Leitungswasser zur Wundreinigung erhöht Infektionsrate nicht

embradar.msdinfo.at, 16.4.08

Es gibt für die Wundreinigung eine Reihe von Empfehlungen, wobei gewöhnlich Kochsalz verwendet wird, das isoton ist und nicht mit dem normalen Heilungsprozess interferiert. Dass auch Wasser geeignet ist, um Wunden zu reinigen, ist das Ergebnis eines Reviews von Wissenschaftlern der Cochrane Collaboration. Sie verglichen die Wirksamkeit von Wasser mit der anderer Lösungen zur Wundreinigung.

Von 11 Studien verglichen 7 Infektionsraten und Heilungsraten von Wunden, die mit Wasser oder Kochsalz gereinigt wurden, und 3 Studien eine Wundreinigung versus keine Wundreinigung. Eine weitere Studie verglich Procain-Spiritus mit Wasser.

Für chronische Wunden betrug das Risiko für Infektionen bei Reinigung mit Leitungswasser im Vergleich zur normalen Kochsalzlösung 0,16. Doch reduzierte Leitungswasser im Vergleich zu einer Kochsalzlösung die Infektionsrate bei Erwachsenen mit akuten Wunden. Die Wundreinigung mit Leitungswasser bei Kindern mit akuten Wunden war im Vergleich zur Reinigung mit Kochsalz nicht signifikant unterschiedlich. Es ergaben sich auch keine Unterschiede in der Infektionsrate, wenn die Wundreinigung mit Leitungswasser mit dem Unterlassen der Wundreinigung verglichen wurde. Ebenfalls war die Infektionsrate bei der Reinigung von Dammschnitten nicht unterschiedlich, wenn Wasser oder Procain-Spiritus verwendet wurde. Bei offenen Frakturen ergaben sich keine verschiedenen Infektionsraten für die Wundreinigung mit isotoner Kochsalzlösung, destilliertem Wasser oder abgekochten Wasser.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Leitungswasser zur Wundreinigung von akuten nichtinfizierten Wunden Erwachsener die Infektionsrate erhöht, so die Forscher. Im Gegenteil, gerade bei akuten Wunden scheinen Infektionen eher reduziert zu sein. Allerdings gibt es auch nur wenig Beweise dafür, dass die Wundreinigung per se Heilungsraten verbessert und Infektionsraten reduziert. Steht kein trinkbares Leitungswasser zu Verfügung, kann zur Wundreinigung auch abgekochtes und gekühltes Wasser sowie destilliertes Wasser verwendet werden.

Quelle: R Fernandez, R Griffith: Water for wound cleansing. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 1. Art. No.: CD003861. DOI: 10.1002/14651858.CD003861.pub2.

Nachtrag Retzek

Vor Jahren habe ich eine Studie gelesen, die ich nur aus der Erinnerung zitieren kann: ein englisches Hospital hatte WÄHREND 10 Jahren bei Blutabnahmen und Infusionen mittels Einmal-Nadeln auf jede Desinfektion der Haut verzichtet. Es kam zu KEINEM EINZIGEN Fall einer stichbedingten Infektion. Würden diese Erkenntnisse in unseren Spitälern umgesetzt hätten wir Ersparnisse von Millionen € pro Jahr im Gesundheitswesen sowie weniger Allergien.

(Ich persönlich habe eine derartige Allergie auf „Sterilium“, das Standard-Desinfektans im Spital, dass mir nach einer einzigen Anwendung innerhalb von 30 Minuten die Haut der benetzten Finger aufplatzt und ich etwa 3-6 Monate offene Finger habe. Diese Allergie hab ich mir bei exzessivem Waschen während meiner Chirurgie-Famulatur zugezogen und während meiner gesamten Spitals-Zeit offene Finger!). (HR 20. Mai 09)

 

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Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische, schulmedizinische und komplementäre Zusatzausbildungen

Wissenschaftliche Arbeit und Forschungs-BeiträgeZahlreiche Artikel und Vorträge

Umfangreiche Recherchen in der aktuellen medizinischen Forschung zum Zweck der Selbst-Weiterbildung und als Gedächtnis-Stütze.  

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