Patienten heute mit seit 30j bestehender chronisch progredienter MS – sie ist leider fortgeschritten immobilisiert im Rollstuhl. Alles hat begonnen 6 Wo nach einer schweren Lebensmittel-Vergiftung.
Ihr aktuelles Lebensmittel-Allergie-Profil (Stufe 3-4 auf praktisch jedes Lebensmittel) zeigt ein hochaktives Leaky Gut, weder Tobias und ich haben jemals so einen schlimmen IgE-Antigen-Test gesehen, es gibt kein Lebensmittel dass bei ihr nicht Entzündungen auslöst!
Keine der bisher durchgeführten intensiven und fachgerechten Neuromodulations-Behandlungen (sie kommt von einer anderen SOZO-Praxis) haben irgendeinen Erfolg gehabt – was aussergewöhnlich ist, wir hatten selber noch nie so einen Fall wo wir nicht zumindestens “ein wenig” Verbesserung bekommen.
Dies alles erinnert mich frappant an eine Studie, die ich vor einigen Monaten gefunden habe und die für mich sehr massgeblich und effektiv eine Darminfektion als potentieller Auslöser der MS beschreibt!
Wie soll das gehen? Darmkeime lösen MS aus??
Die Blutgefässe (Venen) im Darmbereich haben keine Klappen, detto die Lymphgefässe. Es ist leicht vorstellbar dass es im Darm/Wirbelsäulenbereich zu einem retrograden Blutfluss im venösen System aus dem Darm in die Wirbelsäule kommt – zB beim Husten oder Bücken oder sonst irgendwie Druckerhöhung im Bauchbereich. So können Exotoxine oder einfach nur LPS (Lipopolysaccharid) von Bakterien-Membranen – oder vielleicht sogar ganze Bakterien zum Rückenmark werden und dort Inflammation triggern.
Zwillings-Studie – Meilenstein
vor einigen Monaten hab ich eine erstaunliche Studie auf Twitter gelesen:
Untersucht wurden 81 eineiige Zwillingspaare, bei denen jeweils nur ein Zwilling an MS erkrankt war. Dadurch konnten genetische und viele Umweltfaktoren weitgehend kontrolliert werden.
Die Studie
Yoon H, Gerdes LA, Beigel F, et al.
Multiple sclerosis and gut microbiota: Lachnospiraceae from the ileum of MS twins trigger MS-like disease in germfree transgenic mice—An unbiased functional study.
- PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) April 2025 DOI: 10.1073/pnas.2423000122
- verlinkt am Studien-Titel eine Beschreibung aus Max-Planck Institut, hier der link auf OrginalStudie FulltextPDF
Was wurde gemacht?
- 81 eineiige Zwillingspaare, nur ein Zwilling hatte MS.
- Analyse der Stuhlflora.
- Zusätzlich bei vier Zwillingspaaren Entnahme von Ileum-Biopsien (Dünndarm), weil dort die Immunaktivierung stattfindet.
- Übertragung der Darmflora auf keimfreie transgene Mäuse, die für EAE/MS prädisponiert waren.
Das wichtigste Ergebnis
Von über 50 unterschiedlich häufigen Bakterien kristallisierten sich zwei Vertreter der Familie Lachnospiraceae heraus:
- Lachnoclostridium (früher zur Clostridien-Gruppe gezählt)
- Eisenbergiella tayi
Diese waren bei den erkrankten Zwillingen häufiger vertreten und fanden sich auch in den Mäusen wieder, die anschließend eine MS-ähnliche Erkrankung entwickelten.
Warum ist das interessant?
Frühere Studien konnten nur zeigen:
“MS-Patienten haben eine andere Darmflora.”
Diese Arbeit ging einen Schritt weiter:
- genetisch nahezu identische Menschen
- funktioneller Nachweis im Tiermodell
- Identifikation konkreter Kandidaten
Damit ist dies einer der bislang stärksten Hinweise darauf, dass bestimmte Darmbakterien tatsächlich zur Krankheitsentstehung beitragen könnten – auch wenn damit noch keine Kausalität beim Menschen bewiesen ist.
Zur Clostridien-Gruppe
Es war nicht Clostridium perfringens oder ein klassisches Clostridium, sondern Lachnoclostridium, ein Vertreter der Familie Lachnospiraceae, die taxonomisch aus der früheren Clostridien-Gruppe hervorgegangen ist. Zusätzlich wurde Eisenbergiella tayi identifiziert.
