Geduld beim Einsatz von Antibiotika bei Kindern mit akuter Otitis media

22.2.01 Fachbereich: Pädiatrie,HNO,Infektionen

Einer aktuellen britischen Studie zufolge ist bei Kindern mit akuter Otitis media Abwarten möglicherweise sinnvoller als der direkte Einsatz von Antibiotika.

Wie Dr. Paul Little von der University of Southampton und Kollegen im British Medical Journal berichten, ist eine solche Strategie realisierbar, für Eltern akzeptabel und sollte den Einsatz von Antibiotika deutlich reduzieren.

Den Eltern von 315 Kindern zwischen sechs Monaten und zehn Jahren, die wegen akuter Otitis Media eine Allgemeinarzt-Praxis aufsuchten, wurden randomisiert zwei Behandlungsstrategien angeboten: Einmal der direkte Einsatz von Antibiotika und zum anderen, erst einmal 72 Stunden abzuwarten und dann den Einsatz von Antibiotika in Erwägung zu ziehen.

Der sofortige Einsatz von Antibiotika hatte gegenüber dem verzögerten Einsatz einige Vorteile wie eine verkürzte Krankheitsdauer und weniger gestörte Nächte. Diese Vorteile griffen aber hauptsächlich nach den ersten 24 Stunden, wenn sich das Leiden und die Symptome sowieso bereits verbesserten. In punkto Schmerzen und Fehlen in der Schule gab es denn auch kaum Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Der sofortige Einsatz von Antibiotika steigerte den Glauben der Eltern an ihre Effizienz. Auf der anderen Seite traten allerdings auch Fälle von Diarrhoe um zehn Prozent häufiger auf.

Insgesamt waren 77 Prozent der Eltern, die die “ wait and see“ -Strategie einsetzten, damit sehr zufrieden. Zudem glaubten weniger von ihnen an die Effektivität von Antibiotika und die Notwendigkeit, mit dem gleichen Problem künftig den Arzt aufzusuchen. Dieser Ansatz resultierte in einer Verringerung des Gebrauchs der verschriebenen Antibiotika um 76 Prozent.

Die Wissenschafter konkluideren, dass für Kinder, denen es insgesamt nicht allzu schlecht geht, diese Vorgehensweise deshalb realisierbar scheint und künftig helfen könnte, die Gefahr durch Antibiotika-resistente Bakterien zu reduzieren.

© 2001 www.medaustria.at Quelle: BMJ 2001, 322: 336-342 (chi)

siehe auch die Patienteninformation bei Otitis media nach neuesten wissenschaftlich geprüften Medizinischen Standards (Evidence Based Medicine: Algorithmen für Ärzte):

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