Thiosinaminum: Anmerkungen zu einem kleinen Mittel

Erstmals habe ich vor einigen Jahren ĂŒber Thiosinaminum in einem wunderbaren kleinen BĂŒchlein eines indischen Homöopathen (Injuries, Accidants & Sequale, Dr. R…….) im Zusammenhang mit Narbenbehandlung gelesen. Er beschreibt dort, dass durch eine irrtĂŒmlich verlĂ€ngerte Einnahme (1 Jahr lang D6 2 x tĂ€glich anstatt wie angeordnet 1 Woche lang) ein Kind, dessen Ellbogen durch narbige Strikturen nach schwerer Verbrennung völlig immobilisiert war, im Laufe eines Jahres praktisch beschwerdefrei und voll beweglich geworden ist. Ich habe daher ab und an Thiosinaminum in FĂ€llen prominenter Narben im beschriebenen Einnahmemodus empfohlen, jeweils – soweit RĂŒckmeldung vorhanden – mit erfreulichen Resultat.

 

3 Beobachtungen aus der Praxis waren jedoch so beeindruckt, dass ich dieses Mittel hiermit erneut in Erinnerung bringen möchte.

1. Fall: entstellende Vernarbung nach Brustkrebs-Operation

Eine 38 jĂ€hrige Patientin im Zustand nach operierten MC (Quadrantenresektion), die derzeit Chemotherapie bekommt ist zusĂ€tzlich bei mir in homöopathischer Behandlung. Es beeindruckte die völlig entstellte, narbig stark verzogene Brust, “ja sie wĂŒĂŸte es, jeder Arzt der diese Brust inspiziert war entsetzt ĂŒber das Operationsergebnis”.

Operation ergibt am 9.7.98 einen Tumor im Ausmass pT1C (19mm), p0 (0-19), m0, G2.

Am 8.7.98, bekommt sie meine Basistherapie, am 23.7.98 wegen persistierender Induration und Schmerzen selbst angesetzte Tinct. bellis perinis ĂŒber Nacht auf einem Leinenfetzen aufgelegt.

5 Wochen spĂ€ter am 27.8.98: das Ergebnis ist wie erwartet entsprechend: die Brust zwar nachwievor entsetzlich verzogen, narbig derb, aber nicht mehr entzĂŒndlich und endlich schmerzlos. Ich empfinde die aktuelle Situation als großes Risiko und potentiellen Motor eines (Narben-) Rezidivs. Neben FortfĂŒhrung der Basistherapie unter Einschluß von Conium bekommt sie nun Thiosinaminum D6 2x tĂ€glich.

 

NĂ€chste Ko 3. MĂ€rz 99, die Ă€ußerst schwierige private Situation – die mir als wesentlicher Faktor der Erkrankung scheint – hat sich weiter zugespitzt, keine erfreuliche Situation fĂŒr die Therapie!

Aber was ist aus der Brust geworden: bis auf eine ganz leichte Delle im OP-Gebiet hat sie völlig normalen Charakter angenommen!! Wenn man nicht genau hinsieht, bemerkt man gar nicht, dass sie operiert worden ist. Schmerzlos, keine VerhÀrtungen mehr, man sieht es wirklich nur mehr wenn man es weiss.

Zutiefst beeindruckender Lokalbefund! Patientin seither nicht mehr gekommen.

 

2ter Fall: Aorten-Isthmus-Stenose

38 jÀhriger Patient kommt am 1. September 98 wegen einer Vielzahl von Beschwerden, mit Schwerpunkt Verdauungstrakt.

Er erwÀhnt, man wollte ihn vor 16 Jahren wegen Aortenisthmusstenose operieren, dies habe er aber abgelehnt (er ist selbst Physikotherapist).

In der Ordination RR rechts 200/115, links 170/95, am Fuß 120/97.

Damit wohl assoziierte Beschwerden (nur ein Ausschnitt des breiten Beschwerdebildes):

bei leichter körperlicher Anstrengung massives innerer DruckgefĂŒhl, Schwindelerscheinungen. Schwindel fast stĂ€ndig, schon als Kind GefĂŒhl unter Druck zu stehen. Schwindel nach Aufstehen, Ohrensausen, bei körperlicher Anstrengung Atemnot, geringe körperliche LeistungsfĂ€higkeit, muß sich zwischen 2 Massagen fĂŒr 10 Minuten hinlegen.

Abschluß der Erstanamnese am 9. November 98 (Calc. M), sowie Überweisung an einem befreundeten Internisten. Von diesem die dringliche Empfehlung endlich die OP durchfĂŒhren zu lassen, er habe gerade in einem der letzten Notarztdienste einen akuten Herztod bei nicht operierter Isthmusstenose aufnehmen mĂŒssen.

