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Knöchel-Ödeme unter Strophantin

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frage einer Kollegin  Fuss- und Beinoedeme unter Strophanthin- wer kennt das? Reversibel nach absetzen. Irgendwelche Erfahrungen dazu? Danke!

Antwort:

Periphere Fuß- und Beinödeme unter Strophanthin (g-Strophanthin / Ouabain) sind selten, aber real und in der Praxis gut erklärbar. Wichtig: Es handelt sich in der Regel nicht um eine Herzdekompensation, sondern um eine funktionelle, reversible Nebenwirkung, die nach Absetzen rasch verschwindet.

Pathophysiologisch kommen zwei Mechanismen infrage, oft in Mischform:

  1. Leichte renale Natriumretention

Durch die Wirkung auf die Na/K-ATPase im Tubulussystem kann es bei empfindlichen Patienten zu einer diskreten Salz- und Wasserretention kommen. Klinisch zeigt sich das eher durch Gewichtszunahme und Ödeme, die morgens schon vorhanden sind und auf Salzreduktion oder milde Diurese ansprechen.

  1. Endotheliale/vasodilatative Komponente

Strophanthin wirkt auch am Endothel. Das kann zu venösem Pooling und leichter Kapillarleckage führen – typisch sind abends zunehmende Knöchelödeme, kaum Gewichtszunahme, warme Beine, wenig Effekt von Diuretika, aber gute Besserung durch Hochlagern. Herz und Lunge bleiben unauffällig.

Entscheidend ist: Der kardiale Effekt kann gut sein, die Ödeme sind davon entkoppelt.

Therapeutisch heißt das nicht unbedingt „Strophanthin weg“, sondern:

  • niedrigste wirksame Dosis – wir geben in der Praxis zB die Tinktur 1:10 verdünnt 2 x 15 Tropfen und es wirkt am Herz ausreichend
  • ggf. fraktionierte oder sublinguale Gabe (im Mund behalten, alle Stunde 2 Tropfen …)
  • Salzdisziplin, Magnesium/Kalium im Blick –> wie gesagt, der gute Wirkeffekt führt zu einer Salz-Rückresorbtion die dann die Ödeme auslöst. Weniger Salz weniger Ödeme.
  • Pausenregime (z. B. 5 Tage on, 2 Tage off) – Strophantin wirkt am Herz über Tage. Mein Lehrer Romed Recheis hat mir erzählt dass sie in den 60 Jahren Herzkranken 1 x pro Jahr 1 Woche lang täglich Strophantin gespritzt haben und die dann 1 Jahr gut waren.
  • bei endothelialem Muster Hochlagern, leichte Kompression, Endothel-Support mit zB Rosskastanie oder Biozitronen-Smoothie

Nach Absetzen oder Dosisanpassung sind diese Ödeme vollständig reversibel.

Zu Crataegus: Ein ähnliches Phänomen ist möglich, aber deutlich seltener und milder. weil Crataegus nur positiv inotrop wirkt aber nicht auf die Na/K-ATPase.

Wenn unter Crataegus Ödeme auftreten, dann meist rein vasodilatativ bei entsprechender Prädisposition (venöse Insuffizienz), nicht renal.

Kurz gesagt:

Ödeme unter Strophanthin sind eine funktionelle Regulationsfrage – zuviel Salzresorbtion, keine Toxizität und kein Herzversagen – und lassen sich in den meisten Fällen gut steuern, ohne auf den kardialen Nutzen verzichten zu müssen.

 

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