persönliche Gedanken über Prostata-Krebs und Früh-Therapie

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in diesem Artikel beschreibe ich einen Teil meiner persönlichen Erfahrungen mit dem diagnostischen Prozedere bei Prostatakrebs sowie die zusammenrecherchierten Hintergründe über Ursache und Auslöser von Prostatakrebs. Ansprechpartner sind die hochgeschätzten Urologen.

Ga68-PSMA-Pet ist veritable Untersuchung

ich hab vor ca 7 Jahren in BRD – ich glaub in Baden-Baden bei der „Medizinischen Woche“ erstmals in einem Vortrag eines Münchner Radiologen über das PSMA-PET gehört, das kannte damals noch keiner bei uns. Uns wurde damals letztlich v.a. auch die Lu177-PSMA-Therapie gezeigt, mit der man sehr fortgeschrittenen Prostatakrebs doch einigermassen zurückdrängen kann.

Hier so eine PET untersuchung – links die F18-FDG „ZUCKER“ PET, rechts sind zwei PSMA-PET Bilder

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PSMA G68 PET – Bild von http://drozdogan.com/prostat-kanseri/246/prostat-kanseri-tedavisinde-yeni-goruntuleme-yontemi-galyum-68-psma-pet/

 

ketogen ist beim PCa weniger hilfreich

aus diesen Bildern her – wo wir nur geringe Anreicherung von Zucker in der FDG-PET sehen und desswegen eher CHOLIN-PET verwenden hab ich verstanden, wieso ERNÄHRUNG beim Prostatakrebs (PCa) deutlich weniger hilft wie zB beim Brust oder Pankreas-Ca: der Tumor hat keinen so starken Warburg-Stoffwechsel sondern – das zeigt die CHOLIN-PET die wir früher verwendet haben – eher einen Fettsäure-dominierten Stoffwechsel, sodass mit KETOGENER Ernährung beim PCa nur wenig gerissen werden kann.

 

Fall 1 – nur Fusionsbiopsie nach PET bestätigt PCa – normale Stanzung versagt

Kurz nach den Vortrag in BadenBaden war ein Patient bei mir, der steigende PSA-Werte (ca 4) hatte und die Biopsie scheuchte. Ich hab ihm von der PET erzählt und er ist aus eigenem Antrieb nach München gefahren, hat dort im Radiologie-Zentrum den Preis von 1000,- auf 500,- runtergehandelt und hatte einen positiven Tumor-PET-Befund im subvesikalen Anteil der Prostata.

D.h. direkt unterhalb der Blasenwand war der Krebs gelegen, hier in der schematischen Darstellung das Rechteck

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Pfeile: „normale Biopsie“ transrektal, Rechteck: subvesical.
Bild tw abfotografiert von https://www.gesundheitsinformation.de/wie-funktioniert-die-prostata.html

 

Mit diesem PET-Befund ist der Patient nach Wels gefahren und hat dort eine „Fusions-Biopsie“ bekommen (der damalige Uro-Primar war Deutscher und kannte damals schon diese PET sowie eine MR-gesteuerte Roboter-Biopsie)

  • 6 von 6 Proben in diesen subvesikalen Anteil waren Krebs-Positiv.

danach hat der Primar noch „um es der GKK verrechnen zu können“

  • transrektal 20 Proben „regulär“ entnommen, alle 20 Proben waren Krebs-negativ!

Der Patient wurde dann OP, er hatte dann leider bald wieder einen PSA-Anstieg (d.h. der Krebs konnte aufgrund der unglücklichen Lage nicht vollständig entnommen werden), der ganzheitsmedizinisch ausgerichtete Hausarzt Dr. Grabner in St. Georgen hat den Krebs mit einer „italiänischen Enzym-Therapie“ (Citozeatec) wieder zum Stillstand gebracht, ich hab jetzt keinen Kontakt mehr mit dem Patienten und weiss nicht wie es weitergegangen ist, für einige Jahre aber recht gut (post OP PSA von 4 –> 2 zurückgegangen).

 

Fall 2 – nur PET findet den Tumor – nicht die Stanzung

dieser Fall ist ca 5 Jahre aus: ein Manager von weit weg schlägt bei uns auf mit ansteigendem PSA (ca 6). Wir testen ihn mit unserem bioenergetischen Test und meinen, dass er Krebs hat.

Er macht desswegen in schneller Folge (alles innerhalb von 3 Wochen) eine

  • inkonklusive elastographische Untersuchung bei Prof. Frauscher in Igls
  • negative „Stanzungs“-Biopsie bei Prof. Ralf Herwig, damals AKH Wien

Nachdem unser eigener „bioenergetische Test“ bei mehreren Besuchen den Verdacht ergab, dass doch Krebs vorhanden sein könnte und ich ihm Fall 1 erzählt habe, haben wir ihn mit der Bitte um diese Ga68-PSMA-PET nochmals zu Prof. Herwig, AKH geschickt der doch tatsächlich unserem Vorschlag gefolgt ist und diese Diagnostik im AKH machen lies (das war damals total neu in Ö). Tatsächlich war die PET dann positiv und er ist so frühzeitig kurativ operiert worden, ist einige Monate später wieder mit einer Flasche Wein mehrere Stunden zu mir runtergefahren um sich zu bedanken, weil wir durch unser Persistieren – dass hier was sein könnte und die offizielle Diagnostik es noch nicht sieht – die frühzeitige OP ermöglicht haben.

