Paracetamol könnte Impferfolg beeinträchtigen

im Lancet publiziert!!!! gefunden im http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/38553/Paracetamol_koennte_Impferfolg_beeintraechtigen.htm am 29. Oktober 09

Hradec Kralove ‚Äď Die Gabe von Paracetamol kann zwar den Temperaturanstieg mildern, zu dem es nach einer Impfung von Kindern h√§ufig kommt. Nach einer im Lancet (2009; 374: 1339-50) publizierten Studie schw√§cht das Antipyretikum jedoch gleichzeitig die Antik√∂rperantwort, was auf eine verminderte Schutzwirkung der Impfung hinweisen k√∂nnte.

Die vorsorgliche Gabe von Paracetamol ist in einigen L√§ndern nicht nur weit verbreitet, in Australien und Nordamerika (in den USA nur bei Kindern mit erh√∂htem Risiko auf Fieberkr√§mpfe) wird sie sogar empfohlen, auch wenn die Evidenz, dass dadurch die von den Eltern bef√ľrchteten Fieberkr√§mpfe bei den Kindern vermieden werden, gering ist, wie Roman Prymula von der Universit√§t der tschechischen Streitkr√§fte in Hradec Kralove, dem fr√ľheren K√∂nigsgr√§tz, und Mitarbeiter berichten.

Ein Gegentand der randomisierten (allerdings nicht verblindeten) Studie war deshalb der Einfluss einer prophylaktischen Paracetamolgabe auf die Fieberreaktion nach den im Kindesalter √ľblichen Impfungen. Kinder aus zehn Zentren der Tschechischen Republik erhielten per Zufallsverfahren entweder alle 6¬†bis 8¬†Stunden innerhalb der ersten 24¬†Stunden nach der Impfung drei vorbeugende Paracetamol-Gaben (226¬†Kinder) oder kein Paracetamol (233¬†Kinder).

Tats√§chlich konnte die Zahl der Kinder, die Temperaturen von 38¬į¬†Celsius oder h√∂her entwickelten, von 66 Prozent in der Kontrollgruppe auf 42 Prozent gesenkt werden. √Ąhnliche Ergebnisse wurden nach den Auffrischungsimpfungen beobachtet (58 vs. 36¬†Prozent).

Die Studie zeigte aber auch, dass Paracetamol die Antikörperreaktion auf die Impfung verminderte. Die geometrischen Mittelwerte der Antikörper-Konzentrationen (GMCs) lagen in der Paracetamol-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe.

Dies galt f√ľr die Antik√∂rper gegen Pneumokokken-Serotypen, Haemophilus influenzae¬†Typ¬†B, Diphtherie und Tetanus-Toxoide, wie auch f√ľr einen Keuchhusten-Antik√∂rper. Auch nach den Auffrischungsimpfungen fanden sich die niedrigeren Antik√∂rper-GMCs bez√ľglich der Tetanus-Toxoide und der meisten Pneumokokken-Serotypen in der Paracetamol-Gruppe.

Prymula und Mitarbeiter empfehlen deshalb, Kindern vor einer Impfung keine fiebersenkenden Mittel zu verabreichen. Argumente hierf√ľr lieferte auch eine Literaturrecherche, bei der Prymula zehn weitere Studien fand, in denen sich Paracetamol st√∂rend auf die Immunreaktionen auswirkte. Der Einfluss war dabei am st√§rksten, wenn das Antipyretikum prophylaktisch gegeben wurde. Wurde das Medikament dagegen nur therapeutisch eingesetzt, wenn Fieber und entsprechende entz√ľndliche Signale bereits eingesetzt hatten, war der Effekt (wenn √ľberhaupt vorhanden) schw√§cher.

Doch in welchem Maße die verminderte Antikörperreaktion den Impferfolg beeinträchtigt, lässt sich schwer abschätzen. Der Kommentator Robert Chen von den Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta vermutet, dass der Einfluss gering ist (Lancet 2009; 374: 1305-1306). Schließlich sind die meisten Impfungen erfolgreich.

Eine kritische Situation könnte bei den Impfungen gegen Haemophilus influenzae und Pneumokokken bestehen, da hier höhere und nachhaltigere Antikörperkonzentrationen notwendig sind, um einen Träger-Status der Geimpften zu unterbrechen und Übertragungen in der Bevölkerung zu verringern. © rme/aerzteblatt.de

LINK auf Lancet-Studie

 

Kommentar Retzek:¬† ausserordentlich Interessant ist der Hinweis, dass Antipyretika-Gaben (Fiebersenker) die normale Arbeit des Immunsystems st√∂ren, da wir dies st√§ndig in der Praxis beobachten k√∂nnen: unkritischer Einsatz von Fiebermitteln bedingen, dass ein INFEKT nicht zur erw√ľnschten Immunit√§t f√ľhrt und dann nach einigen Wochen erneut durchgemacht wird bzw. werden muss. Daher stehen wir dem Einsatz von Fiebermitteln bei m√§ssigem Fieber < 40 Grad sehr kritisch gegen√ľber!
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