über „Manipulation durch Homöopathie“

dies ist der Brief an eine Patientin, die sich nicht weiter homöopathisch unterstützen lassen möchte mit dem Argument: möglichst ?eigenverantwortlich“ mit allen Höhen und Tiefen ihren Weg zu gehen, sich nicht durch Homöopathie „manipulieren“ lassen ……

 

Liebe ……,  danke für dein freundliches Fax 

…. einige Sätzelchen darf ich noch zu deinen „Manipulations-Hinweisen“ sagen, ich schreib das gleich so ausführlich weil ich grad einen Vortrag drüber vorbereite:

die Homöopathie kann leider nicht manipulieren, das wäre sehr schön, dann hätte ich mein Leben viel besser im Griff, würde mehr Sport machen, hätte bravere Kinder und eine einfacher zu handhabende Frau usw.

Homöopathische Mittel korrigieren Schwächen der Selbstheilung. Sie entfernen „Heilungshindernisse“, gesund wird man von selber (solange man was zu essen bekommt und in einer freundlichen Umgebung ist).

Damit eine Arznei auch wirklich eine Heilungshindernis dauerhaft entfernt und nicht nur kurzfristig „Energie“ gibt, muss es nicht nur an die körperliche Krankheit angepasst sein, sondern auch den aktuellen Gemütszustand und v.a. dessen krankheitsbedingte Veränderung mitabdecken.

Dies aber nur rein diagnostisch, ohne „Absicht“ einer Veränderung des aktuellen Gemüts-Zustandes – es geht nur drum:

Bei jeder Störung verändert sich im Körper irgendwie auch das innerliche emotionale Bewertungsprogramm. Zusammen mit dem Schnupfen ist man zB gereizt.

So gibt es „gereizte“, „traurige“, „fröhliche“, „gekränkte“, …….. Krankheiten, je nachdem welches emotionale Bewertungsprogramm durch die körperliche Störung mitreagiert und das müssen wir Homöopathen für die Arzneiwahl mitberücksichtigen. Man kann nämlich mit einer „ängstlichen Arznei“ einen „mutigen Patienten“ nicht wirklich heilen. D.h. – die Arzneimittel müssen dem aktuellen Gemütszustand des Patienten  ziemlich ähnlich sein!

Am deutlichsten sieht man das noch bei Kindern bis zum 7-8 Lebensjahr, die noch keine bewusste Kontrolle ihrer Emotionen besitzen. Wenn die erkranken, kommt es oft zu ganz drastischen Verhaltensänderungen. Oft noch deutlich vor Auftreten der ersten KH-Symptome, oft noch wochenlang nachdem die Körperliche Krankheit, der Schnupfen, die Ohrentzündung schon abgeklungen sind. Die Mütter sagen – seit der Angina damals ist sie verändert, ist sie ein ganz anderer Mensch. Später sagen sie „jetzt ist sie wieder die alte“. Nun, dies ist ja keine Manipulation, wenn es emotionell wieder gut geht..

Erwachsene haben gelernt, ihre Emotionen zu kontrollieren: man „bleibt höflich“ auch wenn man jemanden nicht mag, man hält die Contenance, auch wenn man jemanden sehr mag und ihn gerne umarmen würde.

Trotzdem werden natürlich wichtige Entscheidungen im Leben eines Erwachsenen ganz in Abstimmung mit seinen Bewertungsprogrammen durchgeführt, es schlägt nur nicht so unmittelbar und akut durch, wie bei einem kleinen Kind. Und natürlich ist das emotionale Bewertungsprogrammm eines Erwachsenen genauso von einer Krankheit=Störung mitbetroffen und wird besser, wenn die Krankheit verschwindet. 

Nun, wenn „emotionale Probleme“ nur Begleiterscheinungen von körperlichen Krankheiten sind und nach dem auflösen der Körperlichen Krankheit verschwinden, ist eine Therapie welche AUCH, NEBENBEI, UNABSICHTLICH die Emotionalität mit-reinigt keine „Manipulation“ sondern das Wegnehmen von Energieräubern im Körper, sodass auch der Gemütszustand besser flutscht.

Und was dann passieren kann, das hast du ja selber gut erlebt:

nach jeder guten Arznei hast du nicht nur eine Verbesserung deiner Körperlichen Beschwerden wahrgenommen, sondern zufällig grade dann auch endlich längst überfällige Schritte in deinem Leben unternommen: Scheidung, Firmenverkauf, neue Firmen-Gründung, Öffentliche Auftritte ohne Angst, Öffentliches Leben, neue Heirat usw usf.

All das war schon lange, lange, lange in dir drinnen und sehr vieles über Jahre, ja Jahrzehnte überfällig, aber Heilungshindernisse=Störung=Krankheit hat verhindert, dass du in deiner Mitte gewesen bist.

