tDCS bei Patienten mit implantiertem Parkinson-Hirnschrittmacher (DBS)
Grundsätzlich gilt: tDCS bei Patienten mit einem implantierten Deep-Brain-Stimulator (DBS) ist nicht automatisch verboten, aber es besteht ein relevantes Sicherheitsrisiko, sodass es nur unter klaren Vorsichtsmaßnahmen und meist im Forschungssetting durchgeführt wird.
Der DBS besteht typischerweise aus drei Komponenten:
- intrazerebrale Elektroden (z. B. im Subthalamic nucleus oder Globus pallidus internus)
- Verbindungskabel subkutan entlang Hals/Thorax
- Impuls-Generator (ähnlich Herzschrittmacher) meist infraklavikulär implantiert
Diese Metallstrukturen können theoretisch mit extern angelegten elektrischen Feldern interagieren.
Mögliche Risiken
- Induktion von Strömen entlang der DBS-Leitungen
tDCS kann über die Kabel parasitäre Ströme in tiefere Hirnstrukturen leiten. - Überstimulation oder Fehlfunktion des DBS
theoretisch möglich durch elektromagnetische Interaktion. - Unkontrollierte Stromdichte an der Elektrodenspitze im Gehirn
- Erwärmung der Elektroden
besonders bei längeren Stimulationszeiten.
Diese Risiken sind theoretisch plausibel, aber klinisch nur selten systematisch untersucht.
Studienlage
Es existieren einige kleine Studien, in denen tDCS bei Parkinson-Patienten mit DBS durchgeführt wurde, typischerweise:
- Anodale Stimulation über M1 oder DLPFC
- 1–2 mA
- 20 Minuten
In diesen kleinen Serien wurden keine schweren Nebenwirkungen berichtet. Trotzdem betonen praktisch alle Publikationen:
- Durchführung nur unter neurologischer Aufsicht
- Gerätekontrolle vor und nach der Stimulation
- häufig temporäres Abschalten des DBS
Die Evidenzbasis ist sehr klein.
Praktische Sicherheitsregeln (wenn überhaupt durchgeführt)
Falls man tDCS erwägt:
- DBS möglichst während der Stimulation ausschalten
- Elektroden weit weg vom Generator platzieren
(kein Strompfad über Thorax/Hals) - Keine Elektroden in Nähe der DBS-Kabel
(z. B. Fp-Mastoid-Montagen vermeiden) - niedrige Intensität
- 1.0–1.5 mA
- kurze Dauer
- 10–20 Minuten
- Patient überwachen
Klinische Kurzantwort
Mit implantiertem Parkinson-Hirnschrittmacher ist tDCS grundsätzlich möglich, aber potentiell riskant und daher nicht Standard.
Viele Zentren betrachten es als relative Kontraindikation, insbesondere außerhalb von Studien.
Praktischer Hinweis aus neuromodulatorischer Sicht
Bei Parkinson-Patienten mit DBS-Implantat würde man meist eher auf andere nichtinvasive Verfahren ausweichen:
- TPS (Transcranial Pulse Stimulation)
- taVNS
- CES
- periphere Neuromodulation
Diese haben kein elektrisches Feld im Gehirn und sind daher mit Implantaten deutlich unproblematischer.
OK – Petros hat heute 15.3.26 auch eine Antwort geschickt
Es bestehen im Allgemeinen keine absoluten Kontraindikationen für die Anwendung der transkraniellen Pulsstimulation (TPS) oder der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) bei Patienten mit einem ventrikuloperitonealen Shuntsystem, einschließlich programmierbarer Ventile wie dem proGAV 2.0, sofern bestimmte Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden.
Das proGAV® 2.0 ist ein programmierbares Differenzdruckventil zur Behandlung von Hydrozephalus mit einer Gravitationseinheit, die den Liquordrainage in Abhängigkeit von Körperposition und Druckverhältnissen reguliert.