Die verordneten blutdrucksenkenden Medikamente werden vom Patienten auf eigene Verantwortung nicht eingenommen, weitere Arzttermine beim Schulmediziner unterbleiben trotz meines DrÀngens endlich die Klinik zur notwendigen OP aufzusuchen.

Arzneimittel in den nÀchsten Monaten Sulphur M (2.2.99), Causticum XM (30.3.99), Thuja XM (17.5.99), Arg.-nitr. XM (22.6.99), RR etwas besser, im wesentlichen um 160 bis 170/100 verbleibend, bei gleichzeitig ausgezeichneter Entwicklung des Gesamt-Zustandes.

Seit 30.3.99: zusÀtzlich zur Konstitutionstherapie Thiosinaminum D6 2x tÀglich.

 

Seit Juli 99 Senkung der RR-Werte, bei der Ko am 5. August 99, rechts 134/88, links 144/95. Die konstitutionellen Beschwerden seit MĂ€rz 99 sehr zufriedenstellend.

Seit 1 Monat Lauftraining, unmittelbar danach gemessene RR-Werte ebenfalls im Normbereich

Jetzt, im Jahr 2003 mit Bar-carb XM weitere Besserung des emotionalen Befindens, Blutdruckwerte konstant um die 140/90 – 150/95

 

3ter Fall: Externe Narbenbehandlung bei Gesichts-Vernarbungen

eine Patientin leidet unter entstellender Vernarbung anch einem Autounfall im Gesicht. Nachfolgende kosmetische OP fĂŒhrten zu einer Facialisverletzung mit zusĂ€tzlich einseitiger FacialislĂ€hmung. Sie ist im “ schöne-sein“ Dienstleistungsgewerbe tĂ€tig, eine grosse Behinderung!

Sie nimmt auf meine Empfehlung hin eine

SchĂŒttelmixtur zum Narbenauflösung nach Dr. Retzek

  • Tink. Thiosinaminum 10.0,
  • Oleum hyperici / Oleum calendulae aa ad 50.0
  • Lezithin (in Alkohol gelöst) als Emulgator

ĂŒber lĂ€ngere Zeit (1-2 Jahre) die Narbe beschmieren.

Mittlerweile ist die Vernarbung kaum mehr sichtbar.

 

Weiter FĂ€lle aus der Literatur:

Homöopathic Recorder Nov 15, 1904, Vol XIX Nr 11, S. 494

“Thiosinaminum produziert die Resorptionen von Tumoren und Narbengewebe und narbigen Kontrakturen der Haut, Sehnen und BĂ€nder nach Verbrennungen, Lupus, usw.

Es wurde erfolgreich verwendet bei Ektropium mit ausgezeichneten Erfolg bei der TrĂŒbung der Cornea, grauem Star, Taubheit nach Otitis, catharralischer Taubheit, urethralen Strikturen, Uterus myomatosus und Tumoren des uterinen Bandapparates, Ankylose des Knies nach Lupus, chron. vergrĂ¶ĂŸerten und tuberkulösen LymphdrĂŒsen, Sarkomen, Fibroiden, Sklerodermie

[ich – Dr. Retzek – habe sehr erfreuliche Anfangsresultate bei einer Patientin, die nach 3 Wocchen Therapie ihre Zunge wieder herausstrecken kann],

Syphillis, palliativ bei inoperablen malignen GewÀchsen (Keloid-Carcinom).

Es ist kontraindiziert in allen aktiven oder teilweise geheilten tuberkulösen Foci.

Cases:

(I) 

25 Injektionen mit Thios. [Potenz?] ergaben komplette Extension einer so extremen Handkontraktur das die FingernÀgel in das Fleisch eingewachsen waren.

(II) 

Ein 60 jĂ€hriger Mann litt 30 Jahre an urethralen Strikturen, die Blase enorm vergrĂ¶ĂŸert und sakkuliert, Ausbuchtungen in die Urethra und Skrotum an einigen Orten. Ein fadenförmiger Strahl konnte nur dann abgegeben werden, wenn er komplett entspannt war. Nach jeder Mahlzeit 3 KĂŒgelchen Thiosinaminum und nach 3 Monaten ein durchschnittlich weiter Harnstrahl, die Ausbuchtugen hatten sich zurĂŒckgebildet und die Gesundheit des Patienten deutlich verbessert.

(III) 

65 jĂ€hriger Mann mit Pylorusstenose und wĂ€hrend der letzten 28 Jahren Magenbeschwerden. Die Dilation des Magens aufgrund der Striktur. Injektionen einer alkoholischen Lösung von Thios. [Potenz??] subcutan in RĂŒcken, nach der 11 Injektion waren die Symptome pra
ktisch verschwunden.

(IV)

Erfolgreiche Behandlung zweier FĂ€lle von Dupuytrain‘scher-Kontraktur.

