wichtige X-Post von Ralf Wittenbring – über einen Antikörper zur Reduktion von Plasmazellen
Wurde das richtige Medikament gegen ME/CFS gefunden? Daratumumab in einer Pilotstudie
Stellen Sie sich vor, Sie leiden unter ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Erschöpfungssyndrom), einer Erkrankung, die extreme Müdigkeit und Erschöpfung verursacht, oft nach Infektionen wie COVID-19. Viele Betroffene können kaum noch ihren Alltag meistern. Nun gibt es eine kleine Studie, die Hoffnung macht: Das Medikament Daratumumab, das normalerweise bei Krebs eingesetzt wird, könnte bei einigen Patienten die Symptome stark verbessern. Aber Vorsicht, es ist nur eine Pilotstudie – also noch keine endgültigen Beweise.
Der Thread auf X von Ralf Wittenbrink (@RWittenbrink) fasst das gut zusammen. Er basiert auf einem Blog-Beitrag von Cort Johnson und der eigentlichen Studie. Ich habe daraus eine Übersicht gemacht, mit Erklärungen für Laien, aber auch genug Details für Ärzte. Lassen Sie uns Schritt für Schritt durchgehen.
Das Problem mit den B-Zellen bei ME/CFS und Long COVID
In Studien zu ME/CFS (chronisches Erschöpfungssyndrom) wurden gestresste B-Zellen (eine Art Immunzellen, die Antikörper produzieren) gefunden. Diese Zellen haben zu wenig Energie für normale Arbeit, oder sie sind unreif und wachsen nicht richtig. Manchmal sind sie überaktiv, als ob sie durch Infektionen ständig angeregt werden.
Bei Long COVID (lange anhaltende Symptome nach COVID-19) zeigen erhöhte Werte von aktivierten B-Zellen und Plasmablasten (Zellen, die Antikörper herstellen), dass das Immunsystem aus dem Tritt geraten ist. Diese B-Zellen produzieren IgG (Immunglobuline G, die gängigsten Antikörper). Und hier wird’s interessant:
Wenn man IgG von ME/CFS-Patienten in Labortests oder an Mäuse gibt, verursacht es Probleme wie geschädigte Mitochondrien (Energiekraftwerke der Zellen), verletzte Endothelzellen (Zellen in den Blutgefäßen) oder Schmerzen und Schwäche.
Das deutet auf Autoantikörper hin – Antikörper, die den eigenen Körper angreifen. Deshalb haben Forscher versucht, diese schädlichen B-Zellen zu entfernen, z.B. mit Medikamenten wie Rituximab oder Cyclophosphamid, oder Verfahren wie Immunadsorption (Filtern von Antikörpern aus dem Blut).
Mehr dazu im X-Post von Prof. Carmen Scheibenbogen: Studienzusammenfassung von Prof. Scheibenbogen.
Die Pilotstudie zu Daratumumab
Die Studie heißt „Plasmazell-Targeting mit dem Anti-CD38-Antikörper Daratumumab bei myalgischer Enzephalomyelitis/chronischem Erschöpfungssyndrom – eine klinische Pilotstudie“. Ziel war es, B-Zellen zu zerstören, die Autoantikörper produzieren. Das soll den Blutfluss verbessern, Sauerstoffmangel (Hypoxie) reduzieren und Symptome lindern.
Diese B-Zellen können jahrelang im Knochenmark oder Darm überleben, daher hofften die Forscher auf langfristige Effekte. Es nahmen 10 weibliche Patientinnen teil. Sie bekamen 4 x Injektionen von Daratumumab (1800 mg) in den Wochen 0, 2, 4 und 6. Die letzten vier bekamen zusätzlich Erhaltungsdosen in Woche 14, 22 und 30.
Vor den Injektionen gab’s Medikamente gegen Nebenwirkungen: Dexamethason (ein Kortison), Cetirizin (gegen Allergien), Paracetamol (Schmerzmittel) und Montelukast (gegen Entzündungen). Die Patientinnen wurden 12 bis 24 Monate beobachtet.
Die vollständige Studie finden Sie hier: Fluge et al. (2025) Frontiers in Medicine.
