dies ist eine meiner fr√ľhen Krebskasuistiken, die v.a. wegen der Arznei beeindrucken.

 

Kasuistik √ľber Pankreas-Carcinom & Mamma Carcinom

BELLIS-PERENNIS

 

Publiziert in der HI√Ė XY, Heft 1 2003, Seite ..

 

 

 

Lang ist der Weg durch Lehren,

kurz und wirksam durch Beispiele.

(Lucius Annaeus Seneca)

Der Weg zum Erfolg ist mit fremden Mißerfolgen gepflastert.

(Zarko Petan)

 

 

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Der vorgestellte Fall ist eigentlich nach keinem der sonst √ľblichen Kriterien “ publikabel“ : das Outcome ist ungewiss, die “ Nachbeobachtung“ nicht existent, es wurden viele Arznei im Verlauf der Behandlung verabreicht. Trotzdem war die Wirkung einer Arznei so spektakul√§r und “ richtungsweisend“ , dass ich den Fall f√ľr dieses Compositae-Schwerpunktheft skizzieren m√∂chte[1].

Schicht f√ľr Schicht enth√ľllte sich hierbei der Kern der Patientin, anfangs wurden von mir nur die “ Kompensationen“ behandelt. Wie oft in meinen schweren und fortgeschrittenen F√§llen war ich hinsichtlich der Arzneiwahl unsicher, aber – das ist das fantastische an unserer Hom√∂opathie – es kommen selbst derartige F√§lle fr√ľher oder sp√§ter ins Laufen!

 

Erstanamnese 6. Oktober 01[2]

Die 50j Patientin kommt in Begleitung ihres Gatten auf Empfehlung der Haus√§rztin, die das Steinkellner-Basistherapie-Programm[3] bereits eingeleitet hat. Vor 5 Wo Whipple-OP wegen eines grossen Pankreas-Kopf-Carcinoms[4], welches erst durch einen pl√∂tzlich auftretenden Ikterus symptomatisch geworden ist. PostOP Stressulkus, die gerade laufende Chemo wird sehr schlecht vertragen, st√§ndige √úbelkeit, Bl√§hungen, Bauchschmerzen, R√ľckenschmerzen, Verdauungsbeschwerden…..

Freundlich l√§chelnd auf eine unverbindliche, eher distanzierte Weise, klein, nicht pummelig aber jedenfalls nicht grazil, nicht √ľberaus gepflegte halblange Haare, eigentlich nicht altersgem√§sse Frisur, die Kleidung nachl√§ssig. Irgendwie abgehoben, die Nettigkeit distanziert sie und macht sie schwer greifbar, hinterl√§sst den Eindruck, dass sie nicht recht weiss, was sie hier soll.

FK

Ischias re seit den Schwangerschaften, v.a. im Bereich der Achillessehne, besser mit Arnika Umschl√§gen. Heuer im Fr√ľhjahr Spondylitis L4-5.

N√§chtliche Ellbogenschmerzen links nach “ Verk√ľhlung“ vor 30 Jahren, wenn Ellbogen kalt wird, tritt dieses Symptom wieder auf.

Carpaltunnelsyndrom re, durch “ Chinesische Therapie“ gut geworden.

Multiple Darmpolypen bei Coloskopie abgetragen.

Sonst immer gesund.

Einmal bin ich auf das Steissbein gefallen, Schmerzen f√ľr 6 Jahre. Dann endlich bin ich wieder einmal Reiten gegangen, hatte dann erneut f√ľr 6 Jahre SChmerzen.

In der dritten Schwangerschaft Auftreten von multipler kleinster Hämangiömchen, die sich ztw. öffneten und spritzend einen Tropfen Blut entleerten (dieser spritzte in einem hauchfeinen Strahl mehrere Meter weit !!), dann Gestose.

Eher hitzig, selten kalt.

Mutter: ist an Krebs gestorben. [weint] Wir hatten Probleme, sie hat mich in Stich gelassen. Mit meiner √§lteren Schwester war sie gl√ľcklich, ich war f√ľr sie nur eine Last. Vater war auch mit mir entt√§uscht, der wollte endlich einen Buben haben. Dabei war ich immer brav, versucht nie aufzufallen. [weint]. Eigentlich wollte ich zuhause nur Liebe, ich war einsam, habe nie Zuwendung bekommen.

