„Verschlechtert durch Hochpotenz C200“ 

Patientin war vor 2 jahren hier, schreibt mir nun eine sehr freundliche Mail mit Warnung über Hochpotenz. Sie sei durch eine Dosis einer C200 in einen fast 1.5 Jahre dauernde Krise verfallen und nur durch eine gute Psychotherapie wieder genesen. Sie möchte ungedingt warnen vor „Hochpotenzen“.

 

Antwort Retzek

Liebe XY,

 danke für die Mitteilung, ich freue mich ausserordentlich, dass es ihnen gut geht! ich kann mich sehr gut erinnern, sie waren ja in einem schrecklichen Zustand – schon viele Monate, konnten nicht mehr arbeiten, wollten sich verändern und haben schlimme körperliche Beschwerden gehabt. 

Von „Hochpotenzen“ weiss ich leider nichts, vielleicht haben sie noch andere Homöopathen konsultiert, sie haben damals eine „milde Potenz“, nämlich XY 200 bekommen, ein „Einsteiger-Mittel“ sozusagen, gut für „psychosomatische Patienten“.

In meinem Job erlebt man ja mit der Zeit vieles – auch merkwürdiges 

  • eine Frau hat mich konsultiert nachdem sie „seit 5 Jahren – durch Einnahme einer Blutdruck-Tablette – ihr Zimmer nicht mehr verlassen konnte weil es ihr seither sooo schlecht geht“. Ich gab ihr eine Tablette Schüsslersalz, daraufhin hat sie mir 3 Jahre lang bittere Briefe geschrieben, dass ich sie versaut hätte und ihr leben nun zerstört wäre.
  • Eine andere Patientin hat das Mittel in der Potenz C30 nie eingenommen, sondern nur 1 Nacht daneben geschlafen. Sie berichtete von 6 Monaten „ärgsten Arzneimittel-Reaktionen“, die nun endlich zuende wären.
  • Eine weitere Patientin hat nie ein Mittel bekommen.  Ich (Retzek) „habe das Problem verstanden aber kenne keine Arznei dafür“, sie hatte in der Folge als Reaktion 1 Monat lang heftige „Erstverschlechterungen“ auf das Gespräch.
  • eine Patientin und ihre Schwester bekam von mir vor Jahren einen Hinweis, den ich erst am Vorabend von einem Kollegen aus Deutschland erfahren hatte: „es gibt etwas gegen diesen Hirntumor (Glioblastom): Weihrauch – ich kenne die Dosierungen noch nicht, bitte recherchieren sie es selber“. 
    1 Monat später kamen bitterböse Anklagen der Schwestern „sie hätte nun den Professor in Berlin angerufen, der meinte, dass Weihrauch in der aktuell eingenommenen Dosierung nicht hilft, ev. sogar verschlechtert“ – und „ich (Retzek) sei nun schuld, dass der Hirntumor weiter gewachsen sein“. Ich war damals noch frischer und habe sogar mehrseitige genaue Ablauf-Schilderungen geschickt um „zu beweisen“, dass ich selber keinen Fehler gemacht hätte, dass ich aber verstünde, dass man nur so mit Schicksals-Schlägen umginge.

Nur so eine kleine Auswahl von den fantastischen Reaktionen auf Arzneien oder auf „nichts“, immer verbunden mit Anklagen und Beschwerden, dass „diese Behandlung“ sie verschlechtert haben.

Ich habe lange gegrübelt und gebraucht diese „Merkwürdigkeiten“ – alles was man so erlebt – zu verstehen. 

Letztlich habe ich es begriffen:

Das sind letztlich alles „ganz normale“ Wege, wie die Seele und der Verstand mit einem „schlechten Zustand“ umgeht: es wird eine Ursache erdacht, gefunden und alles Unglück dahinein projeziert.

Auch wichtig zu verstehen – Erinnerungen täuschen

das Gedächtnis ist ein Kind des Gefühles. Die Bücher von Manfred Spitzer sind erhellend in der Erkenntnis, dass die Vergangenheit je nach aktuellem Gefühl oder jetzt aktuell Erlebtem völlig neu-interpretiert und neu-aufgebaut wird:

zB Zeugen eines Kapitalverbrechens geben ein Monat später eine völlig gegenteilige Aussage zu ihrer Ursprünglichen. In den Shows der Mentalisten wird genau dies benutzt: Manipulation von Gedächtnis und Wahrnehmung durch unterschwellige Reize, sodass die getesteten Personen meinen, man könnte ihre Gedanken lesen, da der Mentalist genau vorbestimmt, welche Aussage oder welche Wahl der getestete machen wird.

