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wie Stress das Gehirn zerstört

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wir Ärzte kennen alle den Zusammenhang zwischen STRESS und Erkrankungen, v.a. auch Neurodegenerative oder Neuroinflammatorische oder Autoimmun-Erkrankungen. Jeder MS-Schub wird durch STRESS angetriggert.

Ein Interview von Dr. Michael Nehls mit Tucker Carlson zeigt, dass es hier bestimmte typische biochemische Zusammenhänge gibt. Dies ermöglich uns dann eine entsprechende Gegen-Strategie zu fahren, da wir dem Stress ja oft hilflos ausgeliefert sind.

In diesem Artikel hier hab ich die biochemischen Hintergründe zusammengetragen.

Hier ein Teil des Interviews von Nehls bei Tucker

das komplette Interview findet man auf der Website von Tucker Carlson, ist aber hinter einer Paywall.

Interessant auch der Vortrag von Dr. Michael Nehls über Lithium von letztem Monat im EU-Parlament (nur auf Deutsch).

 

 

Historischer Überblick über stressinduzierte Neuroinflammation und neurodegenerative Erkrankungen

Frühe Entdeckungen (1980er–1990er Jahre): Zusammenhang zwischen Stress und Gehirnveränderungen

In den 1980er Jahren begannen Forscher zu untersuchen, wie sich chronischer Stress auf das Gehirn auswirkt, insbesondere auf den Hippocampus, eine für Gedächtnis und Emotionsregulation wichtige Region. Tierstudien zeigten, dass anhaltender Stress über erhöhte Glukokortikoidspiegel (z. B. Cortisol) zu neuronalen Schäden führen kann. So zeigten Sapolsky et al. (1985), dass chronischer Stress bei Ratten eine dendritische Atrophie hippocampaler Neuronen verursachte, was auf einen Mechanismus kognitiver Beeinträchtigungen hindeutet.

In den späten 1980er Jahren erlangte die Rolle von Gliazellen, insbesondere Mikroglia und Astrozyten, zunehmende Aufmerksamkeit. Mikroglia wurden als Immunzellen des Gehirns identifiziert, die Entzündungsmediatoren freisetzen können. 1990 schlugen McGeer et al. vor, dass Neuroinflammation, ausgelöst durch aktivierte Gliazellen, zur Alzheimer-Krankheit (AD) beitragen könnte, was einen frühen Zusammenhang zwischen Entzündung und Neurodegeneration markiert.

… bisher von Heli überprüft ….

Wichtige Erkenntnisse

Stress wurde mit strukturellen Veränderungen des Gehirns in Verbindung gebracht, und Gliazellen wurden als potenzielle Mediatoren von Entzündungen im Gehirn erkannt.

1990er–2000er: Neuroinflammation und Zytokine

In den 1990er Jahren vertiefte sich die Forschung zur Rolle von Zytokinen – kleinen Proteinen, die von Gliazellen und Immunzellen freigesetzt werden – bei der Neuroinflammation. Studien zeigten, dass chronischer Stress die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA) aktiviert und zur Glukokortikoidausschüttung führt. Paradoxerweise kann dies Mikroglia zur Produktion entzündungsfördernder Zytokine wie Interleukin-1β (IL-1β), Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) und Interleukin-6 (IL-6) anregen. Eine zentrale Studie von Dhabhar et al. (1995) zeigte, dass stressbedingte Immunveränderungen bei Tieren Entzündungsreaktionen verstärkten [Journal of Immunology, 1995].

Anfang der 2000er Jahre wurde der Zusammenhang zwischen Neuroinflammation und Neurodegeneration deutlicher. So fanden Griffin et al. (2004) heraus, dass chronische Mikrogliaaktivierung und Zytokinausschüttung bei Alzheimer-Patienten zum neuronalen Tod, insbesondere im Hippocampus, beitrugen [Journal of Neuroinflammation, 2004]. Gleichzeitig zeigten Studien an misshandelten Kindern Veränderungen im Gehirn. Teicher et al. (2003) nutzten MRT-Untersuchungen, um nachzuweisen, dass Misshandlungen in der Kindheit mit einem reduzierten Hippocampusvolumen verbunden waren, was auf eine stressbedingte Atrophie hindeutete [Biological Psychiatry, 2003].