 

weiters:  Homeorec. vol. 25/7 S. 306, 1910. “Thios. in der Behandlung des Tinnitus “A. Moore:

“Behandlung des Tinnitus im wesentlichen ohne Erfolg bis zum Einsatz von Thios., seither aber regelmĂ€ĂŸig gute Resultate, egal wie lange die Beschwerden dauerten. Mein Interesse wurde durch einen Artikel in Practical Medicine S. 304/1906 geweckt, seither bin ich dankbar fĂŒr die positiven Resultate in der Behandlung von chron. Mittelohrkatarrhen mit oder ohne Tinnitus. Die besten Resultate in jenen FĂ€llen, in welchen der LĂ€rm fast unertrĂ€glich ist. Wichtige Hinweise aus diesem Artikel.

1. AusgeprÀgt positive Wirkung auf Ohrerkrankungen die begleitet sind durch die Bildung von neuem Bindegewebe.

2. Erhöhte Biegsamkeit dieses Narbengewebes.

3. Verabreichung sollte immer mit mechanischen Massnahmen kombiniert werden.

4. bessere und promptere Resultate in kĂŒrzer dauernden FĂ€llen.

5. positive Wirkung auf Schwindel.

6. Bessere Resultate in der Erleichterung des Tinnitus als durch jedes andere Medikament.

Ich konnte all diese Punkte verifizieren und in einigen FĂ€llen kam es zu einer raschen Verbesserung auch ohne den mechanischen Einsatz durch Vibration des Trommelfells. Eine weitere Literatursuche ergab praktisch kein Ergebnis.”

weiters

IFH Case Conference 1994, David Reily, M.D. EinfĂŒhrung in Thios.

3 FĂ€lle von Unfruchtbarkeit und PID (Eileiter/Eierstock-EntzĂŒndungen), hinsichtlich verlĂ€ĂŸlicher Resultate waren die auffallenden frei von sekundĂ€rer InvertilitĂ€t nach TIT. Diese Patientinnen hatten einige gemeinsame Symptome: Narbengewebe im Beckenbereich, Depression, GemĂŒtsschwankungen und Abneigung zu Trost. Weiters Heuschnupfen und erhöhten Harndrang des Nachts.

David Reily prÀsentiert 3 Kasuistiken sehr detailiert, frappante Besserung im ersten Fall Schwangerschaft nach 3 Monaten.

 

4. Fall: Restriktur des Sigmoids: Irrigoskopie sowie Sigmoidoskopie wegen massiver Striktur nicht möglich. Operation dringendst empfohlen. 1 Jahr lang Thiasinominum C12, Resigmoidoskopie findet keinen pathologischen Befund mehr. Aufgrund der gebesserten Geistes-GemĂŒtssymptome, einer Literatursuche sowie Signaturenschluß versucht David eine Assienz des Bildes zu prĂ€sentieren.

Thios. entspricht Mustard der BachblĂŒten.

 

Publiziert 1992 in der HIÖ

 

weitere Infos zu Thiosinaminum

(Visited 6.351 times, 1 visits today)

Arzt fĂŒr Allgemeinmedizin, multiple prĂ€ventivmedizinische, schulmedizinische und komplementĂ€re Zusatzausbildungen. 

Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-BeitrÀge. Zahlreiche Artikel und VortrÀge. 

Umfangreiche Recherchen in der aktuellen medizinischen Forschung zum Zweck der Selbst-Weiterbildung und als GedĂ€chtnis-StĂŒtze.  

MÀssige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler, bitte nicht kommentieren, wer es nicht aushÀlt bitte einfach nicht lesen
- Dr. Retzek's Youtube - Kanal mit Testimonials usw.
- neue EintrÀge abonnieren --> im Footer der Seite

Ärztekammer Disclaimer

Ärztekammmer Disclaimer

die Oberösterreichische Ärztekammer moniert weite Teile diese Website als „aufdringlich, marktschreierisch und beim Laien den Eindruck medizinischer ExklusivitĂ€t erweckend“.

Dies ist keinesfalls beabsichtigt, die Website ist ein absichtsloses Weiterbildungsmedium von Dr. Retzek, der seine wissenschaftlichen Pubmed-Recherchen hier mit Ă€rztlichen Kollegen unentgeltlich teilt, wofĂŒr Dr. Retzek von vielen Kollegen aus dem In- und Ausland regelmĂ€ssig Anerkennung ausgesprochen bekommt.

Dass Wissenschaftsrecherchen und Studien „das Standesansehen der Ärzte“ verletzen könnte, war Dr. Retzek nicht bewusst, er bedauert dies zutiefst und entschuldigt sich bei den betroffenen Kollegen.

 

Kommentar gerne erwĂŒscht wenn sie hilfreich fĂŒr Leser sind

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darĂŒber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.