Mit 5j hatte ich Zornausbr√ľche, die wurden l√§cherlich gemacht, da bin ich einmal abgehaun und 7km weggelaufen.

Meine wichtigste Bezugsperson war ein Dienstmädchen, die kam aber weg als ich 3 oder 4 Jahre alt war.

Ich wäre sehr gern in den Kindergarten gegangen, aber ich war ständig krank: als Kind immer wieder Angina, viele Zahnprobleme.

Mein sp√§terer Mann ist zu uns als Lehrling gekommen, als ich 9j alt war. Er hat sich von Anfang an abgegeben mit mir. Auch als es sexuell wurde habe ich das geduldet, weil ich Angst hatte, er w√ľrde sonst keine Zeit mehr f√ľr mich haben. Er war aber so anst√§ndig dass er mich dann geheiratet, nachdem ich mit 14 schwanger geworden bin. Meine Eltern meinten damals nur “ weg, du musst sofort weg“ , sie f√ľrchteten um ihren Ruf. Sie haben mich sehr in Stich gelassen.

Mit 15 bekam ich das zweite Kind. Mein Mann war k√ľhl und diktatorisch. Ich dachte ich ersticke neben ihm. Ich habe √ľber 12 Jahre in schwerster Depression verbracht, konnte kaum etwas erledigen habe st√§ndig nur gesessen und geweint. Ich wollte mich scheiden lassen, aber er meinte, ich bek√§me die Kinder nie. Leben konnte ich so nicht, Scheidung kam nicht in Frage. Ich war v√∂llig alleine, konnte mit niemandem reden.

Schliesslich kam ich nach einem SMV in die Psychiatrie. Dort f√ľhlte ich mich frei, konnte “ atmen“ , endlich atmen, neben ihm bekam ich einfach keine Luft. Danach liess ich mich scheiden, zog meine Kinder irgendwie auf, beim Besuch bei meinen Eltern schaute ich nicht nach links und rechts, weil ich mich sch√§mte, in meiner Freizeit war ich Laien-Schauspielerin.

Forsaken feeling? Nein, kein Gef√ľhl, sondern es war eine Tatsache, dass ich alleine war. Schon als Kind in der Schule: ich konnte ja keine Freundschaft pflegen, weil ich ja schon als 9j√§hrige missbraucht worden bin. Das konnte ich schliesslich niemandem erz√§hlen, sonst h√§tte ich die Beziehung zu diesem Mann verloren, er war ja schliesslich der einzige Mensch, den ich hatte. Auch sp√§ter in der Ehe konnte ich √ľber nichts reden, hatte niemanden, konnte mich nie anvertrauen.

Später hatte sie nochmal geheiratet, bekam mit dem 2ten Mann, der sie herbrachte noch ein jetzt 11 jähriges Kind.

Soweit in etwa die 3-4st√ľndige Erstanamnese, deren Zusammenfassung hier keinesfalls die Dichte der erlebten Problematik wiedergeben kann.

Ich hatte gut 25 deutliche, körperlich historische Symptome aufgenommen, eine schlimme Vorgeschichte und einen Zustand nach einem operierten stenosierendem Pankreas-Kopf-Carcinom (also per se eine infauste Diagnose) mit vielen Akutbeschwerden. Wie geht man da vor?

Zur damaligen Zeit habe ich immer die Totalit√§t der Symptome mitgetippt bei der Anamnese, sowie mit ¬ß153 Rubriken “ eliminiert“ , eng an der Vorgehensweise die Dr.Spinedi in seiner Klinik und seinen Seminaren vorgibt.

pancre1

  • GENERALITIES FOOD and drinks sweets agg
  • SKIN CICATRICES painful
  • MIND DWELLS on past disagreeable occurrences
  • numbness finger first second third (kombinierte Rubrik)

Phos. f√ľhrt die Totalit√§t, ist ein sehr bew√§hrtes Mittel f√ľr Pankreas-Carcinome (Phos deckt nach Erfahrungen von Jens Wurster in Clinica St. Croce 50% der Pankreas-Ca F√§lle). Dass sich die zentrale Idee von Phos (“ Verlangen nach Liebe“ ) in der Biographie gut abbildete gab mir das Gef√ľhl einer hohen Verschreibungssicherheit.

daher: Phos Q3 nach der Orginalvorschrift[5] (=AV) mit Aufzeichnung von Verlaufsparameter sowie t√§gliche R√ľckmeldung.