 

Fall 3 – verhunzter Fall mit PSA von 170 nach negativer Stanzung

Adipöser – jetzt ca 70j Mann geht vor 10 Jahren nach Linz zu Primar Loidl und wird mit einem PSA von damals 7 gestanzt: ohne Befund – was soll er tun – „warten“ bescheidet man ihm. Also wartet er.

Vor 3 Jahren schlägt er bei uns zufällig als Begleiter auf und ich mach so nebenbei eine Routine-Blut-US: PSA 170.

Also hat sich in der Wartezeit ein mittlerweile metastasierter Prostatakrebs gebildet. Man gab ihm keine genaue Zeitangabe im sinn von „kommen sie in 2 Jahren wieder“ und er wollte auch kein zweites Mal gestanzt werden, die Prozedur ist recht unangenehm.

„Wieso kommt er erst jetzt?“ – „ja die haben halt gesagt ich soll warten, aber nicht wie lange“.

Das ist eben genau das Problem mit den negativen Biopsien – siehe weiter unten!

 

das heisst für mich jetzt

3 Fälle von Prostatakrebs bei denen BIOPSIE negativ war, bei 2 davon war aber die zeitnah durchgeführte PSMA-PET positiv und hat eine rechtzeitige OP ermöglicht.

Ich sehe daher die PET aus diesem Erfahrungshorizont als genaueres Hilfsmittel um Krebs frühzeitig zu detektieren und dann damit die Patienten möglichst früh OP zu lassen.

 

ich plädiere für möglichst frühzeitige OP

Was mir bis jetzt leider noch nie gelungen ist: die geschätzten Urologen schon bei Verdachtsdiagnose im US oder PET usw zur Früh-OP zu überreden,

  • optimalerweise perioperativ mit Letrozol + Bicalutamid hormonell intermittierend ruhiggestellter Tumor um OP-bedingte Tu-Aussaat zu reduzieren
  • mit einer Post-OP drei-Monats-Therapie mit Immucothel® intracutan (weil dies so verabreicht nicht nur immunologisch gegen Blasen- sondern auch gegen Prostatakrebs wirksam ist. Intrakutan weil hier an die dentritischen Zellen verabreicht viel wirksamer wie die offiziell zugelassene intravesikalen Spülungen).

Und den wichtigen Gleason Score könnte man doch auch aus dem OP-Präparat machen – oder nicht?

 

wieso bei positiver PET ohne Biopsie gleich OP

Weil so könnte man ev. die Biopsie ersparen: denn irgendwie ist es schon komisch dass zu mir immer wieder Patienten kommen, die relativ frühzeitig mit „kleinen Tumoren“ OP werden und dann doch Knochen-Metas haben, bei einem Tumor der wie kein anderer in die Knochen metastasiert!

Und den wichtigen Gleason Score könnte man doch auch aus dem OP-Präparat machen – oder nicht?

Ist denke da zB an die Curuna-Inphung, die hat ja auch keinerlei Nebenwirkungen und wird desswegen sogar den Kindern – die selber schon 1-2x Curuna hatten – aufgedrängt um die schon 4 x ge-inphten und 2 x erkrankten Opas und Omas damit das Leben zu retten. Auch das ist wissenschaftliche Medizin.

 

Was jetzt tun mit einem BIRADS 3-4 Patienten

aktueller Fall: Patient hat in der MR-Untersuchung einen Befund BIRADS 3 – 4

Birads 3: nicht viel los, abwarten

Birads 4: doch sehr auffällig, biopsieren

Der Radiologe kann also nicht unterscheiden ob tatsächlich was los ist.

Bei seinem BIRADS 3-4 mit lokalem Verdichtungs-Herd dränge ich den Patienten zur frühzeitigen OP da nach meiner Meinung nach praktisch absolut sicher ist, dass er den Krebs in den nächsten 20-30 Jahren bekommen wird, weil ja > 90% aller obduzierten Greise Prostatakrebs gehabt haben.

Vor jeder OP fordert jeder Urologe die Stanzung!

Wie ich aber oben an FALL1, FALL2, FALL3 demonstriere ist diese bei weitem keine sichere Diagnostik! 

Theoretisch müsste man den BIRADS 3-4 Patienten – um nicht „Fall 3 oben“ zu erleiden – bis er seinen sicheren Prostatakrebs in den nächsten 20 Jahren bekommt eigentlich jährlich biopsieren um endlich die Indikation für die OP zu bekommen – jedes Jahr 20x transrektal reinstechen, das Organ Infizieren, vernarben?