So – erkläre ich mir – geschieht es, dass – gottseidank sehr selten, aber leider doch – Patienten ihre Situation im nachhinein umdeuten, neue Verantwortlichkeiten und Schuldigkeiten verteilen und dann klar verstehen „dass ihr Leben seit dieser Potenz verschlechtert ist“.

Wenn dies tatsächlich so ist, darf man in meiner Position nicht klagen, nicht wehleidig sein hinsichtlich Ungerechtigkeiten oder anderen Missverständnissen – wer die Hitze nicht aushält soll das Feuer meiden, d.h. – dies wird also immer teil meines Jobs sein.

Systemisch gesehen gebe ich noch zu bedenken: Patienten, die sich „durch mich“ schlecht behandelt oder nicht gewürdigt, in ihrem Leiden nicht gewertschätzt oder falsch interpretiert wahrnehmen, haben in manchmal genau diese Schiene mit ihrem Vater im laufen: er ist „schuld“ dass es in ihrem Leben nicht so läuft wie sie es sich wünschen würden. 

Auch dies ist eine „übertragungs-Kiste“ die ich erst nach langem Überlegen und einigen Fällen begriffen habe. Es lässt mich ja nicht kalt, wenn ein Patient, dem man über Stunden in seine Krankengeschichte gefolgt ist und versucht hat einen Sinn darin zu finden, plötzlich anklagt, gerade wenn man gemeint hat, es wirklich zu begreifen, wirklich zu verstehen, sich dadurch dem Patienten auch „nahe“ gefühlt hat, ev. auch begeistert oder fasziniert ob der „Tiefe“ der „Dynamik“ die hier tätig ist.

Ich gebe auch zu bedenken: ihnen hat die Psychotherapie nach 1.5 Jahre geholfen, wie sie geschrieben haben „seit letzter Woche gehts wieder gut“. Bei „mir“ muss die Behandlung nach einer Sitzung das gewünschte Ergebnis bringen, also nach 2 Stunden. Oft gelingt das auch, den Psychotherapeuten zeigen sie mir noch, mit dieser Konversions-Rate.

Weiters habe ich auch folgender Umstand oft gesehen:

In der Medizin erlebt man bei fast jedem Therapeuten, der einen Patienten von einem anderen Therapeuten übernimmt folgendes Szenario:

  • „um gottes willen, das ist ja verrückt, der hat sie ja versaut“
  • „entsetzlich, ich habe das schon öfters gesehen, das ist ja logisch, eine klare Folge der ….. Therapie“
  • „jessas maria, au weh, na das ist typisch“
  • „wie sind sie den an die/den geraten?“

Wir Therapeuten können so ganz leicht Anbindung schaffen, den Klienten „an uns binden“ indem wir erklären, dass sein Unglück schuld des letzten Therapeuten ist und man selber die Lösung versteht.

Lässt sich in den Anamnesen fast immer wieder rausarbeiten, wird auch ganz typisch von Schulmedizinern und ehemaligen Hausfrauen, die nach langwierigem emotionalen Leiden „zu sich gefunden haben“ und nun endlich Therapeuten geworden sind angewendet

Der Patient wird das dankbar annehmen, da er jetzt den schuldigen weiss und nur mehr gegen „die Versauung“ ankämpfen muss und er auch endlich jemanden gefunden hat, der dies versteht und ihn unterstützt.

Nun, wenn die selber angewandte Therapie nicht greift wird oft folgender Sager verwendet: „… leider, sie sind von dem / von der Massnahme (zB Hochpotenz) ja so versaut, da kann man jetzt nichts machen …“ ein hilfreicher Spruch.

Von Hochpotenzen versaut 

Von Hochpotenzen versaut, ja, das kenne ich. Body-Talk Tanten in unserer Gegend geben die 10.000  stündlich über Monate, Astrologen in München und in Wels geben die 100.000 Potenz mehrmals täglich über Wochen und Monate. Kinesiologen arbeiten erne mit hochpotenz-Reihen, Homöotoxokologen geben „Homaccorde“ mit vielfach täglicher Wiederholung.

