals oder heute, ob in Deutschland oder in England.

Und die Frage bleibt – sowohl in der alten, als auch in der heutigen Zeit:

„Aber, wer wird uns dann heraushelfen aus der Todtengrube ?“

(Durchaus aktuelles Zitat aus Stapfs Archiv f√ľr hom. Heilkunst, 1833)

 

Der „Gala-Vortrag“ von¬†Prof. Dinges¬†war, bevor er zum gesellschaftlichen Abend √ľberleitete, spannend und aufschlussreich, denn er plauderte aus Hahnemann’s „N√§hk√§stchen“.

So berichtete der Archivar, dass Hahnemann ein strenger Arzt war und seinen Patienten sehr genaue Einnahmeanweisungen gegeben hat und er seinen Patienten eine Berichtigungspflicht auferlegte.

Die ausgehändigten Arzneipäckchen (z. Teil mit Placebos) waren mit Nummern und Einnahmetagen versehen.

Hahnemanns Aufschriebe / Anamnese war in der Regel sehr kurz und er verwendete f√ľr jedes Symptom eine neue Zeile.

In seinen Krankenjournalen sind die Patienten nacheinander vermerkt, in der Reihe, wie sie ihre Konsultation hatten. Es gab also keine individuellen Krankenakten.

Melanie Hahnemann schrieb dagegen pro Patient schon 1 Seite.

Pierre Schmidt hingegen dokumentierte z.B. seine Fälle in Kurzschrift.

In der Regel hatte Hahnemann nie mehr als 2 Anamnesen pro Tag gemacht. In Paris waren es später dann zwischen 4 und 16 Patienten pro Tag.

Er war vor allen Dingen auch ein strenger Lebensberater in Sachen Verhalten, Lebensplanung (z.B. riet er Patienten zum Heiraten) und Ernährung allgemein. Und er legte Wert darauf, dass eine Reihe antidotierende Lebensmittel weggelassen wurden.

Hahnemann betrieb am fr√ľhen Morgen eine Armenpraxis, ab 10 Uhr morgens kamen dann die Reichen und da galt der Zahlungsmodus „Vorabkasse“. Das Honorar wurde unter anderem gemessen an der Schwere der Krankheit.

Das Dispenzieren von Arzneimittel machte auch ein Teil seiner Einnahmen aus.

Im Verhältnis kamen mehr Frauen und Kinder als Männer (In Bezug auf die Kinder wich die Information von  Prof. Dinges von der Aussage von Heike Westhofen ab).

Eine wichtige Gruppe seiner Patienten waren Handwerker, aber auch Adel und Gewerbetreibende (kurz: zahlungskr√§ftige Patienten), die trotz den h√§ufigen Umz√ľgen Hahnemanns meist aus ca. 100 km Umkreis kamen, um ihn zu konsultieren. Aber er hat sich auch an der Zahlungsf√§higkeit der Patienten orientiert.

Viele der Behandlungen liefen per Briefverkehr. Hausbesuche fanden kaum statt, denn Hahnemann bestand darauf, dass Patienten so lange zu ihm kommen, so lange sie gehen können.

Erst ab 1870 installierte sich in den sp√§teren zeitgen√∂ssischen Arztpraxen so etwas wie eine Besuchs- und Bestellpraxis, z.T. mit Jahresvertr√§gen f√ľr regelm√§√üige Besuche.

 

Christian Meinhard¬†hielt einen brillanten, philosophischen Vortrag √ľber die Rolle der Sprache in der Hom√∂opathie, welche Bedeutung sie f√ľr die Anamnese, die Aussagen der Arzneimittelpr√ľfung etc. hat und √ľber die Schwierigkeiten, Fehlerquellen und Unsicherheiten, die die Sprache auch bei der Kommunikation zwischen Hom√∂opath und Patient, sowie in der Ausarbeitung der Anamnese bzw. Arbeit mit dem Repertorium bzw. der Arzneimittellehre in sich birgt.

Denn so ist die Homöopathie die einzige pharmakologische Therapie, die auf der Sprache aufbaut und als Transportmittel von Inhalten dient.

