mein Freund, der Kassenarzt, besucht mich kurz. Wie so √ľblich unter √Ąrzten jammern wir uns gegenseitig voll, wie arm wir sind.

Er erz√§hlt: es freut ihn einfach wirklich nicht mehr, er f√ľhlt sich einfach nur verarscht.

Nicht dass seine Arbeitsbelastung so unbew√§ltigbar ist, sondern die Impertinenz vieler seiner Patienten ¬†sowie die ungerechtigkeit des Daseins ist mittlerweile nahezu unertr√§glich f√ľr ihn.

H√§tte er nicht noch so viele Schulden auf seiner Praxis, w√ľrde er einfach beinhart nur noch 8 Monate arbeiten.

Die Anzahl an Lehrern und Beamten in seiner Ortschaft, die derzeit¬†derzeit wegen „Sabbatical“ zu hause sind ist f√ľr ihn, einem Selbstst√§ndigem mit permanentem Zahlungs- und Dauer-Anwesenheits-Druck im Vergleich zu hoch.

Er erz√§hlt weitere Beispiele die ihn „anzipfen“: ein Mann kommt und l√§sst sich von ihm einen Pflegeurlaub f√ľr 1 Woche schreiben. Tats√§chlich hat seine Frau eine kleine Hand-Verletzung hat, bei der die paar N√§hte mit einem Pflaster abgedeckt sind. Am Nachmittag und die folgende Woche sieht er ihn zu hause Balkon-Streichen. Aber in einer kleinen Ortschaft ist es f√ľr ihn unm√∂glich hier keinen Pflegeurlaub zu schreiben, denn er ist ja selber „eingebunden“ ins soziale System: w√ľrde er hier als Richter auftreten h√§tte dies l√§ngerfristig Ausgrenzung und schliesslich auch finanzielle Konsequenzen.

Oder: ein anderer Mann kommt und l√§sst sich wegen Nackenschmerzen f√ľr diese Woche krank schreiben. Ein Bandscheibenvorfall ist dokumentiert, daher gibts da auch an seinen Schmerz-Schilderungen nichts zu kritisieren. Am Nachmittag schon sieht er den Mann wie er seinem Schwager bei Zimmerei-Arbeiten am Dach und Bau hilft.

„So geht das jeden Tag und es wird selbstverst√§ndlich erwartet dass man mitspielt und 360 Tage / Jahr anwesend und verf√ľgbar ist“.

(Tats√§chlich weiss ich, dass er nicht immer mitspielt und desswegen auch „einen schlechten Ruf“ bei vielen Leuten in seiner Ortschaft hat, die lieber zum Kollegen in den Nachbarort gehen, der l√§nger Krankenstand schreibt)

 

Nun, mittlerweile hat er sich einigen √Ąrger runtergeredet und ich bin dran und schimpfe √ľber mein Lieblingsthema „…….. (worte zensiert, enthalten gerne plakative ausdr√ľcke wie korrupt, dumm, ignorant …….) ¬†……….“ in Wien und in St. P√∂lten, die das Land aus Ignoranz runterwirtschaften.

Er hat einen Schwager, der sozialistischer Berufspolitiker ist, mit dem er manchmal diskutiert und der ihm dann die tatsächlichen Mechanismen unserer Politverwaltung erklärt: alles ist ein Abtausch Рes wird nie nach soll/haben oder wichtig/richtig entschieden:

in Nieder√∂sterreich bekommen zB Gemeinden „die rot sind“ um 80% weniger Strukturf√∂rderung (oder so) als die schwarzen Gemeinden.

[youtube url=“http://youtu.be/B1ojJyq0feo“]

 

Ich bin mittlerweile erregt und „verstehe nicht, wieso die B√ľrgermeister sich das alles gefallen lassen:

neue Bundesgesetze als Wahl-Zuckerl und Image-Pflege f√ľr „Sekret√§re“ und s.g. „Minister“ ¬†mit weitreichenden finanziellen Zusatzbelastungen f√ľr die Kommunen, sodass jede Gemeinde letztlich im Schuldenturm ankommt wie ¬†V√∂cklabruck, welches die sozialen B√ľrden nie und nimmer jemals zahlen wird k√∂nnen.

Wieso – so mein Einwand – gibt es nicht eine aufr√ľttelnde Selbstverbrennung oder einen Hungerstreik oder eine grosse Zeitungs-Kampagne der B√ľrgermeister gegen die korrupte ……(zensiert) …….¬†¬†in Wien?“¬†

 

http://derstandard.at/2000004107262/Eine-Stadt-so-gross-wie-das-Hypo-Debakel

http://wirtschaftsblatt.at/home/life/immobilien/1430878/planlosAward_Inkompetenz-auf-der-Baustelle

…….

 

Er weisst auf das „Abtauschen“ als Grundprinzip √∂sterreichischer Realpolitik hin: als B√ľrgermeister¬†heist es einfach: wenn du mir dies hier f√ľr den Freund umwidmest bekommst du das Geld f√ľr diesen G√ľterweg …..¬†

Jetzt muss er leider wieder fahren, er hat nachher auch Wochenenddienst und darf jetzt 56 Stunden durcharbeiten f√ľr ‚ā¨83 brutto pro Dienst und seine Sabbatikals und Krankenst√§nde betreuen, die jetzt am Vormittag noch keine Zeit hatten, in die Praxis zu kommen.

Irgendwie versteh ich ihn ein seinem Frust.

 

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Arzt f√ľr Allgemeinmedizin,¬†multiple pr√§ventivmedizinische, schulmedizinische und komplement√§re¬†Zusatzausbildungen.¬†

Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-Beiträge. Zahlreiche Artikel und Vorträge. 

Umfangreiche Recherchen¬†in der aktuellen medizinischen Forschung zum Zweck der Selbst-Weiterbildung und als Ged√§chtnis-St√ľtze. ¬†

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