3 Wo später (25.10.01)

erst jetzt erfolgt eine telefonische R√ľckmeldung[6]: bin nur gelegen, nicht mal mehr die Energie zur K√∂rperpflege. Habe Chemo abgebrochen. Ihr Mann ist wie ich selber auch frustriert, er kann sie nicht mal motivieren zumindestens ein Mindestmass an Mitarbeit anzubieten, oder sie dazu zu bringen, mich zumindestens anzurufen. Er meint, sie h√§tte keinen Lebenswillen, h√§tte sich total aufgegeben, ja, auch er h√§tte – wie ich – die Phantasie dass sie sterben will, dass das wie ein Selbstmord auf Raten l√§uft.

Phos scheint in diesem Stadium keine gute Verschreibung mehr, das w√§re sicher schon nach 2-3 Tagen Einnahme klar gewesen, ev. ist der Fall bereits inkoh√§rent und kann vorerst nur mit Lokalbeschwerden und einer “ lokalen Arznei“ therapiert werden[7], aber mit dieser Zusammenarbeit ….., schliesslich habe ich Aur-mur 200 an den Gatten ausgeh√§ndigt[8].

Anruf am 1.11.01 Рca. 1 Woche später

geht etwas besser à soll Aur-mur 200 noch einmal wiederholen und Carb-an 30[9] 2pd[10] dazunehmen

12.11.01 Рca. 1 Woche später [11]

Kommt zu einer Kontrolle in der Ordination (!!). Geht besser, mehr Energie. Aber: mehr H√ľft und Kreuzschmerzen.

Isst viel mehr, ständig hungrig. Starke Blähungen Рaber paradoxerweise nicht durch Kohl (Carb-an !)

Bringt mehrere Träume, die sie in einer Psychotherapie bereits bearbeitet hat.

Erz√§hlt von einem inneren Z√ĄHLMECHANISMUS: schon als Kind hat sie immer in Gedanken gez√§hlt, immer wenn sie in der Nacht wach war und auch tags√ľber. Brauchte dadurch an nichts denken. “ Mein Leben ist wie das Warenhaus im Traum (den sie mir erz√§hlt hatte): ich habe keine √Ąngste, ich gehe √ľberall hin, tw. neugierig, ich tue alles aber empfinde herzlich wenig dabei. Das war eine Kernfrage f√ľr mich: will ich √ľberhaupt leben? F√ľhle mich gespalten in ein fr√∂hliches √Ąusseres und ein dunkles depressives Inneres“ .

wegen teilnahmslose Anästhesie / Dissoziation: OP C30 einmalige Gabe, weiters nach neu-Auswertung des Falles Lyc Q6 AV

3 Tage später (15.11.01)

telefonische Mitteilung: keine Besserung. Sehr hitzig. Übelkeit, Blähungen. Paradoxerweise immer Hunger.

Einmal bin ich meinem ersten Mann mit Messer nachgelaufen! Ich habe aber keine Aggressionen, die sind alle zugedeckt, sind auch in der Therapie nicht rausgekommen.

erneutes Studium aller Symptome und des Gem√ľtszustandes: Nat-iod C30 2pd einen Teel√∂ffel der Aufl√∂sung

4 Tage später: keine Besserung, daher Wechsel auf Iod Q3 AV

3.12.01 Р2 Wo später

Gatte ist da: sie hat zugenommen, schaut eigentlich jetzt super aus. Neue Frisur, neues Gewand. Macht Witze, klimpert am Klavier. Guter Appetit, grosser Gusto. Es ist so wie er es sich im Zusammenleben mit ihr immer gew√ľnscht hat. Von ihr selber bisher keine R√ľckmeldung. Iodum Q4/5 mitgegeben.