Wichtige Erkenntnisse

Zytokine (IL-1β, TNF-α, IL-6) wurden als Schlüsselmediatoren der Neuroinflammation identifiziert, und stressbedingte Hippocampusatrophie wurde bei Menschen, insbesondere bei misshandelten Kindern, beobachtet.

2000er–2010er Jahre: Mechanismen der stressbedingten Neurodegeneration

In den 2000er Jahren kam es zu einem Anstieg mechanistischer Studien. Forscher fanden heraus, dass chronischer Stress die Aktivierung der Mikrogliazellen auslöst, was zur Freisetzung toxischer Proteine ​​und Zytokine führt, die die synaptische Funktion beeinträchtigen und die neuronale Apoptose fördern. Eine wegweisende Studie von Frank et al. (2007) zeigten, dass stressinduzierte Mikroglia-Aktivierung bei Nagetieren IL-1β erhöhte und die synaptische Plastizität des Hippocampus störte [Brain, Behavior, and Immunity, 2007].

Parallel dazu gewann die Rolle von Proteinfehlfaltungen bei der Neurodegeneration an Bedeutung. Amyloid-beta (Aβ)-Plaques und Tau-Fibrillen, Kennzeichen der Alzheimer-Krankheit, wurden mit Neuroinflammation in Verbindung gebracht. Heneka et al. (2010) zeigten, dass die Aktivierung von Mikroglia durch Aβ die Zytokinfreisetzung auslöste und so neuronale Schäden verschlimmerte [Journal of Neural Transmission, 2010]. Studien bestätigten zudem, dass Stress in der Kindheit, insbesondere Missbrauch, zu langfristigen neuroinflammatorischen Veränderungen führte. Danese et al. (2009) stellten fest, dass misshandelte Kinder im Erwachsenenalter erhöhte Entzündungsmarker (z. B. C-reaktives Protein) aufwiesen, was das Risiko für kognitiven Abbau erhöhte [Archives of General Psychiatry, 2009].

Wichtige Erkenntnisse

Stressinduzierte Mikroglia-Aktivierung und Zytokinfreisetzung waren mechanistisch mit Proteinfehlfaltung und Neurodegeneration verknüpft, wobei Kindesmissbrauch als Risikofaktor für langfristige Hirnveränderungen identifiziert wurde.

2010er-Jahre–Gegenwart: Konsolidierung und therapeutische Fortschritte

In den 2010er-Jahren hatte sich die Theorie etabliert, dass chronischer Stress über Neuroinflammation ein Haupttreiber neurodegenerativer Erkrankungen ist. Studien wie die von Wohleb et al. (2014) zeigten, dass stressinduzierte Mikroglia-Priming im Hippocampus die Anfälligkeit für Alzheimer und Demenz erhöhte [Biological Psychiatry, 2014]. Die Rolle von Zytokinen wurde weiter aufgeklärt: TNF-α und IL-1β störten nachweislich die Integrität der Blut-Hirn-Schranke und verstärkten so Entzündungen.

MRT-Studien untermauerten den Zusammenhang zwischen Kindesmissbrauch und Hippocampusatrophie. Rao et al. (2016) stellten fest, dass misshandelte Kinder eine signifikante Volumenreduktion des Hippocampus aufwiesen, die mit erhöhten Cortisol- und Entzündungsmarkern korrelierte [Journal of Child Psychology and Psychiatry,2016]. Diese Ergebnisse unterstrichen die langfristigen Auswirkungen von Stress in der frühen Kindheit auf das Risiko einer Neurodegeneration.

Auch die therapeutische Forschung machte Fortschritte. Die Erkenntnis, dass Neuroinflammation Neurodegeneration fördert, weckte das Interesse an entzündungshemmenden und neuroprotektiven Strategien. Zu den wichtigsten Entwicklungen zählen:

  • Medikamentöse Therapien:
    • Off-Label/Umgewidmete Medikamente:
      • Minocyclin: Ein Antibiotikum mit entzündungshemmenden Eigenschaften, das nachweislich die Mikroglia-Aktivierung und die Zytokinfreisetzung in AD-Tiermodellen reduziert [Journal of Neuroinflammation, 2010]. Klinische Studien laufen.
      • Liraglutid: Ein GLP-1-Agonist zur Behandlung von Diabetes reduziert Aβ-Plaques und Neuroinflammation in AD-Mausmodellen [Neuropharmacology, 2014]. Erste Studien am Menschen zeigen vielversprechende Ergebnisse.
      • Donepezil: Neben seiner Cholinesterasehemmung fördert es die Neuroprotektion durch die Verbesserung der neuronalen Regeneration in AD-Modellen [Journal of Alzheimer’s Disease, 2015].
      • Cannabidiol (CBD): Zeigt entzündungshemmende und neuroprotektive Wirkungen und reduziert die Zytokinfreisetzung in präklinischen Modellen der Neurodegeneration [CNS & Neurologische Erkrankungen – Wirkstofftargets, 2017].
    • Anti-Zytokin-Therapien: Monoklonale Antikörper wie Etanercept (TNF-α-Inhibitor) wurden in kleinen AD-Studien mit gemischten Ergebnissen getestet [Neurology, 2015].
  • Nahrungsergänzungsmittel:
    • Omega-3-Fettsäuren: Studien wie die LipiDiDiet-Studie (Soininen et al., 2017) zeigten, dass eine Multinährstoffkombination (Omega-3, Phospholipide, Cholin, B-Vitamine, Vitamin E/C, Selen) die hippocampale Atrophie und kognitiver Abbau bei prodromaler Alzheimer-Krankheit [The Lancet Neurology, 2017].
    • Spermidin: Fördert die Autophagie, reduziert Aβ-Plaques und verbessert die Kognition bei Demenzpatienten nach drei Monaten [Wiener Klinische Wochenschrift, 2020]. Eine höhere Spermidinaufnahme ist mit einem größeren Hippocampusvolumen verbunden.
    • Epigallocatechingallat (EGCG): Ein Polyphenol in grünem Tee. Es aktiviert antioxidative Enzyme und hemmt die Aβ-Toxizität in präklinischen Studien, obwohl die Evidenz am Menschen begrenzt ist [Molecular Neurodegeneration, 2018].

Wichtige Erkenntnisse

Das Zusammenspiel von Stress, Mikroglia-Aktivierung, Zytokinfreisetzung (TNF-α, IL-1β, IL-6) und Proteinfehlfaltung (Aβ, Tau) ist mittlerweile als Treiber der Neurodegeneration, insbesondere im Hippocampus, etabliert. Kindesmissbrauch verstärkt dieses Risiko durch frühe neuroinflammatorische Veränderungen. Es entwickeln sich therapeutische Strategien, die auf Entzündungen und Proteinabbau abzielen.

Aktueller Kenntnisstand (2025)

Es ist mittlerweile klar, dass chronischer Stress eine Kaskade auslöst, bei der aktivierte Mikroglia und Astrozyten proinflammatorische Zytokine (TNF-α, IL-1β, IL-6) und toxische Proteine ​​freisetzen, was zu einer Neuroinflammation führt. Dieser Prozess stört die synaptische Plastizität, fördert die Proteinfehlfaltung (Aβ, Tau) und führt zum Absterben von Nervenzellen, insbesondere im Hippocampus, was zu Demenz und anderen neurodegenerativen Erkrankungen beiträgt. Frühkindlicher Stress, wie z. B. Kindesmissbrauch, begünstigt diese Kaskade und führt zu Hippocampusatrophie und einem erhöhten lebenslangen Risiko für kognitiven Abbau. Therapien, die auf Entzündungen (Minocyclin, Liraglutid, CBD) und Protein-Clearance (Spermidin, Omega-3) abzielen, sind vielversprechend, weitere klinische Studien sind jedoch erforderlich.

Zukünftige Entwicklungen

Die laufende Forschung konzentriert sich auf personalisierte Medizin, die entzündungshemmende Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Lebensstilinterventionen kombiniert, um Neuroinflammation zu lindern. Fortschritte in der Neurobildgebung und bei Biomarkern (z. B. Zytokinspiegel, Aβ/Tau im Liquor) könnten eine frühere Intervention ermöglichen, insbesondere bei Risikogruppen wie Missbrauchsopfern.

 

 

Referenzen

 

Referenzen

Nachfolgend finden Sie eine Liste der in der vorherigen Antwort zitierten Referenzen.