Damit wird aber auch klar, dass eine „Heilung“ von Krankheiten einen Einfluss auf die Emotionalen Programme in uns nimmt, dass man relaxter ist und wenn ich mehr relaxed bin, reagiere ich auch Situations-adäquater.

Weil also der Gemütszustand bei jeder Krankheit mitreagiert (zB gereiztheit bei Knieverletzung) und weil der leichter und differenzierter zu explorieren ist als das Knie verwenden wir Homöopathen meistens in der Anamnese besonders viel Zeit auf der „psychologischen Ebene“.

Dies ist aber nicht in dem Sinn, um diese Psychologie zu verändern, sondern nur diagnostisch, um die Verzerrung durch die Krankheit richtig einschätzen zu können. Übung und die zunehmende Fähigkeit aus dem Sprachmuster auf zugrundeliegende (versteckte) Emotionen zu schliessen sind hier natürlich sehr hilfreich,

Denn – das ist jetzt wichtig – nur, wenn das Homöopathische Mittel gleichzeitig die KNIE-Beschwerden UND die dazugehörenden emotionellen Abweichungen vom völlig gesunden Zustand abdeckt, wird es dauerhaft heilen.

D.h. gibt man ein Mittel das nur „Kniebezug“ hat, ohne den assoziierten Gemütszustand ebenfalls mitzubetrachten in der Arznei-Auswahl, dann wird eigentlich nur ein Teil der Krankheit eliminiert und die Störung kommt unweigerlich wieder, ev. woanders.

Beispiel: Kind hat Angina, bekommt Antibiotikum. Die Mandelentzündung geht weg, das Kind bleibt aber „lästig, gereizt, schläft schlecht, wenig energie, schatten unter den Augen …“. Es ist eigentlich nicht gesund, obwohl die Angina mit dem Medikament weggegangen ist.

Weil es so deutlich ist, dass das Kind nicht ganz gesund ist, wissen wir bereits, dass diese Angina sicher wiederkommen wird, hoffentlich! Denn manchmal kommt nicht die Angina wieder sondern eine andere Krankheit, eine Nierenentzündung, eine Hirnhautentzündung, ….. –> wie kann sowas sein, wenn das Kind ganz gesund ist.

 

Der Nachteil, der echte Schwachpunkt der Homöopathie ist, dass man damit den Körper nicht aktiv in eine Richtung drängen kann, ihn nicht „manipulieren“ kann. Man kann ein Fieber nicht mit Homöopathie senken, das kann nur der Körper selber wenn er wieder gesund wird, 

aber natürlich mit der Gewalt die Chemie, da geht das auch wenn er nicht gesund ist.

 Mit der Homöopathie kann man nur die Immunkraft verbessern bei einem Infekt, und zwar auch nur dann, wenn irgendeine Schwäche der Immunkraft vorhanden ist, denn durch das richtige Mittel kann man diese Schwäche eliminieren.

Dann kann die Immunkraft die Infektion von selber überwinden, so schnell es eben mit optimaler Immunkraft geht, nicht schneller, aus, basta. Mehr ist nicht drin.

Wenn keine Schwäche der Immunkraft vorhanden ist, gibt’s gar nix zu verbessern, dann hat man einfach keine Möglichkeit eine Beschleunigung der Heilung zu bewirken, egal welches Mittel oder wie oft oder wie viel von einem Homöopathischen Mittel man gibt.

Wenn ich es halbwegs verständlich erklären konnte, dann wird klar, dass mit Homöopathie keine „Manipulation“ möglich ist. Man kann nur mehr oder weniger gut die Hindernisse wegräumen, „heil werden“ muss der Körper selber. Und dass dabei die emotionalen Bewertungsprogramme mitreagieren, liegt nicht an der Homöopathie,

das ist gar nicht die bewusste Absicht des Behandlers, sondern das liegt einfach daran, dass sie – die Emotionen – in sich ein Abbild des Körpers sind, mit oder ohne Homöopathie. Und wenn der Körper besser im „Gleichgewicht“ ist, dann sind die Emotionen freier, situations-adäquater, besser, zielgerichteter.

 

So, ich hoffe, ich hab dich nicht zu sehr mit dieser komplizierten Schilderung, diesem versuchten Beweis der Unmöglichkeit der Manipulation des Geistes und Gemütes mit einer Gabe einer Potenz bedrängt. Ich jedenfalls find diese Materie einfach hoch-hoch-aufregend, es begeistert mich, das besser zu verstehen, was ich so täglich mache.

freundliche Grüsse, Heli

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Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische, schulmedizinische und komplementäre Zusatzausbildungen

Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-BeiträgeZahlreiche Artikel und Vorträge

Umfangreiche Recherchen in der aktuellen medizinischen Forschung zum Zweck der Selbst-Weiterbildung und als Gedächtnis-Stütze.  

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