14.12.01 Р2 Wo später

Kontrolle bei mir: Schaut super aus. Freundliches L√§cheln, unverbindliche Freundlichkeit die gleichzeitig distanziert. Bauch sehr aufgebl√§ht, OP-Narbe sehr schmerzhaft, brennen, n√§chtliche Schweissausbr√ľche. “ Ich erwache in der Nacht und z√§hle, immer wieder kommt mir zu Bewusstsein, dass ich z√§hle. Bin 100% Mitarbeiterin, sehr genau“ .

Migr√§ne als Kind. Kreuzweh seit 20 Jahren, brennend, Magenschmerzen nach s√ľssem auch seit 20 Jahren.

Ischias seit 12j rechts, seit der 3ten Schwangerschaft. Damals Gelenksentz√ľndungen bekommen, Hautblutungen und H√§mangi√∂mchen aufgetreten, die pl√∂tzlich spritzend Blut entleert haben, schliesslich Gestose. Seit dieser Schwangerschaft viele viele H√§mangi√∂mchen.

Es folgt ein erneuter langer Exkurs in die Vergangenheit, viel Trauer, weinen, Zur√ľcksetzung besonders immer im Vergleich zur bevorzugten Schwester. In Stich gelassen, auch bei der Scheidung, Mutter hat zum Mann gehalten, f√ľhlt sich verachtet (Snake? Arg-nit?).

Hobby: Schauspielerei, spielt im Laientheater seit Jahrzehnten.

“ Wenn ich rausgehe bin ich ein v√∂llig anderer[12], die meisten halten mich f√ľr “ nett“ , freundlich, selbstbewusst, ich bin wie zweigeteilt.“

mit vielen körperlichen Symptomen und v.a. auch gemäss ihrer unverbindlichen undurschschaubaren Freundlichkeit Рim Hintergrund aber dieser jahrzehntelange seelische Missbrauch gebe ich Thuja C30 2pd,

14.1.02 Рein Monat später

erst jetzt wieder telefonische R√ľckmeldung wegen massiven Schwindelattacken[13]. Ging bisher ganz gut, zu Sylvester regelrechter Energieschub, alles um 50% gebessert, v√∂llig ver√§ndertes Erscheinungsbild, Haare v√∂llig abgeschoren.

Spricht erstmals √ľber die Gegenwart, die bisher v√∂llig als Thematik ausgeklammert war, Probleme mit Gatten, Familie, Berufsw√ľnsche, will Schauspielschule machen. Guter Eindruck, daher Thuja als Q-Potenzen weiter

30.1.02 Р2 Wo später

Telefonat: Verdauung ist gut, kann alles essen. Kreuzschmerzen nicht mehr brennend. Energie eher schwach, aber behauptet sich, auch gegen den Gatten. Thuja weiter

8.3.02 Р1 Monat später

Kontrolle: geht nicht schlecht. Wenig Energie, aber auch wenig beschwerden, mehr Verdauungsbeschwerden. Will Paartherapie machen, aber der Mann wehrt sich. Hat Bart und zusammengewachsene Augenbrauen. Schon mit 30j graue Haare.

Konstant: hitzig, hungrig. Es steht, ausserdem passen die Allgemeinsymptome nicht besonders. Erneut Therapieversuch mit Nat-iod 30

25.3.02 Р2 Wo später

Telefonat: Körperlich sofort gut mit Nat-iod, seelisch viel schlechter, schliesslich Körperlich auch wieder viel schlechter.

Pinus-sylvestris 30 2pd (Haus√ľbung war: welcher Baum spricht sie besonders an: “ so bin ich wie dieser Baum, so zerzaust“ )

18.4.02 Р3 Wo später

Telefonat: sofort voller Energie nach Pinus. Schlaf gut, inneres Z√§hlen fast weg, Heisshungerattacken nach Essen weg. Kein innerliches Spaltungsgef√ľhl. Pinus weiter

8.5.02 Р3 Wo später

Telefonische Information: neu ein Knoten in der Brust, Biopsie ergab uncharakteristisches Zellbild, daher will der Chirurg OP. Hatte diesen Knoten schon einmal vor 2 Jahren, damals von selber weggegangen.

Vergangenheit nicht pr√§sent, innerliches Z√§hlen nicht vorhanden, keine Gef√ľhl der Spaltung in lustig-traurig.

Conium Telefonisch empfohlen (Krebs d Dr√ľsen, Pancreas-Ca, Brust-Ca, Schwindel).