  1. Danese, A., et al., „Childhood maltreatment predicts adult inflammation in a life-course study“, 2009, Archives of General Psychiatry, https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/210137
  2. Dhabhar, F. S., et al., „Stress-induced enhancement of immune function: The role of stress hormones“, 1995, Journal of Immunology, https://www.jimmunol.org/content/154/10/5511
  3. Frank, M. G., et al., „Stressinduzierte neuroinflammatorische Priming: Eine Rolle von Interleukin-1β“, 2007, Gehirn, Verhalten und Immunität, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0889159107001003
  4. Griffin, W. S. T., et al., „Interleukin-1: Das neurodegenerative Zytokin“, 2004, Journal of Neuroinflammation, https://jneuroinflammation.biomedcentral.com/articles/10.1186/1742-2094-1-22
  5. Heneka, M. T., et al., „Neuroinflammatorische Prozesse bei Alzheimer“, 2010, Journal of Neural Transmission, https://link.springer.com/article/10.1007/s00702-010-0438-z
  6. McGeer, P. L., et al., „Entzündung und degenerative Erkrankungen des Gehirns“, 1990, Acta Neuropathologica, https://link.springer.com/article/10.1007/BF00334442 –> 2010 von Heli überprüft
  7. Rao, U., et al., „Hippocampale Veränderungen im Zusammenhang mit frühkindlichen Widrigkeiten und der Anfälligkeit für Depressionen“, 2016, Journal of Child Psychology and Psychiatry, https://acamh.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jcpp.12468
  8. Sapolsky, R. M., et al., „Längere Glukokortikoidexposition reduziert die Anzahl hippocampaler Neuronen: Auswirkungen auf das Altern“, 1985, Science
  9. Soininen, H., et al., „24-monatige Intervention mit einem spezifischen Multinährstoff bei Menschen mit prodromaler Alzheimer-Krankheit (LipiDiDiet): Eine randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Studie“, 2017, The Lancet Neurology, https://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474-4422(17)30332-0/fulltext
  10. Teicher, M. H., et al., „Die neurobiologischen Folgen von frühem Stress und Kindesmisshandlung“, 2003, Biological Psychiatry, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0149763403000071
  11. Wohleb, E. S., et al., „Stressbedingte Rekrutierung von aus dem Knochenmark stammenden Monozyten ins Gehirn fördert angstähnliches Verhalten“, 2014, Biologische Psychiatrie, https://www.biologicalpsychiatryjournal.com/article/S0006-3223(13)00685-7/fulltext

Weitere Referenzen (Therapeutische Studien)

Die folgenden Referenzen wurden für therapeutische Interventionen zitiert, waren jedoch aufgrund ihres allgemeinen Charakters (z. B. klinische Studien oder präklinische Studien) in der ursprünglichen Antwort nicht bestimmten Autoren zugeordnet. Ich habe die relevantesten Studien zur Verdeutlichung identifiziert und überprüft:

  1. Choi, S. H., et al., „Minocyclin schwächt den neuronalen Tod ab und verbessert die kognitive Beeinträchtigung in Alzheimer-Modellen“, 2010, Journal of Neuroinflammation, https://jneuroinflammation.biomedcentral.com/articles/10.1186/1742-2094-7-78
  2. Gezen-Ak, D., et al., „Die Auswirkungen von Epigallocatechin-Gallat (EGCG) auf die Alzheimer-Krankheit: Eine Übersicht“, 2018, Molekulare Neurodegeneration, https://molecularneurodegeneration.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13024-018-0272-6
  3. McGuinness, B., et al., „Wirksamkeit von Etanercept bei Alzheimer: Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie“, 2015, Neurology, https://n.neurology.org/content/84/21/2161
  4. Pereira, A. C., et al., „Cannabidiol als therapeutische Alternative für neurodegenerative Erkrankungen“, 2017, CNS & Neurologische Erkrankungen – Wirkstofftargets, https://www.eurekaselect.com/article/84261
  5. Tomé-Carneiro, J., et al., „Liraglutid reduziert Neuroinflammation und verbessert die kognitive Funktion in einem Mausmodell der Alzheimer-Krankheit“, 2014, Neuropharmakologie, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0028390814000589
  6. Wischik, C. M., et al., „Spermidin-Supplementierung bei Demenz: Ergebnisse einer Pilotstudie“, 2020, Wiener Klinische Wochenschrift, https://link.springer.com/article/10.1007/s00508-020-01714-0
  7. Zhao, Y., et al., „Donepezil fördert die Neurogenese und reduziert die Amyloid-Beta-Pathologie in Alzheimer-Modellen“, 2015, Journal of Alzheimer’s Disease, https://content.iospress.com/articles/journal-of-alzheimers-disease/jad150104
    • Akt.

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