Vesikorenaler Reflux: Antibiotikaprophylaxe mit begrenzter Schutzwirkung

Sydney – Eine langfristige Antibiotikagabe kann Kinder mit vesikorenalem Reflux  vor Harnwegsinfektionen schützen. Das Ausmaß der Wirkung blieb in einer Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; 361: 1748-1759) jedoch hinter den Erwartungen zurück, sodass ein Editorialist darauf drängt die Therapie nur bei gesicherter Diagnose einzusetzen.

Bei einem vesikorenalen Reflux gelangen die Keime einer Harnwegsinfektion bis in die Niere, deren Schädigungen bei Kindern eine gefürchtete Komplikation ist. Sofern eine chirurgische Therapie nicht (gleich) möglich ist, wird zu einer langfristigen Antibiotikagabe geraten, doch die Evidenz dieser Empfehlung steht auf schwachen Beinen. Frühere Studien hatten keine Vorteile gezeigt.

Es fehlte jedoch häufig eine Vergleichsgruppe oder die Studien wiesen Schwächen im Design (keine Verblindung) auf, weshalb australische pädiatrische Urologen die Frage in einer größeren Studie zu klären versuchten.

An der „Prevention of die Recurrent Urinary Tract Infection in Children with Vesicoureteric Reflux and Normal Renal Tracts“ oder PRIVENT-Studie wurden 576 Kinder mit wenigstens einer mikrobiologisch gesicherten Harnwegsinfektion auf eine tägliche Therapie mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol oder Placebo randomisiert.

Die Kinder waren im Durchschnitt 14 Monate alt, 42 Prozent hatten einen nachgewiesenen vesicoureteralen Reflux und 71 Prozent wurden bereits nach der ersten Diagnose einer Harnwegsinfektion in die Studie aufgenommen.

Der primäre Endpunkt, eine erneute mikrobiologisch bestätigte Harnwegsinfektion, trat bei 13 Prozent der antibiotisch behandelten Patienten und bei 19 Prozent der Kontrollen auf. Das ergibt zwar eine relative Minderung um 39 Prozent (Hazard Ratio 0,61; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,40-0,93), wie die Gruppe um Jonathan Craig vom Children’s Hospital in Westmead/Sydney mitteilt.

Die absolute Risikominderung um 6 Prozent bedeutet jedoch, dass 16 Kinder dauerhaft mit Antibiotika behandelt werden müssen, um eine Infektion zu verhindern, deren Auswirkung auf die Nierenfunktion offen ist.

Die Editorialisten Alejandro Hoberman vom Children’s Hospital in Pittsburgh und Ron Keren vom Children’s Hospital of Philadelphia raten deshalb im Editorial zur Zurückhaltung. Die Therapie sollte auf Kinder mit einem nachgewiesenen vesikorenalen Reflux beschränkt bleiben, fordern sie. Weitere Erkenntnisse werden von laufenden Studien in Schweden und den USA erwartet. © rme/aerzteblatt.de

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