√Ąrzte Zeitung, 27.09.2004

Bei Phimose ist eine Zirkumzision meist unnötig

Sanfte Dehnung und kortisonhaltige Salbe reichen bei verengter Vorhaut meist aus  /  Sechs Wochen Therapie

WIESBADEN (ner). Die meisten Jungen mit Phimose können konservativ behandelt werden, und zwar mit kortisonhaltiger Creme, hieß es beim Urologenkongreß in Wiesbaden. Operationen sind nur bei schweren Komplikationen nötig.

Die Deutsche Gesellschaft f√ľr Urologie empfiehlt bei Phimose nach Abschlu√ü des zweiten Lebensjahrs eine Zirkumzision. Solche Leitlinien m√ľssen umgeschrieben werden, fordert Professor Mark Goepel aus Velbert. Angesichts der Datenlage r√ľckten selbst Kinder√§rzte in den USA, wo j√§hrlich mehr als 1,2 Millionen Beschneidungen vorgenommen werden, von dortigen Empfehlungen zur Routinezirkumzision ab. Behauptungen, der sowieso seltene Peniskrebs werde damit verhindert, seien ebenso nicht haltbar wie die Behauptung, Geschlechtskrankheiten w√ľrden dann seltener vorkommen.

Nach Goepels Angaben k√∂nnen mit Kortison-Salben und sanfter Dehnung der Vorhaut 80 bis 90 Prozent der Betroffenen geheilt werden. Der Urologe empfiehlt eine vier- bis sechsw√∂chige Therapie mit 0,05prozentiger Betamethason-Salbe, wovon zweimal t√§glich eine Stecknadelkopf-gro√üe Menge aufgetragen wird. Dazu solle man sich die Salbe in einer Tube f√ľr Augensalbe zubereiten lassen.

Goepel wies auch auf die g√ľnstigen Spontanverl√§ufe hin. H√§tten im Alter von drei Jahren zehn Prozent der Jungen eine Phimose, seien es im Alter von 17 Jahren ohne Therapie weniger als ein Prozent. Goepel r√§t, wenn keine Probleme bestehen, bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr den Spontanverlauf abzuwarten und dann erst mit Salbe zu behandeln. Aber auch f√ľnf- bis sechsj√§hrige Jungen w√ľrde er noch mit Salbe behandeln. Das gelte auch bei zu kurzem Frenulum oder Smegmaretention, was bisher als relative Op-Indikationen angesehen werden.

Absolute Op-Indikationen sind rezidivierende Harnverhalte und Harnwegsinfekte, eine ballonnierende Vorhaut beim Wasserlassen, immer wiederkehrende Infekte der Vorhaut und als Notfall die Paraphimose (durch zur√ľckgezogene enge Vorhaut bedingte ven√∂se Stauung der Glans penis). Kontraindikationen f√ľr die Operation sind konnatale Penisdeviationen, Mikropenis, Hypospadie und die scaphoide Megaurethra.

 

dazu auch folgender Beitrag aus einem Netforum: http://community.netdoktor.at/phorum/read.php?406,508500,509519#msg-509519

 

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