 

Bisheriger Behandlungs-Verlauf

eine Patientin mit schlechter Prognose wird durch eine Serie von Similes (Phos, Iod, Thuja, Pinus-s) in einen bisher eindrucksvoll guten Zustand gebracht. Die Patientin “ f√ľhlt sich ganz gesund“ , emotional ausgeglichen und vorw√§rts orientiert, Verdauungsbereich beschwerdefrei.

 

jetzt geht’s Schlag auf Schlag

16.5.02 Operation des Brustknotens

Befund: Hoch differenziertes tubulares Adenokarzinom, Grad 1 pT1mic (ausgedehntes Carcinoma lobulare in situ).

informiert mich telefonisch: postoperativ RIESEN HAEMATOM in der Mamma, Ausdehnung √ľber ganze Brust und Axilla[14]. Ruft mich deswegen im Urlaub an, ich verordne sofort Bellis-perennis Urtinktur (selber ansetzen aus dem Garten) als Umschlag anwenden sowie innerlich einige Tropfen t√§glich.

1 Monat (!!) später: 16.6.02

Kommt endlich wieder einmal: Bis jetzt hab ich Hormone wegen Wallungen genommen (!!). Conium hab ich mir damals eigentlich nicht besorgt. Rauchen gönne ich mir noch.

Das Haematom war schmerzhaft, ganz blau, war sogar beim Notarzt.

Einige Tage nach Einnahme von Bellis-p hat sich die Brust an der OP-Narbe auf einer kleinen Strecke ge√∂ffnet und es hat sich ein Riesen Koagel entleert, sowie f√ľr 2 Tage nachfolgend schwarzes Blut rausgetropft. Anschliessend war die Brust v√∂llig beschwerdefrei und ohne jeden Haematom-Rest. Die Energie ist sehr gut, jeden Tag hat die Energie zugenommen!

Da sitzt diese kleine, fortw√§hrend wie ein Buddha l√§chelnde Patientin die meine intensiven Bem√ľhungen um sie von Beginn an scheinbar so l√§ssig ignoriert mit ihrem Pankreas-Carcinom und jetzt Mamma-Carcinom vor mir und erz√§hlte mir immer wieder mit diesem L√§cheln auf den Lippen grauenhafte seelische Verletzungen in der Vergangenheit! Und dann geht‚Äôs ihr pl√∂tzlich mit Urtinktur Bellis so wunderbar! Mag das ein Bellis-Fall sein?

[abgefragt mit leading questions] Ich bin ein Stehaufmanderl, immer wieder am Boden dahingekrochen, hab ich mich aber immer wieder hochgerappelt.

Mein Leben ist wie eine Berg und Tal Bahn, es war sehr viel Tal drinnen, die Täler waren sehr ausgeprägt! Die depressiven Zeiten, als Kind schon, das ganze Alleinesein, die Einsamkeit.

Mir ist jetzt eingefallen, ich habe von mir aus den k√∂rperlichen Kontakt mit meiner Mutter mit 7-8j abgebrochen und verweigert, sie hat mich oft umarmt, sie war eigentlich gut und herzlich, aber sie war strohdumm, drum ist das so gekommen. [klingt genau umgekehrt wie fr√ľher erz√§hlt]. Das Verh√§ltnis zur Mutter [weint pl√∂tzlich] war sowieso immer schwierig, meine erste Bezugsperson war das Dienstm√§dchen, dann kam ich mit 5j ins Spital wegen Scharlach.

Dort war ein anderes M√§dchen aus niedrigem Mileu, die machte mir klar, dass die Erwachsenen von hinten bis vorne nur l√ľgen und betr√ľgen, ich fand sie hatte recht, da hab ich mit den Erwachsenen abgeschlossen.

Die Eltern haben ja gesagt, schau wir gehen ins Spital, dort ist es nett und schön, und dann haben sie mich 3 Wo nicht mehr besucht[15].

Ich habe dann den Erwachsenen nicht mehr getraut, sp√§ter den k√∂rperlichen Kontakt zu Eltern abgebrochen, daf√ľr Liebe mit dem Lehrbuben gemacht, gesucht sp√§ter mit dem Gesellen, dann der n√§chste Lehrbub der mein Mann wurde [sie reinszeniert die Verletzungen und den Vertrauensbruch immer wieder]. Ich habe sehr h√§ufig sterben wollen, hab mich immer wieder aufgerappelt und immer wieder hochgestanden, so ist es gegangen.