Wichtige Aspekte bei einem VP-Shunt (proGAV 2.0)
1. Stimulationsort
• Vermeiden Sie eine direkte Elektroden- oder TPS-Stimulation direkt über dem Ventilgehäuse (retroaurikuläre Region).
• Die Stimulation kann in der Regel sicher an kortikalen Regionen außerhalb des Ventilreservoirs oder des Katheterwegs durchgeführt werden.
2. Mechanische Sicherheit
• tDCS verwendet sehr niedrige Ströme (typischerweise ≤ 2–4 mA) und gilt in klinischen Studien als sicher mit minimalen Nebenwirkungen. • Diese Ströme beeinflussen weder Silikon-Shuntkatheter noch den Liquorfluss.
3. Wechselwirkung von Magnetfeldern mit dem Gerät
Der proGAV 2.0 verfügt über einen „Active-Lock“-Mechanismus, der eine versehentliche Ventilverstellung durch externe Magnetfelder verhindert.
Daher verändert eine Neuromodulation mit niedriger Energie, wie z. B. tDCS oder TPS, die Ventileinstellung in der Regel nicht.
4. Klinische Vorsichtsmaßnahmen
Überprüfen Sie die Ventileinstellung vor und nach der Behandlung (gute klinische Praxis).
Vermeiden Sie starken lokalen Druck auf das Bohrlochreservoir.
Beachten Sie den Katheterverlauf vom Ventrikel über das retroaurikuläre Ventil zum Peritoneum.
Praktische klinische Vorgehensweise
Sichere Montagen erfolgen üblicherweise in frontalen, motorischen, parietalen oder zerebellären Regionen, die vom Ventil entfernt liegen.
Halten Sie die Standardparameter der Neuromodulation ein.
Bei einem retroaurikulären Ventil vermeiden Sie die direkte Platzierung der Elektrode auf der Ventiltasche.
Zusammenfassung
Ein ventrikuloperitonealer Shunt wie proGAV 2.0 stellt keine Kontraindikation für nicht-invasive Neuromodulation (tDCS oder TPS) dar. Die Behandlung kann im Allgemeinen sicher durchgeführt werden, sofern die Lage des Ventils, der Katheterweg und die routinemäßige klinische Überwachung sorgfältig beachtet werden.
Petros schickt eine Studie, ohne die Primärquelle zu zitieren
Ein Fallbericht aus dem Jahr 2024 beschreibt die Anwendung von tDCS bei einem Patienten mit schwerer Hirnverletzung, einem ventrikuloperitonealen Shunt und einer Kranioplastik mit Titan-Netz. Die Autoren optimierten die Elektrodenplatzierung mithilfe von MRT-basierter elektrischer Feldmodellierung, berichteten über keine gerätebedingten Komplikationen und beschrieben eine deutliche klinische Verbesserung. Dies ist wahrscheinlich die relevanteste Publikation zu Ihrer Fragestellung, jedoch handelt es sich dennoch nur um einen Fallbericht. Daher belegt sie eher die Machbarkeit als die allgemeine Sicherheit.
Generell besagen moderne Sicherheitsberichte und Leitlinien zur tDCS, dass es in der allgemeinen Praxis keine absoluten Kontraindikationen gibt. Allerdings erfordern vorangegangene Kopfoperationen, veränderte Anatomie und implantierte metallische/elektrische Geräte eine zusätzliche Planung, da sie die Stromverteilung beeinflussen können. Eine Sicherheitsüberprüfung aus dem Jahr 2021 berichtete über keine schwerwiegenden Komplikationen bei Erwachsenen oder Kindern, wenn Standardparameter bis zu 4 mA für bis zu 60 Minuten/Tag verwendet wurden, und die klinische Praxisleitlinie aus dem Jahr 2023 stellt ebenfalls fest, dass es keine absoluten Kontraindikationen gibt, betont aber gleichzeitig die Vorsicht bei Hirnverletzungen, Operationen und Implantaten.
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