Die Sprache gibt das Erlebnisfeld z.B. subjektiven Empfindungen und Wahrnehmung des Patienten wieder, die vom Therapeuten in die schriftliche Anamnese transformiert wird, auf deren Basis wiederum die Arznei in der RAML ausgesucht wird.

Man m√∂ge sich au√üerdem n√ľchtern auf den Wahrheitsgehalt des Gesagten beschr√§nken und sich auf gesicherte Fakten, Inhalte, Sprache und vorurteilslose Beobachtung (Originalsprache des Patienten, etc. – Originalsprache RAML) halten.

So Christian Meinhard:

„Wenn wir Sicherheit haben wollen, m√ľssen wir wissen, was wir gewiss wissen m√ľssen.“

Dazu geh√∂rt auch Sicherheit in der Arzneikenntnis, Sicherheit in der Krankheitskenntnis, sowie in der Heilkunst (Auswahl nach √Ąhnlichkeit). Auch die Frage, was sicher vorurteilslos beobachtet ist.

 

Zum Abschluss zitierte Meinhard sinngemäß Hering:

„Wer wenige Mittel gut beherrscht, kann weit mehr Gutes damit anrichten, als viele Mittel schlecht zu kennen.

Aber es gibt auch noch eine andere M√∂glichkeit –¬† wenige Mittel schlecht zu kennen und viele Mittel gut. „

 

Stefan Reis¬†referierte √ľber den seltenen Fall zweier nebeneinander stehenden Krankheiten, die sich gegenseitig un√§hnlich sind und zusammen eine komplizierte Krankheit bilden. Er bezog sich auf ¬ß22, 40 und 276 des Organons (v. 1810) und ¬ß272 ORG V (1833)

 

Dabei erw√§hnte er vorab Arthur Lutze, der die √Ąera der Komplexmittelhom√∂opathie einleitete.

Lutze veröffentlichte 1865 eigenmächtig eine neue Ausgabe des Organons, als die Ausgabe V vergriffen war.

Darin schrieb Lutze in § 274 b, als seien es Hahnemanns eigene Worte, dass es einzelne zusammengesetzte komplizierte Krankheitsfälle gäbe, in welchen das Verabreichen eines Doppelmittels rationell sei. Sprich: Doppelgaben seien in Ausnahmefällen genehmigt.

Aegedi (Stefan Reis bezog sich auf die Aegedi-Biographie von Ralf Vigoureux) war ein weiterer Vertreter der Doppelmittelverordnung und so soll Bönninghausen als Ausdruck von Freigeist in diesem genuinen Rahmen um 1833-34 gelegentlich auch Doppelmittelverordnungen gemacht und Aegidis Anordnungen ausprobiert haben.

Aegedi empfahl eine Doppelmittelverordnung dann, wenn man den Eindruck hat, dass 2 Krankheiten unabhängig voneinander miteinander konkurrieren und sich 2 Mittel um den Rang des Simile streiten. РAber bloß als Ausnahme von der Regel.

Hahnemann war zu dieser Abweichung zunächst ablehnend, aber dann dementsprechend wohlwollend.

Später dann aber in der Korrespondenz mit Hufeland hat er diese Meinung wieder dementiert. Hahnemann hat sich wohl nicht getraut Рso Stefan Reis.

Zu diesem Thema demonstrierte Reis einen Fall einer Frau, die an 2 gleichwertigen nebeneinanderstehenden, sich un√§hnlichen Krankheiten bzw. Symptomenkomplexen litt und nach erfolgloser Einzelmittelbehandlung 2 LM-Potenzen parallel bekam und dann genas, wie gesagt als „genuine“ Ausnahme von der Regel.

Sicherlich fragte sich so manch eine(r), ob nicht eine ganz andere, evtl. auch eine Arznei der „Neuzeit“ h√§tte passender sein.

 

Als Abschluss polterte Tjado Galic, der beim gesamten vorherigen Seminar nicht anwesend war, in den Seminarraum und demonstrierte einen seiner Videofälle (Fall eines schwerkranken Kindes) vielleicht auf etwas flapsige, aber unterhaltsame Weise.