Auch der Vortrag von Prof. Øystein Fluge ist sehenswert: Biological treatment strategies (mit englischen Untertiteln), geteilt von @Sissel777 auf X: Post von Sissel Sunde.
Ergebnisse: Beeindruckend, aber nicht für alle
Bei sechs von zehn Patientinnen gab’s eine deutliche Verbesserung. Ihr SF-36-Wert für körperliche Funktionsfähigkeit (ein Fragebogen zur Lebensqualität) stieg von 32 auf 78 – von stark eingeschränktem Alltag zu fast normal.
Am Ende hatten fünf sogar Werte um 88, also kaum Einschränkungen. Sie schafften über 10.000 Schritte am Tag!
Die Besserung setzte nach 6-8 Wochen ein und hielt an. Bei den anderen vier änderte sich nichts.
Biologisch: Bei den Verbesserten sank der IgG-Spiegel (Antikörper im Blut) um 54%, besonders IgG4 (eine Unterklasse) um 65%.
Bei den Nicht-Verbesserten nur um 40% bzw. 29%.

Hier eine Grafik aus der Studie, die den Verlauf zeigt:

Und eine weitere zur Schrittzahl:

Mehr Grafiken im Thread: Gesamter Thread von Ralf Wittenbrink.
Ein weiterer Post von Prof. Scheibenbogen: Vortrag zu Daratumumab-Pilotstudie.
Was bedeutet das? Und nächste Schritte
Daratumumab wird meist bei Krebs (wie Multiples Myelom) verwendet, aber Fallberichte zeigen Erfolge bei Autoimmunerkrankungen. Die Forscher starten nun Tests mit niedrigeren Dosen bei Long-COVID-Patienten mit höheren NK-Zellen (natürliche Killerzellen, Teil des Immunsystems).
Aber: Es ist eine kleine offene Studie ohne Placebo-Kontrolle. Die Autoren sagen selbst: Keine endgültigen Schlüsse ziehen, bis eine randomisierte Studie kommt. Sie planen eine mit 66 Patienten, inklusive Long-COVID-Fällen, die ME/CFS-Kriterien erfüllen.
Das klingt vielversprechend für integrativmedizinische Ansätze – also ergänzend zur Schulmedizin, vielleicht off-label. Aber immer mit Arzt besprechen, Risiken abwägen!
Referenzen und weitere Links
Fluge et al. (2025) Frontiers in Medicine (Link zur Studie)
Cort Johnson (2025) Health Rising Blog (Link zum Blog-Beitrag)
mögliche Laborwerte als Einschlusskriterien
Aus der Pilotstudie zu Daratumumab bei ME/CFS lassen sich einige Laborwerte und Biomarker ableiten, die als potenzielle Einschlusskriterien für zukünftige Studien oder off-label Anwendungen dienen könnten.
Die Studie ist klein (n=10), offen und ohne Placebo-Kontrolle, daher sind diese Ableitungen vorläufig und evidenzbasiert auf Korrelationen mit der klinischen Response.
Ich fokussiere mich auf NK-Zellen, IgG-Werte, IgG-Subklassen und Autoantikörper, wie in Ihrer Frage erwähnt.
Spezifische Autoantikörper wie GPCR-Autoantikörper (z. B. gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren) werden in der Studie nicht explizit getestet oder als Kriterium genannt, aber das allgemeine Screening auf Autoantikörper ist relevant.
Die Studie schlägt indirekt vor, dass Patienten mit höheren baseline NK-Zell-Werten eher ansprechen könnten, während niedrige Werte mit fehlender Response korrelieren. IgG-Reduktion (besonders IgG4) ist stärker bei Responders, was auf eine Rolle pathogener Antikörper hinweist.
NK-Zellen als potenzieller Predictor
Die Studie zeigt eine signifikante Korrelation zwischen baseline NK-Zell-Zahlen (CD16/56-positiv) und klinischer Besserung.
Responder hatten einen mean baseline-Wert von 238 × 10^6/L (Range 136–383), Non-Responder nur 97 × 10^6/L (Range 80–115). Die Korrelation mit dem maximalen Anstieg im SF-36 Physical Function Score beträgt Spearman’s rho 0.77 (p=0.012).