Ehrlich, ist das die optimale Vorgehensweise?

wieso entwickelt sich Prostatakrebs?

die Hormone Östrogen und DHT lassen die Prostata anschwellen

Morgentaler hat schon vor 15 Jahren gezeigt dass „Low Testosteron“ eigentlich der Auslöser für das PCa ist, je mehr Testosteron deste besser die Prostata. Der „müde und dicke Mann der nur noch vor dem TV sitzt“ – der bekommt den Prostatakrebs. Dieser Mann hat eben nicht mehr genug Testosteron! 

In der Biosynthese-Kette der Hormone wird

DHEA –> Progesteron –> Testosteron –> Östrogen

umgewandelt, und wenn die Umwandlung von Testo –> Östrogen (durch das Enzym Aromatase) erleichtert wird, dann wird der Mann zur Frau! 

Aromatase wird im Alter immer stärker, genauso wie die 5-Alpha-Reduktase die das Testosteron ins DehydroTestosteron (DHT) umwandelt, so bekommen wir im Alter dann die „lieben und freundlichen gemütlichen Herren“.

Aromatase wird v.a. im Bauchfett gebildet und durch Alkohol stark aktiviert! 

Durch Aromatase bekommt der Mann mehr Östrogen auf kosten seines Testosteron welches sinkt, das Östrogen begünstigt die Fett-Speicherung und damit die Östrogen-Produktion –> ein Circulus viciosus!

 

Östrogen steigt beim Mann im Alter

Ich selber bin adipös und konsumiere mehrmals wöchentlich Alkohol mit div. Männerpartien, Feiern, Stammtischen usw –  perfekte Aromatase-Stimulation. 

Ich habe bei mir selber ein Östrogen von 144 pg/ml gemessen wobei 30  pg/ml die Norm für Männer ist – mein Östrogen war aber höher wie das meiner Frau – und natürlich ist mir ein ordentlicher Busen gewachsen!

Seit ich 2 x pro Woche eine halbe Letrozol als Aromatase-Hemmer nehme (mit viel Studien-Hintergrund) ist mein Östrogen bei 30-40, mein Testosteron wieder halbwegs normal und mein PSA von 4 auf 0.6 zurückgegangen.

 

die BPH führt zur lokalen Perfusions-Störung à Krebs

Durch die BPH = gutartige Prostataschwellung ist eigentlich ein Prostatawachstum durch Östrogen im Alter – wird die Durchblutung der Prostata besonders subkapsulär durch den erhöhten Organdruck so eingeschränkt, dass der Warburg-Stoffwechsel und die lokale Gewebsübersäuerung und damit die Krebsentstehung durch den „Hypoxiefaktor“ HIF-alpha1 automatische Folge ist.

 

wieso plädiere ich für frühe OP

weil dies einer der Tumor ist, wo man Ganzheitsmedizinisch ehrlichgesagt wenig erreicht. Der widersteht irgendwie den meinsten Versuchen die nicht hormonell ansetzen. Und rausgeschoben ist oft nicht aufgehoben, eine temporäre Senkung des PSA’s erreichen wir ja meistens in der Praxis, aber ist desswegen schon alles gut? Meine Erfahrung: nein!

Räumt man aber die Prostata jetzt – nämlich im ersten, frühen, präcancerösen – Stadium aus, haben wir

1) das geringste OP-NW-Risiko

2) das geringste Rezidiv-Risiko, weil der Krebs in der Prostata ist ja die Folge der Minderperfusion des Gewebes

Weil im Alter bei den adipösen oder alkohol-konsumierenden Herren die Aromatase deutlich ansteigt und dadurch das Testosteron in Östrogen umgewandelt wird –> desswegen auch die Gynäkomastie und BPH (gutartige Prostataschwellung) die Folge ist.

Entstauen wir die Prostata durch frühzeitiges Hobeln oder frühzeitige Extirpation entsteht dieser Switch in den Krebs mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht.

hohe Krebswahrscheinlichkeit – daher prophylaktische OP

Bei BRCA1-Genetik agieren wir doch auch genauso, hier liegt eine 70% Chance für künftigen Brustkrebs vor und desswegen nehmen wir prophylaktisch die Mastektomie vor.

Bei BIRADS 3-4 ist die Situation doch hinsichtlich zukünftigen Risikos eines Prostatakrebses vergleichbar?

Entstauen der Prostata durch Lebensstil-Veränderungen geht desswegen kaum, weil hier in der Prostata etwas gewachsen ist, das kann nicht einfach verschwinden – ähnlich wie ein Busen bei der Frau nach der Menopause sich nicht einfach auflöst.

Wenn die mal geschwollen ist als BPH, dann bleibt sie das und kann nur mässig durch lokale Anti-Inflammation (Curcumin, Selen, …) und lokale Hormon-Modulation (Brennesselsamen, Sabal-Präparate, Weideröschen-Tee, ….) beeinflusst werden.

 

wo hab ich das alles her?

Die wissenschaftlichen Hintergründe, Studien, Bücher …. dazu hab ich auf mehreren Webseiten zusammengeschrieben.

 

Danke fürs Lesen, liebe Grüsse, Heli Retzek (Ganzheitsmediziner in Vöcklabruck)

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Dr.med. Helmut B Retzek
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