Tjado Galic verwendete f√ľr seine Auswertung haupts√§chlich Geist bzw. Gem√ľtssymptome (durch seine eigene Beobachtung des Kindes, sowie Beobachtung und Best√§tigung der Eltern), sowie klinische Rubriken, als auch ein sichtbares k√∂rperliches Symptom.

Galic bezog sich dabei bei der Auswahl der Symtome auf § 6 des Oraganons

„Alle….. wahrnehmbaren Zeichen repr√§sentieren die Krankheit in ihrem ganzen Umfange….sie bilden zusammen die wahre und einzig denkbare Gestalt der Krankheit.“

Sowie auf den § 7 des Organons:

„…so mu√ü die Gesamtheit dieser ihrer Symptome, dieses nach au√üen reflektierende Bild des inneren Wesens der Krankheit, des Leidens der Lebenskraft…..“

Der demonstrierte Fall ist leider zur Veröffentlichung nicht frei gegeben, aber soviel sei gesagt: Dem Kind ging es nach einem Jahr sehr viel besser und war auf dem besten Wege zur Heilung.

Man hatte das Gef√ľhl, dass Galic, dadurch, dass er vom restlichen Seminarinhalt nichts mitbekommen hatte, sehr unbek√ľmmert seine Fall pr√§sentierte, ohne einen Bezug zu den vorhergehenden Inhalten und Schwerpunkten herzustellen.

Der Kreis schloss sich allerdings wieder in der anschließenden Podiumsdiskussion:

U.a. wurden Tjado Galics Auswertung und Symptomenauswahl sowie z.T. auch Anamnese-Stil diskutiert.

Jedoch waren sich die „genuinen“ Teilnehmer einig, dass der Fall von Galic auf seine Weise zwar gut gel√∂st (wie gesagt √ľber die Symptomenauswahl – da stritten sich manche Geister) auch mittels des Symptomen-Lexikons h√§tte gel√∂st werden k√∂nnen.

Doch so gilt auch hier. Wer heilt hat recht.

 

So war das Hahnemannsymposium rundherum eine gelungene Veranstaltung.

 

Schlusswort von Carl Classen (ars curandi) jedenfalls:

 

“ Was hier an Qualit√§t dargestellt worden ist, l√§sst uns zufrieden nach Hause gehen.“

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Dr.med. Helmut B Retzek
Dr.med. Helmut B Retzekhttp://www.retzek.at
Arzt f√ľr Allgemeinmedizin,¬†multiple pr√§ventivmedizinische, schulmedizinische und komplement√§re¬†Zusatzausbildungen. Wissenschaftliche Arbeit und¬†Forschungs-Beitr√§ge.¬†Zahlreiche Artikel¬†und¬†Vortr√§ge. ¬†Diese Website dokumentiert umfangreiche eigene Recherchen¬†in der aktuellen medizinischen Forschung zum Zweck der Selbst-Weiterbildung und als Ged√§chtnis-St√ľtze. M√§ssige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler, bitte nicht kommentieren, wer es nicht aush√§lt bitte einfach nicht lesen [toggle title="√Ąrztekammer Disclaimer"] √Ąrztekammmer Disclaimer die Ober√∂sterreichische √Ąrztekammer moniert weite Teile diese Website als "aufdringlich, marktschreierisch und beim Laien den Eindruck medizinischer Exklusivit√§t erweckend". Dies ist keinesfalls beabsichtigt, die Website ist ein absichtsloses Weiterbildungsmedium von Dr. Retzek, der seine wissenschaftlichen Pubmed-Recherchen hier mit √§rztlichen Kollegen unentgeltlich teilt, wof√ľr Dr. Retzek von vielen Kollegen aus dem In- und Ausland regelm√§ssig Anerkennung ausgesprochen bekommt. Dass Wissenschaftsrecherchen und Studien "das Standesansehen der √Ąrzte" verletzen k√∂nnte, war Dr. Retzek nicht bewusst, er bedauert dies zutiefst und entschuldigt sich bei den betroffenen Kollegen. [/toggle]

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