Nach Daratumumab sinken NK-Zellen stark (unter oder nahe dem unteren Normalbereich von 59–533 × 10^6/L), mit langsamer Erholung nach 5–9 Monaten.
Die Autoren diskutieren, dass niedrige baseline NK-Zellen ein Marker für fehlende Response sein könnten, und planen Folgestudien mit Patienten, die höhere NK-Zell-Werte haben (z. B. bei Long-COVID-ME/CFS).
Vorschlag für Einschlusskriterium: Patienten mit NK-Zell-Zahlen >150 × 10^6/L, um die Wahrscheinlichkeit einer Response zu erhöhen. Das könnte kausal mit einer intakten Immunüberwachung zusammenhängen, die pathogene B-Zellen besser kontrolliert.
3. IgG-Werte und Subklassen
Baseline serum IgG lag bei mean 9.9 g/L (Range 6.8–13.2 g/L), was im Normalbereich ist. Die maximale relative Reduktion unter Therapie betrug 48% (Range 22–62%), stärker bei Responders (54%) als Non-Responders (40%). Nach 5 Monaten mean 5.5 g/L, dann Anstieg.
Bei Subklassen: IgG1-Reduktion mean 44% (50% Responder, 34% Non-Responder). Besonders auffällig IgG4: Reduktion 60% overall (65% Responder, 29% Non-Responder). Das deutet darauf hin, dass eine stärkere Depletion von IgG4-produzierenden Plasmazellen mit Besserung assoziiert ist.
Vorschlag für Einschlusskriterium: Normale oder leicht erhöhte baseline IgG-Werte (z. B. >8 g/L), mit Fokus auf IgG4-Subklasse >0.5 g/L, da die Reduktion hier am stärksten korreliert. Erhöhte IgG insgesamt könnten auf chronische B-Zell-Aktivierung hinweisen, was die Studie als Ziel ansieht.
4. Autoantikörper und Screening
Die Studie screente auf gängige Autoantikörper: Bei 8/10 Patienten keine positiven Befunde. Eine hatte positive anti-TPO (Thyroid-Peroxidase-Antikörper, mit normaler Schilddrüsenfunktion), eine positive ANA (antinukleäre Antikörper), anti-CCP IgG und ribosomal P IgG. Schützende Antikörper (z. B. gegen Diphtherie, Tetanus, SARS-CoV-2) blieben stabil.
Spezifische ME/CFS-assoziierte Autoantikörper wie gegen GPCR (z. B. Muskarin- oder Beta-adrenerge Rezeptoren) werden nicht getestet. Die Hypothese der Studie basiert jedoch auf pathogenen Autoantikörpern aus B-Zellen, die den Blutfluss und Endothel beeinträchtigen.
Vorschlag für Einschlusskriterium: Negatives Screening auf klassische Autoimmunmarker (z. B. ANA <1:160, anti-TPO <35 IU/ml), um andere Erkrankungen auszuschließen, aber positive Hinweise auf ME/CFS-spezifische Autoantikörper (z. B. via kommerzielle Tests für GPCR-AK) könnten hinzugezogen werden, da die Studie auf Antikörper-induzierte Pathologie abzielt. In der Diskussion wird auf IgG-Transfer-Studien verwiesen, die Schäden durch ME/CFS-IgG zeigen.
5. Weitere Patientenmerkmale und Implikationen
Alle Patienten waren weiblich, mean Alter 38 Jahre, Krankheitsdauer 12 Jahre, mit definiertem Onset (meist post-infektiös). Keine Long-COVID-Fälle. Responder zeigten starke Besserung in SF-36 und DSQ-SF, mit >10.000 Schritten/Tag.
für wen könnte also das sauteure Medikament sinnvoll sein:
Patienten mit baseline NK-Zellen >200 × 10^6/L und IgG-Reduktionspotenzial als Kriterien, um off-label Daratumumab zu prüfen.
Aber: Nur Pilotdaten, randomisierte Studie mit 66 Patienten geplant.
Referenz: Fluge (2025) Front Med https://www.frontiersin.org/journals/medicine/articles/10.3389/fmed.2025.1607353/full
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