Immer war ich äusserlich total gut drauf, immer. Nach aussen, die andern haben das nicht gewusst, niemand hat das gewusst das es innerlich so aussieht.

Jetzt , schon seit einigen Jahren erwache ich sehr fr√ľh, um 5h werde ich wach, stehe um 6-7h auf. Ich werde munter, versuche die Augen nicht aufzumachen und nichts zu denken, es ist ja viel zu fr√ľh um aufzustehen!

Als ich schwanger war hab ich ja √ľberall rote Punkter bekommen, auch auf den Fingern und h√§nden Sykotische Naevi, von dort ist das Blut in einem solchen D√ľnnen Strahl rausgespritzt, dass man den Strahl nich tgesehen hat, und als das aufgetroffen ist, hat man erst den Blutstropgfen gesehen.

Grosses Verlangen nach KOHL

Die Symptome, das gesamte Bild und die Reaktionen (Blutungen, Haemangiom…) weisen auf Bell-p hin (Seideneder).

Wichtiges Leitsymptom: morgens munter, Blutung, Blutung, Blutung. Tiefe emot Verletzung, wird abgekapselt und tief im Inneren beh√ľtet, nach aussen aber immer L√§cheln, “ keiner wusste dass es mir innerlich so schlecht geht“ !!! Krebs der Dr√ľsen.

aber am wichtigsten: diese deutliche, ja wundersame Besserung nach einigen Tagen Bellis Tinktur[16]!! Räumt zuhause zusammen, entfernt den Mist, der sich im letzten Jahr angesammelt hat.

Bell-p 200 √ľber 3 Tage intensiviert (in Wasser st√ľndlich 1 TL)

August 02

Anruf (Datum nicht genau dokumentiert): bei Kontroll-Untersuchung einige Tage nach dem letzten Termin bei mir wurde eine diffuse Metastasierung der Leber festgestellt, vom Pankreas-Carcinom ausgehend (Befund liegt mir nicht vor). Palliative Chemo wird eingeleitet. Bellis-p 200 2pd, weiters Hydr. D3 2 x täglich

20.09.2002

Von der Patientin bisher nichts geh√∂rt, aber der betreuende Internist hat mich angerufen und mitgeteilt, dass die Lebermetastasen massiv zur√ľckgehen. Darauf lade ich die Patientin ein.

Hab mir einen Kindheitstraum erf√ľllt und ein Pferd gekauft, mache Hausumbau.

Das undurchschaubare L√§cheln ist weg. Bem√ľhe mich mehr um Mann, verstehe ihn besser, bin vers√∂hnlich gestimmt. Die dunkle Innenseite und die helle Aussenseite haben sich aufgel√∂st.

Habe mit der Psychotherapie aufgeh√∂rt, ich muss jetzt nicht mehr in der Vergangenheit herumw√ľhlen. War wichtig, ohne der Therapeutin w√§re ich “ alleine dagestanden“ [17].

Chemo vertrage ich diesmal sehr gut, leichte Beschweden nur f√ľr 1-2 Tage.

Carpaltunnelsyndrom rechts wieder da (damals mit Chinesischer Therapie verschwunden).

Alles blähende, Bohnen, Linsen, Kohl vertrage ich gut und habe starkes Verlangen danach.

Mit Bellis-p hab ich aufgehört, das regelmässige Einnehmen wollte ich nicht mehr. Hydrastis D3 nehme ich noch manchmal[18].

Bellis-p XM (intensiviert f√ľr einige Tage).

Weiterer Fallverlauf

Das war der letzte direkte Kontakt mit der Patientin. Über die Hausärztin erfuhr ich, dass die Lebermetastasen kurz danach (unter Chemo) vollständig verschwunden waren[19] und es ihr hervorragend ginge.