Da gibts dann schon mal ernste Reaktionen.

Durch Nieder-Potenz verstorben

Leider gibt es auch so einen Fall einer Eigentherapie durch Arsenicum D6 durch eine Wiener Frau, die mit allen Zeichen einer Arsenvergiftung gestorben ist, ohne jedes Arsen in ihrem Körper. Der Fall hat den bekannten Gerichtsmediziner Prof. Christian Reiter zur Homöopathie konvertieren lassen, es gibt von ihm einen Artikel (zusammen mit dem hervorragenden Homöopathen Christoph Abermann) über diesen Fall.

Also – auch Niederpotenzen sind gefährlichf

von den oben beschriebenen „durch massive Hochpotenzen – Gaben“ beeinträchtigten, ja, da habe ich sicher 20 Patienten von diversenen „Magierinnen“, Body-Talkerinnen, Astrologen usw. behandelt, die in merkwürdigen Zuständen – meist Angst- und Panik-Störungen – waren.

Selber habe ich auch 2 Patienten mit einer 10.000 in eine mehrwöchige Verschlechterung gejagt – immer „psychosomatische“ Patienten, die leiden besonders intensiv an ihren Zuständen und benötigen besondere Aufmerksamkeit, die in einer „normalen Praxis“ tatsächlich kaum aufgebracht werden kann, da hier einfach längere Termin-Bestellzeiten sind.

Wenn Sie die eine – die erste sind – die von einer 2o0er Potenz in eine mehrjährige Krise gerissen wird, ist dies beeindruckend!  

Dass es psychosomatischen Patienten nicht gleich gut geht, das kann jeder Psychotherapeut an 95% seiner Patienten bestätigen, dies ist an sich ein völlig normaler Therapie-Verlauf.

Dass es ihnen durch diese 3 Kugerl einer „mittleren Potenz“ so lange schlecht ging ist sehr bedauerlich, das tut mir wirklich sehr leid.

Bedauerlich, aber sehr beeindruckend – denn wir haben in 99.999 % aller Fälle das Problem der „Nicht-Reaktion“ auf Arzneimittel, wenn sie nicht perfekt passen; sonst hätten wir wohl kaum das Problem mit Anerkennung und Akzeptanz der Homöopathie. Wenn sie sogar mehrere Leute kennen: bitte unbedingt ein Buch drüber schreiben bzw. interview oder einen TV-Bericht initiieren. Dies könnte der Homöopathie – die ja schrecklich „verfolgt wird“ – einen unglaublich wertvollen Dienst erweisen!

Ich hoffe, dass sie die einzige bleiben und wünsche ihnen wirklich alles liebe und alles gute!

   liebe Grüsse

         Dr. Retzek

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Arzt für Allgemeinmedizin, multiple präventivmedizinische, schulmedizinische und komplementäre ZusatzausbildungenWissenschaftliche Arbeit und Forschungs-BeiträgeZahlreiche Artikel und VorträgeUmfangreiche Recherchen in der aktuellen medizinischen Forschung zum Zweck der Selbst-Weiterbildung und als Gedächtnis-Stütze.   Mässige Legasthenie, daher Rechtschreib- und Beistrichfehler, bitte nicht kommentieren, wer es nicht aushält bitte einfach nicht lesen - Dr. Retzek's Youtube - Kanal mit Testimonials usw. - neue Einträge abonnieren --> im Footer der Seite [toggle title="Ärztekammer Disclaimer"] Ärztekammmer Disclaimer die Oberösterreichische Ärztekammer moniert weite Teile diese Website als "aufdringlich, marktschreierisch und beim Laien den Eindruck medizinischer Exklusivität erweckend". Dies ist keinesfalls beabsichtigt, die Website ist ein absichtsloses Weiterbildungsmedium von Dr. Retzek, der seine wissenschaftlichen Pubmed-Recherchen hier mit ärztlichen Kollegen unentgeltlich teilt, wofür Dr. Retzek von vielen Kollegen aus dem In- und Ausland regelmässig Anerkennung ausgesprochen bekommt. Dass Wissenschaftsrecherchen und Studien "das Standesansehen der Ärzte" verletzen könnte, war Dr. Retzek nicht bewusst, er bedauert dies zutiefst und entschuldigt sich bei den betroffenen Kollegen. [/toggle] 

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