Das Versuchsdesign war bemerkenswert:
- 81 eineiige Zwillingspaare, jeweils nur ein Zwilling mit MS.
- Aus dem terminalen Ileum wurden die bakteriellen Gemeinschaften untersucht.
- Anschließend wurden die identifizierten Bakterien in keimfreie transgene Mäuse übertragen, die genetisch für eine EAE/MS prädisponiert waren.
- Die Mäuse entwickelten signifikant häufiger eine EAE (Experimental Autoimmune Encephalomyelitis), wenn sie die Bakterien der MS-Zwillinge erhielten.
Der spannendste Teil kam danach:
Die Autoren isolierten einzelne Kandidaten und fanden schließlich zwei Bakterien als wesentliche Treiber:
- Lachnoclostridium sp.
- Eisenbergiella tayi
Mit diesen Bakterien allein ließ sich die Krankheitsanfälligkeit der Mäuse reproduzieren. Die Tiere entwickelten:
- vermehrte Th17-Zellen
- stärkere Autoimmunität gegen Myelin
- deutlich häufiger eine klinische EAE.
Das ist deshalb so wichtig, weil hier erstmals die Bradford-Hill-Kausalitätskriterien zumindest teilweise erfüllt werden:
- Assoziation beim Menschen
- genetische Kontrolle durch eineiige Zwillinge
- biologischer Mechanismus
- Reproduzierbarkeit im Tiermodell
Damit ist die Evidenz wesentlich stärker als bei den meisten früheren Mikrobiomstudien.
Lachnoclostridium gehört zu den anaeroben Firmicutes (früher Clostridiengruppe). Es wäre daher naheliegend zu untersuchen, ob sich diese Bakterien gezielt beeinflussen lassen – etwa durch Bakteriophagen, spezifische Antibiotika, kompetitive Probiotika oder FMT. Genau diese therapeutische Konsequenz untersucht die Studie allerdings noch nicht; sie liefert vor allem den Nachweis, dass bestimmte Darmkeime nicht nur Begleitphänomene sind, sondern bei geeigneter genetischer Prädisposition Autoimmunität auslösen können.
chronisch progrediente MS ist eine ganz andere Erkrankung als die Schubförmige
zumindestens in der Praxis, denn sie reagiert nicht mehr auf das Coimbra-Protokoll (welches super für die Schubhafte ist) und auch nur sehr schlecht auf Neuromodulation wenn diese am Gehirn durchgeführt wird.
Dazu passt auch dass bei den Schädel-MRTs in der Regel kaum neue Herde bei den CPMS-Patienten gefunden werden obwohl sie immer schlechter werden!
Für mich – Praktiker – ist die chronische progrediente MS – mittlerweile eine reine Wirbelsäulen-Erkrankung geworden.
Und erst seit wir mit Neuromodulation die Wirbelsäule behandeln sehen wir soetwas wie Erfolg und Verbesserungen.
Keinesfalls grossartig, oft hält es auch nicht besonders an – weil unsere regenerativen Massnahmen von der “Progredienz” (dem Fortschreiten) des Erkrankungsprozesses wieder aufgefressen wird.
jedenfalls gibt uns dieses Modell von “bösen Keimen welche die Erkrankung triggern” einen weitere Behandlungs-Einstiegs-Ort.
Jedenfalls – als Aufgabe an uns Praktiker
eine funktionierende Anti-Clostridien-Therapie entwickeln. Tobias Eisenkolb – der HP in meiner Praxis – ist wirklich erstaunlich erfolgreich bei den vielen chronisch fatigue unklaren Patienten die schon jahrelang von einem zum anderen gehen und “normale Befunde” haben und keine wirkliche Verbesserung.
Sein spezieller Urin-Test und dazupassende Mikrobiom-Tests und seine Anwendung einfacher antiviraler oder antibakterieller Strategien wie “Melissen-Tinktur gegen Virus” oder “Oregano-Öl” gegen Clostridien – gepaart mit starken Detox-Massnahmen um die Herxheimer-Reaktionen abzubinden – sind so augenscheinlich erfolgreich bei uns in der Praxis, dass ich selber solche Patienten nicht mehr anrühre sondern sie alle an Tobias weiterreiche. Tobias kommt jetzt übrigens auch nach Wien in unser Brain-Center.
in den nächsten Monaten wird uns Tobias eine funktionierende Darm-Therapie entwickeln
Leider ist Tobias bei uns in Vöcklabruck für heuer schon ausgebucht, in Wien im Brain-Center sind ev. noch Termine bei ihm zu bekommen
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