Im J√§nner 03 Neudiagnose von Knochenmetastasen. Auf die Frage der Haus√§rztin an die Patientin, wieso sie nicht zu mir ginge, hat sie geantwortet “ Dr. Retzek meinte, er k√∂nne jetzt nichts mehr tun[20]“ . Den vermutlich systemisch bedingten Verlauf, den die Patientin implizit durch ihre Strategien anzeigt, nehme ich mit grosser Demut und Hochachtung zur Kenntnis.

R√ľckblickend bin ich √ľberzeugt, dass Bellis sich als “ die Arznei“ f√ľr die Patientin darstellt. Nahezu jedes deutliche und historische Symptom der Patientin fand ich im wunderbaren Seideneder (Mitteldetails) wieder. Der Verlauf der Behandlung ist nicht untypisch bei fortgeschrittene Krebserkrankungen, kann man das Similimum finden und ist dieses noch dazu ein Krebsmittel, sind sogar derartige F√§lle durchaus noch im Bereich der Heilbarkeit.

Bellis-perennis[21]

Das G√§nsebl√ľmchen ist eine Blume, auf der st√§ndig herumgetreten wird und die sich doch immer wieder l√§chelnd aufrichtet.

Tiefe Traumata auf phys. oder psychischen Ebene. Der emotionale K√∂rper wurde misshandelt, besch√§digt oder trug tiefe Verletzungen davon. Es bildet sich tief im Inneren so etwas wie ein emotionaler Tumor, eine Verkapselung, eine verh√§rtete, sehr schmerzende Stelle, wie eine Art vernarbte Wunde, eine verletzte, entsetzlich zerschundene, schmerzende Stelle in ihrem Gef√ľhlsleben.

Sie versuchen, diese Wunde und den Schmerz in sich zu verschliessen, erz√§hlen keinem davon, suchen nicht nach Hilfe, erleichtern sich nicht durch Weinen, sondern setzen stattdessen ein fr√∂hliches Gesicht auf, lassen sich √§usserlich nichts anmerken, werden deshalb von anderen auch f√ľr stark und unempfindlich gehalten.

F√ľhlt sich ungeliebt, st√∂sst nur auf Desinteresse und Ignoranz, doch versagt den aufs tiefste verletzten Gef√ľhlen jeglichen Ausdruck, beklagt sich nicht.

Körperlich

Fr√ľhaufsteher (“ day-see“ ), Verlangen nach kr√§ftigen Speisen, Senf, Kren, Zwiebel, Wurst.

Masturbation exzessiv, bei Kindern und Kleinkindern, bei kleinen Mädchen!

Schwangerschaft agg, Krampfadern, unm√∂glich zu gehen. Mamma-Carcinom. R√ľckgratverletzungen, Folgen von Sturz auf das Steissbein (Hyper). Tennisellbogen.

Ekchymosen, Knutschflecke, Varik√∂se Adern mit geprelltem, schmerzhaftem Gef√ľhl. Blutungsneigung, besonders nach Anstrengung. usw usf.[22]

Interessant noch, Sankaran gibt f√ľr das “ Carcinosinische Miasma“ bei den Compositae, deren zentraler Konflikt die Verletzung darstellt, Bellis-p an.

Dr. med. Helmut B Retzek

Ausbildung bei Peter K√∂nig, Romed Recheis, Anton Rohrer, viele Sankaran Seminare. Autor der Complete Materia Medica Mind (1995). Niedergelassener Hom√∂opath in V√∂cklabruck seit 1998. Ab 1999 Studium der Methode von K√ľnzli / Spinedi. 2001 bei Massimo Mangiallavoris KOINE Kurs. Seit 2002 intensive Zusammenarbeit mit XXX YYY, Hannover.

 


[1] ausserdem sind derartige Kriterien f√ľr einen fortgeschrittenen Krebsfall nur bedingt zul√§ssig

[2] Die Anamnesen sind stark gek√ľrzt, beschr√§nken sich auf das f√ľr das Fallverst√§ndnis notwendige, da die Krankengeschichte in Winword 40 Seiten lang ist und viele Stunden Anamnese umfasst

[3] Dr. Werner Steinkellner, Gr√ľnburg O√Ė. Proponent der √ĖGO (www.oego.or.at): Immunstimulation mit Mistel, Mukokehl, Antioxidantien usw.

[4] Z.n. Pankreatikoduodenektomie nach WhippIe, 9/2001 (niedrig differenziertes tubulokribrös und kleinherdig solidgebautes Adenocarzinom des Pankreas (pT3 N1 РG3), Prognose 10% Überlebensrate im ersten Jahr

[5] die Vorschriften, wie sie auch von der Clinica St. Croce verwendet werden können als Fertige Anleitungen mit Bildern und Verlaufsparameter-Schablonen von meiner Website runtergeladen werden (www.ganzemedizin.at)

[6] diese inkosenquente Zusammenarbeit wird die Patientin weiterhin so halten, alle Versuche meinerseits durch Erkl√§rungen & Bitten & Nachrufen sie zu prompteren R√ľckmeldungen, zum F√ľhren von Verlaufsparameter Listen usw. zu motivieren sind gescheitert

[7] Theorie und Methodik der Krebsbehandlung siehe Seminarmitschriften von Dr. Spinedi auf meiner Website, weiters (eingeschr√§nkt, da v.a. Literatur-Arbeiten) Spinedis B√ľcher.

[8] eine spekulative Verschreibung die die Verzweiflung des Behandlers in dieser verzweifelten Situation wiederspiegelt: Aur f√ľr die v√∂llige Gleichg√ľltigkeit und spekulierter Suizidneigung, Muriatikum, da Aur-mur als Tuberkulinische Arznei einen besonderen Dr√ľsen und Pankreas Bezug hat.

[9] lokale Verschreibung – weg von der “ Konstitution“ wegen vermuteter Inkoh√§renz des Falles (nach Candegabe/Carrara): Krebs der Dr√ľsen, Brennende Schmerzen im R√ľcken, Heimweh, (Pancreas-Ca), div. Bl√§hungsrubriken, Verlangen n. Sauerkraut

[10] Angloamerikanische Nomenklatur: 2pd = 2 x per day 2pw = 2 x per week, 2pm = 2 x pm, 4py = 4 x per year

[11] sehr gek√ľrzt

[12] sie hatte mir bereits fr√ľher “ Spaltungstr√§ume“ gebracht, Anac, Lac-c alles interessante Arznein, die man aber schlecht so “ probatorisch“ bei einem Pankreas-Ca geben kann

[13] Eintrag in der Kartei: “ die Therapie dieser Patientin ist unm√∂glich!!! Keinerlei Compliance“

[14] derartige Haematome in Carcinom-OP-Wunden haben sich nahezu immer als desaströs erwiesen !!

[15] diese Vorgehensweise war √ľblich bis vor etwa 20 Jahren, die Eltern sollten nicht ins Spital kommen “ um die Kinder nicht aufzuregen

[16] so eine Arznei findet man nat√ľrlich nicht √ľber den Kent-Fragebogen und das Repertorisieren von Rubriken mit K√ľnzli Punkt. Das Erlebnis mit diesem Fall hatte daher einen grossen Einfluss auf meine weitere Praxis

[17] dabei haben sich alle Beteiligten mit √úbermass bem√ľht. Auch die Haus√§rztin, die regelm√§ssig die Steinkellner-Infusionen verabreicht und bei der ich mich in Ermangelung einer ad√§quaten Compliance der Patientin manchmal erkundige, begreift die “ Zur√ľckhaltung“ der Patientin nicht.

[18] Ich hole mir anlässliche dieses Termines die Erlaubnis, diesen Fall mal zu publizieren.

[19] dies konnte ich bislang nur 3x erleben: 2 x mit Kali-c und bei dieser Bellis-Patientin (?). Onkologisch wird die Chemotherapie bei diffuser Lebermetastasierung nur mehr mit palliativer Absicht eingesetzt.

[20] tats√§chlich meinte ich im September, dass ich davon √ľberzeugt w√§re, dass Bellis ein wunderbares Mittel f√ľr sie w√§re und wir da vorerst nichts daran √§ndern w√ľrden – und habe sie wie immer beauftragt, sie m√∂ge sich in 2-3 Wochen wieder melden.

[21] zitiert aus Seideneder (Orginalquelle siehe dort)

[22] Seideneder sei hier explizit als “ das Nachschlagewerk“ empfohlen, in der 3ten Auflage ist u.a. auch Herings GS und Jahrs Venerische Krankheiten exakt eingearbeitet.

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